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Home Sonderthemen Neues aus Gifhorn und Umgebung Zwei, die nicht stillsitzen können: Hede und Detlef Stahmer aus Meinersen
00:05 26.08.2020

Hede und Detlef Stahmer scheuen vor keinem Projekt zurück und scheinen vor nichts Angst zu haben. Nur ganz am Anfang kamen Detlef Stahmer kurzzeitig Bedenken: als die beiden im Jahr 1983 auf der Meinerser Traditionsinsel im Auto saßen und darüber nachdachten, das Haus, vor dem sie standen, zu kaufen. „Mein Mann wollte gleich wieder Gas geben“, erinnert sich Hede Stahmer schmunzelnd. Denn das, was wenige Jahre später als historisches Schmuckstück und Antiquitäten-Café weit über die Grenzen der Gemeinde hinweg bekannt werden sollte, war damals nur ein heruntergekommenes Gebäude mit einer wenig anheimelnden Harzer Holzverkleidung. Zwei Zimmer waren bewohnbar, aber auch nur im Sommer, weil das Haus nicht richtig zu beheizen war. Letztendlich ließen sich Stahmers davon nicht abschrecken. Sie ahnten nicht, was auf sie zukommen würde!

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Eigentlich abrissreif

Das entdeckten sie erst, als sie das Haus gekauft hatten, die äußere Holzverkleidung entfernten und die windschiefen Mauern dahinter zum Vorschein kamen. „Zusammenschieben“, riet ihnen ein befreundeter Architekt. Doch das taten sie nicht. Stattdessen bauten sie das Haus in den alten Umrissen mithilfe kundiger Handwerker von Grund auf neu auf – mit viel Liebe und alten Eichenbalken, die Detlef Stahmer gesammelt hatte. 1987, wenige Jahre später, war es dann so weit: Hede Stahmer erfüllte sich einen Traum und eröffnete ihr Antiquitäten-Café. Ihr Konzept, Gäste auf historischem Mobiliar zu platzieren, das käuflich zu erwerben war, und mit selbst gebackenem Kuchen zu verköstigen, wurde schnell vom Geheimtipp zum überregional bekannten Ausflugsziel. „Unsere Gäste haben häufig gesagt, dass ihnen Meinersen kaum ein Begriff war, bis sie dieses Café kennenlernten“, erzählt Detlef Stahmer voller Stolz auf das Werk seiner Frau.

Das Aus kam überraschend

Sehr zum Bedauern vieler Stammgäste schlossen Stahmers das Café Silvester 2019. Detlef Stahmer erzählt: „Ende November erhielten wir eine Einladung zur Informationsveranstaltung der Gemeinde. Dort erfuhren wir, dass die Brücke über die Oker nicht saniert, sondern bis voraussichtlich Mai 2019 neu gebaut werden soll. Durch den Bau der Umgehungsstraße und des Leiferder Kreisels wussten wir, was das bedeutet, nämlich dass viele Gäste wegbleiben würden. Wir haben zwei bis drei Nächte darüber geschlafen – dann war unsere Entscheidung gefallen.“ Hinzu kam, dass der Baulärm den Cafébetrieb zusätzlich beeinträchtigt hätte, und Geld mitbringen, um das Café zu erhalten, wollten sie auch nicht. Wenige Wochen später gab ihnen die Corona-Pandemie doppelt recht. „Einige Leute haben mich gefragt: Haben Sie das geahnt?“, erzählt Hede Stahmer.

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Erst Brückenabriss, dann Corona

Allerdings braucht es mehr als einen Brückenneubau oder einen Virus, um Stahmers das Fürchten zu lehren. Nach dem Entschluss, das Café zu schließen, entschieden sie, so weiterzumachen, wie sie es nie gewollt hatten, nämlich nur ein Ladengeschäft zu führen. Nach zweimonatigen Renovierungsarbeiten eröffnete Hede Stahmer am 29. Februar ihr neues Projekt Shabby & Chic. Zwei Wochen später brachte Corona das öffentlichen Leben zum Erliegen – und damit natürlich auch dieses Geschäft.

Stahmers machten das Beste aus der Situation. „Jetzt ist der Keller aufgeräumt, der Dachboden entrümpelt, die Kleiderschränke ausgemistet“, sagt Hede Stahmer zufrieden. Einfach nur mal die Beine hochlegen kann sie nicht. Detlef Stahmer erzählt, wie er seine Frau einmal fragte: „Kannst du dich erinnern, wann du mal im Garten auf der Liege gelegen hast?“, und sie antwortete: „Ja, zweimal.“

Nach der fünfwöchigen Schließung im Frühjahr läuft das Geschäft langsam wieder an, auch wenn Stahmers weiterhin unter der Sackgassensituation zu leiden haben. Davon entmutigen lassen sie sich nicht. Schließlich haben sie noch ihre Pension Zum Okerwehr weiter hinten im Schleusenweg, die auch in diesen Zeiten gerne gebucht wird. Das Gebäude, in dem die Pension untergebracht ist, erscheint vielen Besuchern historisch, doch das ist es nicht. Stahmers haben das Haus 2002 aus dem übrig gebliebenen Baumaterial von zwei abgerissenen Höfen errichtet. Ursprünglich sollte es als Garage für ihre Oldtimer dienen. Doch als sich die Anfragen von Gästen des Cafés nach Übernachtungsmöglichkeiten häuften, beschlossen sie, ein Gästehaus daraus zu machen.

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Die „nordstory“ zu Gast

Weil das Antiquitäten-Café zu einem überregional bekannten Touristenmagnet geworden war, wurde das Magazin „nordstory“ auf sie aufmerksam. Am 24. Juli strahlte der NDR zur besten Sendezeit mit „Die Oker – Flussabwärts vom Harz bis in die Heide“ eine Aufzeichnung aus dem letzten Jahr aus – natürlich mit dem Antiquitäten-Café als einer wichtigen Station am Flusslauf. Obwohl die Redakteurin Franziska Voigt im Bericht darauf hinwies, dass das Café mittlerweile geschlossen ist, erreichte diese Botschaft viele Zuschauer nicht. „Bis kurz vor Mitternacht riefen die Leute bei uns an. Ehemalige Stammkunden wollten uns zum Bericht beglückwünschen, andere einen Tisch fürs nächste Wochenende reservieren“, erzählt Detlef Stahmer.

Doch am endgültigen Aus des Cafés gibt es nichts zu rütteln. Glücklicherweise hält das ehemalige Stammgäste nicht davon ab, auch heute noch ab und zu bei Stahmers vorbeizuschauen. Mit einem winzigen Unterschied zu früher: „Heute bringen unsere Gäste den Kuchen mit“, berichten die beiden lachend.

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