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Home Sonderthemen Sonstiges Damit niemand einsteigt
04:49 18.11.2019
Dunkle Gestalt im dunklen Hausflur: Eine Überwachungskamera nimmt einen mutmaßlichen Einbecher auf. Wichtiger als eine Kamera sind jedoch eine stabile Tür und gute Schlösser. FOTO:STOCK.ADOBE.COM/DARKMEDIAMOTION

Von David Sander 

Es ist stockduster. Auf den verlassenen Straßen einer Stadt fliegen die Blätter umher. Es ist ein normaler Abend im Oktober. Plötzlich durchbricht ein Geräusch die Stille. Ein helles Klirren ertönt, gefolgt von einem dumpfen Knall. Dann wieder Stille.

Was wie der Beginn eines Fernsehkrimis klingt, könnte ebenso die erste Szene eines realen Einbruchs sein. Gerade zur dunklen Jahreszeit werden Einbrecher aktiv, geschützt von der frühen Dämmerung. Laut polizeilicher Kriminalstatistik geschieht in Deutschland alle vier Minuten ein Einbruch. Für 2018 wurden insgesamt 97 504 Einbrüche verzeichnet. In Einfamilienhäuser verschaffen sich die Täter meistens Zugang über Fenster und Fenstertüren, in Mehrfamilienhäusern über die Wohnungseingangstür.


4 Minuten In diesem Takt wird in Deutschland in eine Wohnung eingebrochen. Für 2018 wurden insgesamt 97 504 Einbrüche verzeichnet.


Für viele Betroffene sind die Verletzung der Privatsphäre, das verloren gegangene Sicherheitsgefühl sowie andere psychische Folgen nach einem Überfall oft sogar schlimmer als ein materieller Schaden. Dabei können viele Raubzüge durch richtiges Verhalten und adäquate Sicherungstechnik verhindert werden.

Mechanik geht vor Elektronik

Jedes Wohnobjekt ist individuell – so individuell kann auch der Einbruchschutz ausfallen. „Wichtig ist, dass ein mechanischer Grundschutz vorhanden ist“, sagt Michael Wenzien von der kriminalpolizeilichen Beratungsstelle der Polizei Hamburg. „Mechanik geht immer vor Elektronik. Der Täter möchte schnell rein, schnell Beute machen und auch schnell wieder weg.“ Gute Sicherheitsmechanik, wie ein stabiles Schloss, raubt dem Einbrecher mehr Zeit als eine Überwachungskamera – so lässt er eher vom Objekt ab.
  

Ein Kriminalbeamter demonstriert in einer kriminalpolizeilichen Beratungsstelle in Hamburg, wie ein ungesichertes Fenster mit einem Schraubenzieher aufgebrochen werden kann. FOTO: BODO MARKS/DPA
Ein Kriminalbeamter demonstriert in einer kriminalpolizeilichen Beratungsstelle in Hamburg, wie ein ungesichertes Fenster mit einem Schraubenzieher aufgebrochen werden kann. FOTO: BODO MARKS/DPA

Laut Wenzien sollte ein Fenster so sicher sein, dass es nicht ohne Weiteres mit einem großen Schraubendreher aufgehebelt werden kann. Ist ein Fenster mit Rollzapfen und nicht mit Pilzkopfzapfen beschlagen, sollte nachgerüstet werden. Wer Hilfe bei der Bestimmung des Beschlags und bei weiteren Fragen zur Einbruchsicherheit benötigt, sollte die zuständige kriminalpolizeiliche Beratungsstelle konsultieren. Die Stellen informieren produktneutral über Nachrüstprodukte und bewerten zudem, welcher Sicherheitsstandard notwendig ist. „Für einen durchschnittlichen Haushalt reicht ein durchschnittlicher Schutz“, so Hauptkommissar Wenzien. „Hat jemand eine wertvolle Münzsammlung oder ist Schmuckhändler, muss das anders bewertet werden.“ Hinzu kommt der Aspekt der Alltagstauglichkeit. Wer ein Fenster häufig öffnet, möchte keine Sicherung mit fünf Schlössern.

Prävention ohne bauliche Veränderungen

Nicht immer braucht es massive Sicherheitstechnik, schon einfache Verhaltensregeln können einem Einbruch entgegenwirken. Gerade im Sommer lässt man die Fenster gerne mal offen. „Ein gekipptes Fenster ist ein offenes Fenster“, mahnt Wenzien. „Wer das Haus oder die Wohnung verlässt, sollte alle Fenster schließen.“ Im Herbst und Winter kann man zudem mit wechselnder Beleuchtung arbeiten. Mit Zeitschaltuhren kann man zufällige Intervalle einstellen. „Wenn das Licht immer zwischen 17 und 23 Uhr in demselben Zimmer brennt, ist das nicht besonders effektiv. Besser ist es, Zeiten und Zimmer mal zu wechseln“, sagt Wenzien.


"Für Polizisten sind beispielsweise Rentner oft die besten Zeugen."

Michael Wenzien, Hauptkommissar bei der kriminalpolizeilichen Beratungsstelle in Hamburg


Aus Film und Fernsehen ist die sogenannte Flippermethode bekannt. Mit einer Kreditkarte versucht der Täter, die Falle im Türschloss zurückzudrücken, sodass die Tür einfach aufspringt. Diese Methode funktioniert jedoch nur, wenn die Tür nicht abgeschlossen, sondern lediglich ins Schloss gezogen wurde. Einbruchschutz ist in diesem Fall simpel: Tür abschließen. Die „Pickingmethode“ ist hingegen in weiten Teilen ein Fernsehmythos. Die Zuhaltestifte der Tür werden mit besonderem Werkzeug abgetastet, zurückgeschoben und die Tür so geöffnet.

Das erfordert eine spezielle, relativ teure Ausstattung, weshalb kaum ein Einbrecher auf diese Weise vorgeht.

Wachsame Nachbarschaft ist ein guter Schutz

Damit es gar nicht erst zu möglichen Vorfällen kommt, sind auch aufmerksame Nachbarn gefragt. Laut Hauptkommissar Wenzien sind Menschen, die viel Zeit zuhause verbringen, die perfekten Nachbarn. „Für Polizisten sind beispielsweise Rentner oft die besten Zeugen. Eine Nachbarschaft, in der alle wachsam sind, ist ideal“, sagt er.

Außerdem sollte man keine Hemmung haben, die 110 zu wählen. „Wir können nicht überall sein, wir sind darauf angewiesen, dass Bewohner Informationen mit uns teilen“, sagt Wenzien. Die Bewohner würden ihre Nachbarschaft am besten kennen. Und: Wenn einem etwas merkwürdig oder auffällig vorkomme, sollte man es der Polizei melden. Wer in einem Mehrfamilienhaus wohnt, sollte zudem darauf achten, den Hauseingang sowie Kellertüren auch tagsüber geschlossen zu halten.

Im Fall des Falles: Bloß nicht den Held spielen!

Wer bereits von außen die offene Wohnungstür entdeckt, sollte nicht zögern, sofort die Polizei zu rufen. „Drei Meter zurücktreten. 110 wählen. Keine weiteren Maßnahmen. Die Kollegen wissen dann schon, was zu tun ist“, sagt Wenzien. Ein anderes Szenario: Man wird Zuhause vom Einbrecher überrascht. Täter-Opfer-Kontakt möchte laut Wenzien keiner. „Es ist wichtig, auf sich aufmerksam zu machen. Licht an und laut rufen: Hallo, ist da jemand? Dann die Polizei verständigen.“ Dem Täter müsse die Möglichkeit zur Flucht geboten werden. „Wer den Einbrecher überrascht, ruft ein irrationales Verhalten bei ihm hervor, sodass er sich seine Flucht notfalls auch mit Gewalt ermöglicht“, so der Hauptkommissar.

Um einen erneuten oder ersten Überfall zu verhindern, sollte man mithilfe der kriminalpolizeilichen Beratungsstelle mögliche Schwachstellen ermitteln und besprechen, welche Maßnahmen zum Einbruchschutz sinnvoll sind. Zur Umsetzung empfiehlt es sich, auf Fachhandwerker der örtlichen Schutzgemeinschaft im Netzwerk Zuhause sicher zurückzugreifen, diese sind von der Polizei anerkannt.

In Deutschland gibt es ein Stadt-Land-Gefälle bei Einbrüchen. Grundsätzlich verzeichnet die Polizeiliche Kriminalstatistik weniger Taten in der Provinz. Besonders gering ist das Risiko, Opfer eines Einbruchs zu werden, in Bayern. Zu den Hochburgen bei Wohnungseinbrüchen gehören Aachen, Bremen, Dortmund, Hamburg, Bremerhaven, Mülheim an der Ruhr und Recklinghausen. Doch nicht in allen Städten sieht es so schlimm aus: In Jena, Augsburg und Erlangen ist es laut Kriminalstatistik relativ sicher

Martin Wehrle
Martin Wehrle

Es gibt Meeresfische, die sich bei Gefahr aufblasen; Höhleneulen, die das Geräusch einer Klapperschlange imitieren; Schmetterlinge, die riesige Augen auf den Flügeln vortäuschen. Was diese Signalfälschung soll? Angreifer abschrecken. Denn die wägen ihr Risiko ab, ehe sie zuschlagen.

Ob Sie nachts in der U-Bahn belästigt oder im Meeting angebrüllt werden, hängt auch von Ihren nonverbalen Signalen ab. Wer wie ein Schaf wirkt, zieht Wölfe an. Viele Manager signalisieren das Gegenteil. Zum Beispiel streuen sie ihre Unterlagen bei Sitzungen weitflächig über den Tisch, holen bei ihrer Körpersprache aus verschränken die Arme hinterm Kopf zur Kobrageste – eine Körpersprache der Macht, die mögliche Angreifer in ihre Schranken weist. Wenn Sie nachts in der U-Bahn Gefahr wittern, etwa weil ein auf Sie unsympathisch wirkender Typ Sie fixiert, sollten Sie ähnlich agieren: sich eben nicht in die Ecke des Sitzes verkrümeln, die Arme dicht am Körper, den Blick abgewandt – solches Fluchtverhalten provoziert Angriffe. Besser: Beanspruchen Sie viel Raum, legen Sie die Tasche und den Arm auf dem Nebensitz ab und nehmen Sie den Blickkontakt auf. Eine solche Körpersprache wirkt wehrhaft und selbstbewusst. Angreifer sind Feiglinge, sie ziehen leichtere Opfer vor. Probieren Sie außerdem, aufrecht zu sitzen. Gehen Sie auf der Straße zielgerichtet und schnell genug, um nicht unentschlossen zu wirken, aber langsam genug, um nicht wie auf der Flucht auszusehen. Es ist wie im Tierreich: Man muss nicht über Bärenkräfte verfügen – man muss sie nur signalisieren.

Martin Wehrle ist Karrierecoach und Bestsellerautor.


Der digitale Rettungsgassenassistent, den Ford und Vodafone entwickeln und der sich derzeit noch in der Testphase befindet, löst Alarm direkt im Krankenwagen aus. Via Mobilfunk werden die Autos in der Umgebung des Unfalls gewarnt und auf dem Display angeleitet, wie sie eine Rettungsgasse bilden müssen. Voraussetzung dafür sind fest im Auto verbaute Sim-Karten, die bei Neuwagen seit dem 1. April 2018 für den Notruf eCall ohnehin vorgeschrieben sind. Daneben gibt es noch zahlreiche weitere Möglichkeiten, speziell auch mit Hinblick auf den Mobilfunkstandard 5G.
 

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