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Home Sonderthemen Neues aus Gifhorn und Umgebung „Absolut bewahrenswert!“
11:44 04.10.2019
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Wenn man das erste Mal davon hört, dass die ehemalige Kaserne in Wesendorf eine militärhistorische Ausstellung beherbergt, denkt man an ein paar Uniformen, Abzeichen und Schusswaffen aus den letzten Jahrzehnten, die in maximal einer Viertelstunde erschöpfend betrachtet sind. Von wegen! Wer das Museum im Untergeschoss des ehemaligen Stabsgebäudes betritt, wird schnell eines Besseren belehrt. Die immense Anzahl von über 10.000 Exponaten aus mehreren Jahrhunderten, die mit viel geschichtlichem Wissen arrangiert und detailliert beschriftet sind, ist überwältigend. Unter der fachkundigen Führung von Sönke Begert, Berthold Metzele und Harald Tiede begeben sich die Besucher auf eine spannende Entdeckungsreise durch die Zeit, in der sie historische Details und Zusammenhänge erfahren können, die vielen Gästen bis dahin unbekannt sein werden.

Eine einzigartige Sammlung

Waffen, Uniformen und Abzeichen von Bundeswehr, NVA, Marine, aus dem Kaiserreich und der Weimarer Republik sowie den beiden Weltkriegen, teilweise aus Südafrika, Russland oder den USA wiederbeschafft – es ist kaum zu glauben, wie umfassend die Ausstellung die militärische Geschichte unseres Landes dokumentiert. Dabei muss man kein Experte oder ehemaliger Soldat sein, um Herkunft und Bedeutung der Ausstellungsstücke einordnen zu können.


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 Durch die sorgfältige Beschilderung und viel mehr noch die drei Kameraden selbst, die zu jedem Ausstellungsstück eine ganze Geschichte erzählen können, wird Wissen mit guter Unterhaltung kombiniert. Doch Vorsicht: Dabei können Stunden wie im Fluge vergehen!
  

„Seinen Tarnanzug gestaltet jeder Scharfschütze dem Einsatzort entsprechend selbst“, weiß Sönke Begert.
„Seinen Tarnanzug gestaltet jeder Scharfschütze dem Einsatzort entsprechend selbst“, weiß Sönke Begert.

Bis zu 55 Jahre lang sammeln Berthold Metzele, Harald Tiede, Rainer Dubois und Sönke Begert schon Pickelhauben, Kriegsgefangenenpost, Seitengewehre u. v. m. und haben so die größte und vollständigste öffentlich zugängliche militärhistorische Sammlung Deutschlands geschaffen. 90 Prozent der Gegenstände haben sie gekauft, den Rest haben u. a. ehemalige Soldaten gestiftet. Dabei lässt die Fülle der Exponate vermuten, dass die Sammlung nahezu vollständig sein müsste, doch das täuscht. „Uns fehlt noch einiges und wir freuen uns immer über Spenden“, sagt der Reservist Sönke Begert.  


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Marschzirkel und Pickelhaube
Marschzirkel und Pickelhaube

Sein Spezialgebiet sind Waffen. Nachdem er zwei Jahre lang von 1971 bis 1973 auf einem U-Boot-Jäger in Flensburg stationiert war, hat Sönke Begert angefangen zu sammeln.

Sein ältestes Gewehr ist von 1750. Dabei interessiert er sich nicht nur für die Waffen selbst, sondern für alles, was damit zusammenhängt: Patronen, Riemen, Wehrbücher, Putzzeug und vor allem historische Fotos von Soldaten, die diese Waffen tragen. Sein umfangreiches Wissen ist mittlerweile in fünf Bücher mit eingeflossen. 
  

Die Schaufenster-Puppen stammen aus Geschäftsauflösungen, aber nicht jede ist geeignet. „Neue Puppen stehen oft so unglücklich – die können wir nicht nehmen“, erklärt Sönke Begert.
Die Schaufenster-Puppen stammen aus Geschäftsauflösungen, aber nicht jede ist geeignet. „Neue Puppen stehen oft so unglücklich – die können wir nicht nehmen“, erklärt Sönke Begert.

Seine Frau teilt seine Leidenschaft und unterstützt ihn. „Sie hat alle Beschriftungen im Museum angefertigt, und sie macht es gerne! Nur im letzten Jahr hat sie gemeutert, weil es zu viel wurde“, gibt er zu.

Nach langer Reise zurück in Wesendorf


Die Ausstellung existiert bereits seit 1993, als die Reservistenarbeitsgruppe in die damalige Hammerstein-Kaserne einzog. 1994 wurde sie der Öffentlichkeit zum ersten Mal präsentiert. Doch mit der Auflösung des Panzergrenadierbataillons 332 mussten die Exponate weichen.
  

Die Redewendung 08/15 geht auf das Einheits-Maschinengewehr aus dem Ersten Weltkrieg zurück (vorne). 08 steht für das Jahr der Einführung, 15 für das Jahr der Weiterentwicklung. Wegen des eintönigen Trainings an der Waffe und der zu Kriegszeiten abnehmenden Materialqualität bekam „08/15“ eine abwertende Bedeutung. Das Holzgewehr dahinter diente Übungszwecken.
Die Redewendung 08/15 geht auf das Einheits-Maschinengewehr aus dem Ersten Weltkrieg zurück (vorne). 08 steht für das Jahr der Einführung, 15 für das Jahr der Weiterentwicklung. Wegen des eintönigen Trainings an der Waffe und der zu Kriegszeiten abnehmenden Materialqualität bekam „08/15“ eine abwertende Bedeutung. Das Holzgewehr dahinter diente Übungszwecken.

Obwohl die Sammlung zahlreiche Raritäten umfasst und „aufgrund ihrer nationalen Dimension und Bedeutung absolut bewahrenswert“ ist, wie das Militärgeschichtliche Forschungsamt Potsdam und das Militärhistorische Museum der Bundeswehr in Dresden bescheinigen, hatten es die Reservisten nicht leicht, eine neue Bleibe für die Ausstellung zu finden. „In zehn Jahren sind wir fünfmal umgezogen. Zum Schluss brauchten wir 60 Reservisten, die fünf Lkw mit 1.000 Kisten und 100 Uniform-Puppen beladen haben“, erzählt Sönke Begert.
  

Nach dem Ersten und dem Zweiten Weltkrieg wurde viel Wehrmaterial für die zivile Nutzung umgebaut. So entstand zum Beispiel Altarschmuck aus französischen Bajonetten.
Nach dem Ersten und dem Zweiten Weltkrieg wurde viel Wehrmaterial für die zivile Nutzung umgebaut. So entstand zum Beispiel Altarschmuck aus französischen Bajonetten.

Zwischenzeitlich wurden die Museumsstücke immer wieder angefragt und u. a. in vier Ausstellungen beim Wachbataillon in Berlin gezeigt. Nun freut sich Sönke Begert, dass die MHA wieder in ihrer neuen alten Heimat im Hammerstein Park ist. „Dafür sind wir den vielen Helfern, die uns beim Wiederaufbau unterstützt haben, und natürlich Kai Lange, dem Eigentümer des Hammerstein Parks, der uns die Räume zur Verfügung stellt, sehr dankbar.“
  

Die Militär-Historische-Ausstellung (MHA) im Hammerstein Park ist ein Projekt von Förderern und Reservisten des Verbandes der Reservisten der Deutschen Bundeswehr e. V., Kreisgruppe Südheide, RAGWUM.

- Wiedereröffnung 05.07.2019
- 400 m² Ausstellungsfläche
- 10.000 Ausstellungsstücke

Der Reservistenverband RAGWUM freut sich über Exponate, besonders solche mit Bezug zum ehemaligen Standort in Wesendorf.


Hammerstein Park in Wesendorf
Berliner Straße 2
ehemaliges Stabsgebäude Nr. 18

Besichtigung nach Absprache unter 05361/655419 oder E-Mail: mha-wesendorf@web.de

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