Menü
Anmelden
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland

Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung| Ihre Zeitung aus WolfsburgWolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung| Ihre Zeitung aus Wolfsburg

Home Sonderthemen Neues aus Wolfsburg und Umgebung Das macht ihm so schnell keiner nach: 50. Sportabzeichen!
12:15 06.06.2018
Mit 82 Jahren ist Dietrich Köther noch fit wie ein Turnschuh!
Anzeige

„Mens sana in corpore sano“ – seit seiner Prüfung zum kleinen Latinum vor Jahrzehnten ist die Redewendung „ein gesunder Geist in einem gesunden Körper“ die Lebensmaxime von Dietrich Köther. Der bekannte Vorsfelder Apotheker a. D. und Historiker (82) fühlt sich noch immer fit wie ein Turnschuh und schwört auf regelmäßigen Freizeitsport als die beste Medizin.

Lückenlos seit 1967 Jahr um Jahr hat Dietrich Köther erfolgreich die Prüfungen für das Deutsche Sportabzeichen bestanden: 49-mal in Gold, einmal in Silber! Wie selten das überhaupt gelingt, zeigt die Statistik. „Unter den insgesamt 429 Erwachsenen, die im vergangenen Jahr in der Stadt Wolfsburg das Deutsche Sportabzeichen erreicht haben, gab es 62 Personen, die mehr als zehnmal in Folge die Prüfungen meisterten, aber mit Dietrich Köther eben nur einen, der die 50 knackte“, konstatierte die Vorsitzende des Stadtsportbundes, Ursula Sandvoß. Das spricht für einen beispielhaften Ehrgeiz des aktiven Seniors, der sich auch im Leben manchen Erfolg hart erkämpft hat.

Das 50. Sportabzeichen hat Seltenheitswert.
Das 50. Sportabzeichen hat Seltenheitswert.
Dietrich Köther schrieb die Vereinschronik für den MTV.
Dietrich Köther schrieb die Vereinschronik für den MTV.

„1936 in Thale im Ostharz geboren und in dem Städtchen Heimburg aufgewachsen, musste ich schon mit 14 Jahren schweren Herzens meine Heimat verlassen. Da ich aus einem bürgerlichen Elternhaus und nicht aus einer Arbeiterfamilie stammte – mein Vater war Lehrer, meine Mutter Kontoristin – war es mir im Osten Deutschlands so kurz nach dem Zweiten Weltkrieg leider versagt, eine höhere Schule zum Erwerb des Abiturs zu besuchen. Also ging ich in den Westen und machte an der Niedersächsischen Heimschule Wolfenbüttel 1957 mein Abitur. Keine Frage: Der Sport spielte übrigens schon damals für mich eine große Rolle. Allerdings war ich in meiner Jugend eher dem Turnen als der Leichtathletik zugetan“, erzählt Dietrich Köther.

Nach einem zweijährigen Praktikum, dem Vorexamen und einem Pharmaziestudium in Braunschweig legte Köther 1962 sein Staatsexamen ab. Er fand eine Anstellung als Apotheker in der Porsche-Apotheke Wolfsburg und arbeitete konzentriert auf sein erklärtes und durchaus sportliches Ziel hin: eine eigene Apotheke! „Am 6. April 1965, war es so weit. Ich eröffnete in der Langen Straße 45 von Vorsfelde meine Ratsapotheke, die ich übrigens nach der Gebietsreform 1972 in Werderapotheke umbenannte, um Verwechslungen mit der Ratsapotheke in der Wolfsburger Stadtmitte auszuschließen. Fast zeitgleich mit meiner Apothekeneröffnung, am 1. April 1965, wurde ich schon Mitglied im MTV. Bis heute halte ich dem Verein die Treue und bin mittlerweile der älteste Aktive in der Jedermann-Sparte“, erklärt Köther.

Fitness ist keine Frage des Alters

Unter Trainer Bernd Fricke zeigen jeden Freitag ab 18 Uhr 20 bis 30 ehemalige Turner, alle wie Dietrich Köther 60 plus, dass Fitness keine Frage des Alters ist. Eine halbe Stunde Gymnastik und Stretching, um die Gelenke beweglich zu halten, und dann geht es beim Volleyball ordentlich zur Sache. Dietrich Köther: „Weil unser MTV-Center auch über attraktive Außenanlagen verfügt, spielen wir in den Sommermonaten natürlich besonders gern Beachvolleyball. Und ganz klar: Auch die Geselligkeit kommt bei uns nicht zu kurz.“

Dennoch: Für Dietrich Köther ist die sportliche Betätigung das A und O. Ob Ausdauer beim 3000-Meter-Lauf, Kraft beim Medizinball-Wurf, Schnelligkeit beim 30-Meter-Sprint, Koordination beim Weitsprung und die Fähigkeit zum Schwimmen – der 82-Jährige lässt bei den Prüfungen zum Deutschen Sportabzeichen manchen jüngeren Mitstreiter schnell erblassen.

Dietrich Köther: Als Sportler und Chronist bestens konditioniert.
Dietrich Köther: Als Sportler und Chronist bestens konditioniert.

Herausforderung und Sache der Ehre

„Als Chronist des MTV habe ich mich auch intensiv mit der Historie des Deutschen Sportabzeichens befasst, die eng mit dem Wirken von Carl Diem verbunden ist. Für mich war und ist es seit meinem 31. Lebensjahr immer wieder Ehrensache, die Herausforderungen der Prüfung anzunehmen“, erklärt Köther, der auf eine gesunde Lebensweise schwört und verrät: „Ich habe zum Beispiel in meinem ganzen Leben nie geraucht – nicht mal als Zwölfjähriger heimlich hinter der Scheune eine Zigarette probiert. In Gemeinschaft genehmige ich mir zwar auch gern mal ein Bierchen oder ein gutes Glas Rotwein. Schließlich wusste schon Wilhelm Busch: ‚Rotwein ist für alte Knaben eine von den besten Gaben.’ Doch bei Hochprozentigem sage ich konsequent Nein. Beim Essen lasse ich mir am liebsten die einfachen Gerichte aus der deutschen Küche schmecken – etwa Kartoffelpuffer oder marinierte Heringe nach Hausfrauenart. Nur Steckrüben, Hammelfleisch und Rübensirup mag ich nicht mehr auf dem Tisch. Wer wie ich die Nachkriegszeit miterlebt hat, wird das nur allzu gut verstehen.“


„Meine gute Kondition will ich mir unbedingt so lange wie möglich bewahren.“

Dietrich Köther


Der reiche Fundus seiner Hausbibliothek hält Dietrich Köther geistig fit.
Der reiche Fundus seiner Hausbibliothek hält Dietrich Köther geistig fit.
Beurkundet: das 50. Sportabzeichen.
Beurkundet: das 50. Sportabzeichen.

Fit mit Stepper, Sauna und Wandern

Völlig anders sieht das Dietrich Köther, wenn es um regelmäßige Bewegung geht. Einkäufe erledigt er noch immer am liebsten zu Fuß, auch für den etwa drei Kilometer langen Weg zum Haus seines Sohnes holt er den Wagen nicht aus der Garage. Täglich ein kurzes Training auf dem Stepper und wöchentlich ein Sauna-Tag machen das Fitnessprogramm des rüstigen Seniors komplett. Bis 2016 ging es sogar über vier Jahrzehnte noch zweimal jährlich zum Skifahren ins österreichische Ötztal. Doch an seinen Sommerwanderungen mit Freunden durch den Wald im heimatlichen Ostharz hält Köther bis heute begeistert fest. „Meine gute Kondition will ich mir unbedingt so lange wie möglich bewahren“, versichert er.

Bis heute ist Köther ein passionierter Wandersmann.
Bis heute ist Köther ein passionierter Wandersmann.
Nur nicht nachlassen! Jede Woche wird beim MTV Vorsfelde fleißig trainiert.
Nur nicht nachlassen! Jede Woche wird beim MTV Vorsfelde fleißig trainiert.

Historiker mit Kondition und Leidenschaft

Besondere Kondition hat er immerhin auch bewiesen, als er Ende der 90er-Jahre noch einmal auf eigenen Wunsch an der TU Braunschweig die Schulbank drückte, Geschichte und Politik studierte. 2001 bestand der „Grauschopf“ inmitten seiner deutlich jüngeren Kommilitonen die Magisterprüfung und war damit natürlich auch bestens prädestiniert, die Chronik für den MTV Vorsfelde anlässlich des 150-jährigen Vereinsjubiläums im Jahr 2012 zu schreiben. Der passionierte Historiker ließ sich nicht lange bitten und arbeitete über fünf Jahre lang mit Leidenschaft an dem Jubiläumsband. Professionell berücksichtigte er in seinen Aufzeichnungen zur Entwicklung des MTV in besonderer Weise die politische, wirtschaftliche und soziale Entwicklung der Eberstadt. In einem ausgeschriebenen Wettbewerb des Niedersächsischen Sportbundes 2013, bei dem 126 Vereine ihre Chroniken einreichten, wurde die Chronik des MTV Vorsfelde mit dem 2. Preis ausgezeichnet. Der MTV würdigte seinerseits die besonderen Leistungen Köthers mit der Ernennung zum Ehrenmitglied. (bc)


8
/
16
Datenschutz