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Home Sonderthemen Gesundheit/Pflege Der Feind in meinem Kopf
23:00 28.11.2019
Demenzkranke Menschen finden sich oft auch in vertrauter Umgebung nicht mehr zurecht. © Michael B. Rehders

Diagnosen wie Demenz bedeuten eine große Herausforderung für die gesamte Familie. Angehörige setzen sich mit der unheilbaren Krankheit einer nahestehenden Person auseinander und versuchen, die Veränderungen des Charakters zu verstehen. Gleichzeitig müssen Entscheidungen getroffen werden – beispielsweise, wer den Erkrankten in Zukunft versorgt. Dabei kommen verschiedene Wohn- und Betreuungskonzepte, die es abzuwägen gilt, in Betracht.

„Beim 1:1-Konzept im eigenen Heim kümmern sich Betreuungskräfte aus Osteuropa besonders intensiv um den Betroffenen. So bleibt der Erkrankte in seiner gewohnten Umgebung, was sich neben der sehr individuellen Betreuungsform zusätzlich positiv auf seine Verfassung auswirkt“, weiß der diplomierte Gesundheitswissenschaftler Markus Küffel.

Alltägliche Routinen

Demenzkranken fällt es zunehmend schwerer, sich im eigenen Leben zu orientieren, weshalb sich eine 24-Stunden-Pflege mit erfahrenen Kräften besonders für die Betreuung und Begleitung eignet.

Diese reicht von der Unterstützung bei der Körperhygiene über die Haushaltsführung inklusive Einkaufen und Kochen bis hin zur Organisation des Alltags.

Strukturierte Tagesabläufe mit kleinen Aufgaben im gewohnten Umfeld helfen Betroffenen, sich weiterhin zurechtzufinden. Dabei achten Pfleger besonders auf eine klare Kommunikation mithilfe kurzer und verständlicher Sätze wie „Zieh dir bitte die Schuhe an“.

Unterschiedliche Formen

Außerdem erhalten die Betreuungskräfte auch eine intensive Einführung in die Ursachen und Ausprägungen der unterschiedlichen Demenzformen. Durch bestehende Erfahrungen und den Erwerb von theoretischen Grundlagen ist es auch Betreuerinnen aus Osteuropa möglich, einen Betroffenen pflegerisch gut zu begleiten.

„Im fortgeschrittenen Stadium der Krankheit kann eine Pflegerin aus Osteuropa die Betreuung nicht mehr allein leisten“ erklärt Markus Küffel. „Viele Demenzkranke verhalten sich unruhig, neigen zur Aggression oder ziehen sich in einer Depression zurück. Nicht selten kommt es zur Umkehr des Tag-Nacht- Rhythmus, weswegen in sehr schweren Fällen auch über eine stationäre Unterbringung nachgedacht werden sollte.“

Kleine Gedächtnishilfen

Obwohl bei demenzerkrankten Patienten das Gedächtnis nachlässt, wünschen sie sich nicht nur Routine, sondern auch Beschäftigung. Diese trägt dazu bei, kognitive Fähigkeiten zu erhalten. Mithilfe kleiner Spiele wie Memory stärken Betroffene das Kurzzeitgedächtnis. Doch es gilt zu beachten, lösbare Aufgaben, wie zum Beispiel gemeinsam Fotoalben zu basteln, zu wählen. Zu schwierige Aufgaben führen bei Erkrankten zu Frustration. „Demenzkranke benötigen viel Aufmerksamkeit und Verständnis, da sie in ihrer eigenen Welt leben. Betreuungskräfte begegnen dem Betroffenen mit möglichst wenig Zwang. Dies führt sonst schnell zu Unverständnis und gereiztem Verhalten“, erläutert Markus Küffel. „Deshalb gilt es den Betroffenen zu fördern, jedoch keinesfalls zu überfordern.“

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