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Home Sonderthemen Aus der Geschäftswelt Der Wirtschaftsmotor läuft und läuft
09:54 26.06.2018
Spitzenreiter Bauhandwerk: Akuter Bedarf an zusätzlichem Wohnraum und verstärkte Investitionen der öffentlichen Hand sorgen für volle Auftragsbücher. DJD/BAUHERREN-SCHUTZBUND

Die Wirtschaft brummt. Umsatz, Geschäftslage und Eigenkapital lassen die Handwerksbetriebe auf zwei erfolgreiche Quartale in 2018 zurückblicken. Mehr als drei Viertel der deutschen Handwerksunternehmen beurteilen ihre Geschäftslage als gut oder sogar als sehr gut. Eine so positive Einschätzung verzeichnen die Wirtschaftsforscher der Unternehmensberatung Creditreform erstmalig seit Beginn ihrer Erhebungen in den 1980er Jahren. Schon 2017 sei das wachstumsstärkste Jahr seit 2011 und damit das achte Wachstumsjahr in Folge gewesen, und die aktuelle Erhebung habe sogar noch eine Steigerung um 8,9 Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr ergeben.

Bauhandwerk an der Spitze

Ganz oben im Ranking befindet sich das Baugewerbe, dessen Betriebe ihre Geschäftslage mit 82,7 Prozent als sehr gut und gut einschätzten. Die Verbraucher vergaben im ersten Quartal 2018 – den meist niedrigen Temperaturen zum Trotz – besonders viele Aufträge für Außenarbeiten. So lag die Nachfrage nach Bau- und Erdarbeiten im Frühling der letzten Jahre jeweils um etwa 20 Prozent über dem jeweiligen Jahresdurchschnitt. Vor allem für den Erdaushub und die Entsorgung werden seit dem Frühjahr zahlreiche Fachkräfte gesucht. Ein Auftragshoch dürften inzwischen auch Metallbauer erfahren haben. Die Nachfrage in den Frühlingsmonaten für diese Berufsgruppe lag in den letzten Jahren durchschnittlich um 19 Prozent über dem Jahresmittel. Vor allem Aufträge für die Montage und Fertigung von Metallzäunen und Balkongeländern wurden in den Frühlingsmonaten vergeben.

Druck durch Billiganbieter

Aber auch andere Berufsgruppen profitieren von einer hohen Nachfrage im Frühling. So liegt die Zahl der Aufträge auch bei Maurern und Betonbauern (10,9 Prozent), Zimmerern und Tischlern (9,4 Prozent), Malern und Lackierern (6,9 Prozent), Stuckateuren (6,9 Prozent) sowie bei Fliesenlegern (5,3 Prozent) im Frühjahr über dem sonstigen Jahresdurchschnitt. Für die Ermittlung der Konjunkturdaten im Lebensmittelhandwerk sind wie eh und je spezifische Kriterien zu berücksichtigen. Dennoch erachteten auch hier 87 Prozent der befragten Bäcker, Fleischer und Konditoren ihre Geschäftslage für gut oder befriedigend – ein ansehnliches Ergebnis. Der Verkauf von Fleisch- und Backwaren ist nämlich eine spezielle Angelegenheit. Einerseits möchten viele Verbraucher ein möglichst breites Sortiment zum günstigen Preis; in diesem Fall ist die Konkurrenz der Einzelhändler oder Discounter übermächtig. Auf der anderen Seite suchen immer mehr Kunden das Einkaufserlebnis, das ihnen nur ein Fachgeschäft bieten kann. In Verbindung mit dem Wunsch nach regionalen Lebensmitteln und dem Trend zum Außer-Haus-Verzehr ergeben sich für das Handwerk aber auch weiterhin vielfältige Chancen auf lukrative Geschäfte.

Schlingerkurs im Kfz-Handwerk


Stärkste Turbulenzen im Handwerk schienen dem Kfz-Gewerbe zu drohen, denn seit Bekanntwerden der manipulierten Abgaswerte bei Dieselmotoren sind abschließende politische und technische Lösungsansätze nicht in Sicht. Dennoch weist die Zulassungsstatistik für das 1. Quartal 2018 ein Plus von 4 Prozent bei neuen Pkw gegenüber 2017 aus. Vor allem private Fahrzeughalter waren dafür verantwortlich. Dabei nahm der Anteil der Dieselfahrzeuge erneut ab; nicht einmal jeder dritte Neuwagen enthielt ein solches Aggregat. Während die Kauflust, beflügelt durch Umtauschprämien, in puncto Neufahrzeuge ungebrochen war, sanken die Zulassungszahlen gebrauchter Autos (minus 3,8 Prozent). Euro-5-Diesel sind derzeit nur schwer verkäuflich. Nach Verbandsangaben gewähren Händler bis zu 50 Prozent Rabatt. Im Februar hatte das Bundesverwaltungsgericht Fahrverbote für Diesel für möglich erklärt. Wegen der erheblichen Wertverluste bei Selbstzündern dürften die prozentualen Umsatzeinbußen in diesem Segment noch über das Minus bei den Stückzahlen hinausgehen. Sollte den Diesel-Manipulateuren vom Gesetzgeber doch noch eine Nachrüstung an allen verkauften Exemplaren aufgebrummt werden, dürfte 2018 zum Rekordjahr im Kfz-Gewerbe werden.

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