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Home Sonderthemen Sport/Vereinsleben Die Angst vor der Blamage
15:40 20.06.2018
Als Gastgeber unter Druck: Angreifer Fedor Smolov.

In Russland grassiert die Angst. Einige Ergebnisse vor dem Turnier bereiteten Nationaltrainer Stanislaw Tschertschessow Sorgen – wie etwa das 0:3 gegen Brasilien, das 1:3 gegen Frankreich oder das 0:1 gegen Österreich. „Die Gegner waren stärker und in ihrer Qualität besser. Wir müssen unsere Probleme lösen und die Fehler korrigieren“, sagt Tschertschessow.

Auch dem früheren Dresdner Bundesliga-Torhüter ist klar: Für Russland ist die WM viel mehr als nur ein Fußballturnier. Diese Endrunde soll Russlands Selbstbild als Weltmacht demonstrieren. Das Regime Wladimir Putins möchte sich – wie bei den Olympischen Winterspielen 2014 in Sotschi – im Glanz des Fußballs sonnen. Ein frühes Ausscheiden des eigenen Teams wäre entsprechend peinlich.

Dennoch gilt ein Debakel des Gastgebers mit einem Ausscheiden in der Vorrunde als nicht unwahrscheinlich, maximal scheint eine Achtelfinal-Teilnahme möglich. Dabei waren die Russen nach den Testspielen im Jahr 2017 optimistisch, bei der Heim-WM eine gute Rolle spielen zu können, trotz der Enttäuschung beim Confed Cup mit dem Aus in der Gruppenphase. Von der guten Stimmung ist aktuell nicht mehr viel übrig, die Vorfreude ist der Ernüchterung gewichen. Die Dopingverdächtigungen rund um die „Sbornaja“ tun ihr Übriges.

Und dennoch steigerten einige Spieler den Druck auf sich selbst noch zusätzlich. „Unser höchstes Ziel ist es, die WM zu gewinnen. Das ist unsere Messlatte“, sagte – der später aussortierte – Stürmer Anton Sabolotny mit etwas Größenwahn. Immerhin sah er ein: „Wir werden einen anderen Fußball zeigen müssen.“


3 Gegentore kassierten die Russen in ihrem letzten Spiel bei einem großen Turnier, der EM 2016. Neben dem 0:3 gegen Wales gab es ein 1:2 gegen die Slowakei und ein 1:1 gegen England.


Zu allem Überfluss sorgten im Frühjahr zwei Ex-Bundesliga-Spieler für Unruhe. Roman Neustädter und Konstantin Rausch wurden gesehen, als sie nach der Testspielpleite gegen Brasilien aus einer Disco kamen. Beide wurden hernach mit einer Geldstrafe belegt und letztlich aus dem Kader gestrichen. Neustädter (Ex-Schalker, jetzt Fenerbahçe Istanbul) hatte für seine Karriere in der Nationalmannschaft sogar seinen deutschen Pass abgegeben. Und Rausch, einst Junioren-Nationalspieler Deutschlands, war, um sich für die WM in den Vordergrund zu spielen, im Winter vom 1. FC Köln zu Dinamo Moskau gewechselt. Nun muss er wie Neustädter die WM vor dem Fernseher verbringen.

SCHNELLCHECK

Höchste Siege
1995 gegen San Marino und 2015 gegen Liechtenstein (7:0)

Höchste Pleite
1912 gegen Deutschland (0:16)

Rekordnationalspieler
Sergey Ignashevich (121 Spiele)

Rekordtorschütze
Aleksandr Kerzhakov (30 Tore)

Wert des WM-Kaders
137 825 000 Euro*

*Alle Marktwerte laut

www.transfermarkt.de

EM-Halbfinale 2008, WMTeilnahme 1994, 2002, 2014


Stanislaw Tschertschessow (54) spielte einst in Deutschland für Dynamo Dresden und ist seit 2016 für die russische Nationalmannschaft zuständig, nachdem er unter anderem Dynamo Moskau und Legia Warschau trainierte. Große Namen befinden sich nicht in seinem Kader. Entsprechend neidisch guckt er etwa nach Deutschland. „Joachim Löw hat zu viele Spieler, ich zu wenige.“ Daher kündigt er als Spielstil schon mal eine Mauer-Taktik an: „Wenn wir gegen starke Gegner offensiv spielen, bekommen wir Schwierigkeiten.“


Igor Akinfeev (32) galt als eines der größten Torhütertalente der Welt, wurde diesen Vorschusslorbeeren allerdings nie gerecht. Dennoch steht er seit Jahren im Tor der Nationalmannschaft und ist bei seinem Klub ZSKA Moskau schon eine Legende 

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