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Home Sonderthemen Arbeitsmarkt/Ausbildung Die Kleinen trifft es hart
11:27 28.03.2017
Fachkräftemangel ist zunehmend für kleinere und mittlere Unternehmen ein Problem.

Fachkräftemangel ist ein bundesweites Problem. Doch es trifft lokal gerade kleine und mittlere Unternehmen. Vor allem sie sind aktuell von einem Fachkräftemangel betroffen. Für sie ist es schließlich schwieriger, als für große Konzerne mit attraktiven Arbeitsbedingungen zu werben. Dazu gibt es eine aktuelle Studie.

In Deutschland fehlen demnach vor allem immer häufiger Fachkräfte wie Meister, Techniker oder Fachwirte, also mit Aufstiegsfortbildung. Zu diesem Ergebnis kommt die Studie „Berufe mit Aufstiegsfortbildung: Zwischen Fachkräfteengpässen und Digitalisierung“, die das vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie geförderte Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung (KOFA) 2016 veröffentlicht hat.

Die Mittelstandsbeauftragte der Bundesregierung, Iris Gleicke, sagt dazu: „Der Mangel an qualifizierten Fachkräften wird gerade für kleine und mittlere Unternehmen zunehmend zum Problem. Deshalb haben wir in dieser Legislaturperiode eine ganze Reihe von Fördermaßnahmen ergriffen und unter anderem die Allianz für Aus- und Weiterbildung ins Leben gerufen. Wir wollen jungen Menschen vor Augen führen, welche Chancen ihnen eine Fortbildung zum Meister, Techniker oder Fachwirt bietet: Sie ist der beste Schutz vor Arbeitslosigkeit und bietet sehr gute Verdienstperspektiven.“

Im März 2016 gab es in 35 von 102 Fachkräfte-Berufen Engpässe. Im August 2011 war dies lediglich bei 22 Berufen der Fall. Vor allem die Bereiche Gesundheit, Soziales und Bildung sowie Metall- und Elektro-Industrie seien stark betroffen. Um diese Engpässe zu entschärfen, zeigt die Studie drei Wege auf: Erstens könnten Unternehmen die Weiterqualifizierung von Mitarbeitern, die über eine abgeschlossene Berufsausbildung verfügen, noch stärker unterstützen. Zweitens sollten gerade auch kleine und mittlere Unternehmen die Möglichkeiten der Digitalisierung stärker in den Blick nehmen. Computer und computergesteuerte Maschinen könnten Spezialisten bei einem Teil ihrer Tätigkeiten unterstützen und sie so entlasten.

Drittens müssten Fachkräfteangebot und -nachfrage noch besser zusammen geführt werden. Potenzial biete hier beispielsweise die Förderung der Mobilität von Arbeitskräften und eine überregionale Ausweitung der Rekrutierungswege von Unternehmen. Zu diesen und weiteren Themen der Personalarbeit bietet das KOFA auf seiner Homepage www.kofa.de konkrete Handlungsempfehlungen und Beispiele guter Praxis, die auf kleine und mittlere Unternehmen zugeschnitten sind.

www.kofa.de

Den Flüchtlingen eine Chance

Arbeitgeber können bei einem Praktikum die Bewerber im Arbeitsalltag testen

Wer Flüchtlinge als Praktikanten einsetzt, kann sie im Arbeitsalltag testen. produktion.de
Wer Flüchtlinge als Praktikanten einsetzt, kann sie im Arbeitsalltag testen. produktion.de

Praktika und Hospitationen von Flüchtlingen bieten Arbeitgebern laut Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung (KOFA) eine „gute Möglichkeit, künftige Fachkräfte zu identifizieren und für eine Ausbildung oder eine Beschäftigung“ im Betrieb zu gewinnen. Denn während eines Praktikums oder einer Hospitation erlebt der Arbeitgeber die Person im Arbeitsalltag. So hat er die Möglichkeit, vorhandene Kenntnisse und Begabungen zu erkennen.

Besonders einfach lassen sich Praktika und Hospitationen mit anerkannten Flüchtlingen gestalten, weil man hier keine Besonderheiten im Vergleich zu anderen inländischen Praktikanten berücksichtigen muss. Für Flüchtlinge, die sich noch im Asylverfahren befinden, sowie für Flüchtlinge mit einer Duldung, haben sich die Regelungen für eine Einstellung in der letzten Zeit vereinfacht. Seit August 2015 können Betriebe viele Praktika für diese Gruppen ohne Zustimmung der Arbeitsagentur anbieten. Bei kürzeren Praktika, die maximal drei Monate dauern, muss außerdem nicht der gesetzliche Mindestlohn gezahlt werden.

Für alle Flüchtlinge gilt grundsätzlich die Steuer- und Sozialversicherungspflicht, sobald sie ein nicht vorgeschriebenes Praktikum gegen ein Entgelt von mehr als 450 Euro ausüben. Mit der Anmeldung der Beschäftigung bei der Krankenkasse wird eine Sozialversicherungsnummer erstellt und dem Arbeitgeber mitgeteilt. Bei einer Vergütung unter 450 Euro muss man als Arbeitgeber keinen Pauschalbetrag zur Krankenversicherung zahlen, wenn der Flüchtling in Deutschland nicht gesetzlich krankenversichert ist. Dies ist der Fall, wenn der Flüchtling im Sozialleitungsbezug steht. Ob eine Versicherung bei der gesetzlichen Krankenkasse vorliegt, kann man der Gesundheitskarte entnehmen.

Mehrfach profitieren

Muss eine künftige Fachkraft unbedingt aus der Region stammen? Bereits vor ihrem Abschluss können junge Akademikerinnen und Akademiker für ein Unternehmen ein echter Zugewinn mit Blick auf die Zukunft sein: Mit Werkstudentenverträgen oder Praktika kann die berufliche Zukunft in einem Unternehmen bereits während des Studiums beginnen.

Dabei kann der Arbeitgeber gleich mehrfach profitieren: Einerseits kann er junge Talente im Unternehmen testen und Kontakte über das Studium hinaus knüpfen. Anderseits profitiert es von der Arbeit junger leistungsbereiter Menschen, die aktuellste Fachkenntnisse und neue Impulse in das Unternehmen einbringen. Kontakt zu internationalen Studierenden erhalten Interessierte unter anderem über die akademischen Auslandsämter beziehungsweise die International Offices an Hochschulen, internationalen Studentenorganisationen oder MigrantenCommunities.

Qualifikation bringt voran

43,3 Prozent aller deutschen Unternehmen bilden An- und Ungelernte weiter

Nachqualifizierungen können beiden Seiten weiterhelfen – Arbeitnehmern und Arbeitgebern.
Nachqualifizierungen können beiden Seiten weiterhelfen – Arbeitnehmern und Arbeitgebern.

Zwei Drittel der Erwerbstätigen ohne berufsqualifizierenden Abschluss übernehmen heutzutage erwartungsgemäß einfache Tätigkeiten. Ein Drittel arbeitet jedoch auch in Berufen, für die in der Regel ein Berufsabschluss notwendig ist. Mit anderen Worten: Sie haben während ihrer Erwerbstätigkeit die notwendigen Kompetenzen für anspruchsvollere Tätigkeiten erworben. Dennoch nehmen Anund Ungelernte viel seltener an betrieblichen Weiterbildungsmaßnahmen teil als Personen mit einem Berufsabschluss. Das lässt sich ändern.

Die Nachqualifizierung An- und Ungelernter ist – zum Nutzen von Arbeitnehmer wie auch Arbeitgeber – ein wichtiges Mittel, um Fachkräfteengpässen entgegen zu wirken. Viele Unternehmen nutzen diese Möglichkeit bereits: 43,3 Prozent aller Unternehmen in Deutschland bilden An- und Ungelernte weiter, um sie anschließend für qualifizierte Tätigkeiten einsetzen zu können. Zahlreiche Unternehmen berücksichtigen dies auch schon im Rekrutierungsprozess: So berichten 62 Prozent aller kleinen Unternehmen, die kürzlich An- und Ungelernte eingestellt haben, dass sie diese gezielt eingestellt haben, um sie zu Fachkräften weiterzubilden. Von den mittleren Unternehmen gaben dies 60 Prozent an, von den großen 54 Prozent.

Das Spektrum der Möglichkeiten zur Qualifizierung reicht von aufgabenbezogenen Schulungen bis zu mehrjährigen Maßnahmen. Unternehmen profitieren von dieser Form der Qualifizierung, weil die Person passgenau die im Unternehmen benötigten Kompetenzen erlernt. Für die Beschäftigten bietet das sukzessive Erlernen von Teilqualifikationen einen guten Wiedereinstieg in das Lernen. Nicht wenige Unternehmen bieten an- und ungelernten Kräften gar eine umfangreichere Qualifikation an. Zehn bis 20 Prozent der Unternehmen eröffnen die Möglichkeit, sich schrittweise bis zum Berufsabschluss zu qualifizieren.

Beileibe kein altes Eisen

Generation 50plus: Ungenutztes Arbeitskräftepotenzial schlummert noch

Die Generation 50plus kann noch viel leisten. IKK
Die Generation 50plus kann noch viel leisten. IKK

Die Generation 50plus bietet ein teilweise noch ungenutztes Arbeitskräftepotenzial. Im Jahr 2015 lag die Arbeitslosenquote in dieser Gruppe bei fast 9 Prozent. Wenn es gelingt, den Anteil der Erwerbstätigen in dieser Altersgruppe zu erhöhen, könnten zusätzliche Fachkräfte für eine Vollzeittätigkeit zur Verfü- gung stehen.

Ältere Arbeitnehmer haben viele Vorzüge, die Unternehmen nutzen können. Die Generation 50plus verfügt aufgrund ihres Alters über ein hohes Maß an Lebenserfahrung. Diese ist meist verknüpft mit einer langjährigen Berufserfahrung und einem entsprechend umfangreichen Fachwissen. Dementsprechend kurz kann sich die Einarbeitungsphase im Betrieb gestalten.

Auch die persönlichen Stärken wirken sich positiv auf die Arbeit aus: Ältere Menschen haben in der Regel ein höheres Verantwortungs- und Qualitätsbewusstsein und sind nicht (mehr) darauf bedacht, ihre Karriere durch einen Arbeitgeberwechsel voranzutreiben. Letzteres begünstigt auch eine geringere Fluktuationswahrscheinlichkeit.

Der Wettbewerb um die besten Fachkräfte – ältere wie auch jüngere – lässt sich gewinnen mit guten Entwicklungsperspektiven. Gerade für die älteren Fachkräfte ist lebenslanges Lernen immer wichtiger, um das Fach- und Expertenwissen aktuell zu halten.

Es gibt zahlreiche Förderprogramme, welche Unternehmen bei der beruflichen Weiterbildung älterer Beschäftigter finanziell unterstützen. Darüber hinaus werden von den Arbeitsagenturen unter Umständen Eingliederungszuschüsse gezahlt, wenn ein Arbeitsvertrag mit einem über 50-Jährigen geschlossen wird.

Stille Reserve nicht vergessen

Der Wettbewerb um Fachkräfte wird immer größer. Für kleine und mittlere Unternehmen kommt es daher darauf an, alle vorhandenen Potenziale zu nutzen. Und ungenutzte Potenziale sind vorhanden.

Im Jahr 2015 gab es bundesweit 5,7 Millionen Menschen, die (stärker) in den Arbeitsmarkt eingebunden werden wollten. Hierunter fallen nicht nur Personen ohne Beschäftigung. Auch viele Beschäftigte möchten mehr arbeiten. Jeder 15. Beschäftigte würde seine Arbeitszeit gerne ausdehnen – insbesondere Teilzeitbeschäftigte. Eine Million Interessierte gehören zur sogenannten Stillen Reserve. Diese Personen sind zwar nicht arbeitslos gemeldet, würden aber unter bestimmten Voraussetzungen Die Generation 50plus kann dennoch gerne arbeiten.

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