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Home Sonderthemen Gesundheit/Pflege Die Genetik ist ein Faktor bei Arthrose
09:06 14.03.2018
FOTO: ISTOCK

Zur Person

Die Genetik ist ein Faktor bei Arthrose Image 7
Dr. Frank Gossé ist seit 2009 Chefarzt des Departments Wirbelsäulenchirurgie und konservative Orthopädie am Diakovere Annastift in Hannover. Zu seinen Spezialgebieten zählen nicht operative Behandlungen von Gelenk- und Wirbelsäulenerkrankungen, Sportmedizin, Operationen von künstlichen Hüft- und Kniegelenken, Bandscheiben- und Wirbelsäulenoperationen sowie die Behandlung von Osteoporose und Rheuma-Erkrankungen. Privat ist Dr. Gossé passionierter Volleyballer und Kitesurfer.
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Während der kalten Jahreszeit beklagen sich viele Menschen über zunehmenden Gelenkschmerz. Wie stark hängt denn arthrosebedingter Gelenkschmerz wirklich vom Wetter ab?

Ein wesentliches Therapieprinzip ist ja die Wärme an den Gelenken und den umgebenden Muskeln. Wenn man sich dann im Winter an der kalten Luft aufhält, wird genau das konterkariert. Mit Hausmitteln wie Kniewärmern aus Lammfell kann man da gut entgegenwirken. Am meisten spielt Wärme eine Rolle an der Wirbelsäule, weil man da an die Gelenke nur schwer drankommt und die umgebenden Muskeln die Wärme mit Schmerzlinderung quittieren. An der Wirbelsäule manifestiert sich die Arthrose am häufigsten.

Weil die Wirbelsäule auch der Körperbereich ist, der am meisten belastet wird?

Da sind sich die Forscher uneinig, ob wirklich Maximalbelastung zu mehr Arthrose führt. Aus dem Hochleistungssport weiß man, dass Leute, die ganz viel Krafttraining machen und ganz besonders viele Erschütterungen auf ihre Gelenke bringen, tatsächlich häufiger Arthrose haben. Das lässt sich jedoch nicht auf den Durchschnittsmenschen übertragen. Schwerpunktmäßig sind aber ganz klar die Körperbereiche betroffen, die durch das Stehen, Gehen und durch das Belasten mit dem eigenen Körpergewicht vermehrt gefordert sind, also Füße, Knie, Hüfte und die Wirbelsäule.

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Was kann ich tun, damit ich gar nicht erst zu Ihnen in die Sprechstunde kommen muss?

Das ist eine ganz schwierige Frage, die auch viele Patienten stellen. Vorab: Etwas tun, damit es erst gar nicht zu Arthrose kommt, kann man wahrscheinlich nicht, denn bei dem größten Teil der Arthrosen weiß man gar nicht, warum sie entstehen. Da ist der genetische Faktor sicher entscheidend. Bei Arthrose nimmt ja der Knorpel ab, der seine gesamten Nährstoffe nur über die Gelenkinnenhaut und die Gelenkflüssigkeit bekommt. Eine ernst zu nehmende Theorie ist, dass die Beschaffenheit und Qualität der Gelenkflüssigkeit sehr unterschiedlich von Patient zu Patient ist und manche Menschen, die durch eine schlechtere Qualität ihrer Gelenkflüssigkeit ihre Knorpel dann schlechter ernähren können, eher eine Arthrose bekommen.

Welchen Einfluss spielt das Körpergewicht?

Ganz harte Daten gibt es nicht. Liegt das Körpergewicht aber jenseits von 130 oder 140 Kilogramm, dann machen die Gelenke das nicht lange mit. Ein Mensch, der stark übergewichtig ist, bewegt sich oft auch weniger, weil es für ihn anstrengender ist. Weniger Bewegung heißt aber für den Knorpel auch weniger Ernährung, da er sich nur ernähren kann, wenn er richtig durchgewalkt wird. Die Hypothese wäre, dass durch die wenige Bewegung die Arthrose gefördert wird.


140 Kilo Körpergewicht sollten den Gelenken zuliebe nicht überschritten werden.


Sind denn bestimmte Berufsgruppen schwerpunktmäßig betroffen?

Zu den Klassikern gehören Fliesenleger oder Bergleute, die in sehr tiefen Kniebeugepositionen arbeiten. Das bedeutet eine erhebliche Belastung der Knorpelscheiben in den Knien. Für diese beiden Berufsgruppen gilt ein solcher Knieverschleiß auch als Berufskrankheit.

Wie lassen sich Arthrosen, Rheuma und Gicht im Schmerzbild voneinander abgrenzen?

Das, was am häufigsten an den Gelenken wehtut, ist der Verschleiß, also die Arthrose. Die rheumatoide Erkrankung des Gelenkes, die Arthritis, macht andere Symptome. Im Spätstadium kommt es zwar häufig auch zu Gelenkschmerz, aber vorher gibt es Schwellungen, Überwärmungen oder Steifigkeit bereits am Morgen. Der Arthrosepatient hat klassischerweise erst Beschwerden, wenn er sein Gelenk schon über einen längeren Zeitraum belastet hat oder aber auf den ersten paar Metern. Wir sprechen da vom sogenannten Anlaufschmerz.

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Wann kommt es zur Versteifung des Gelenks?

Bei der Arthrose legt der Körper das Gelenk von selbst als Schutzmechanismus steif, damit es nicht wehtut. Wir als Orthopäden sprechen von der wohltuenden Versteifung im Alter. Das kann man auch künstlich herbeiführen. Allein bei den operativen Eingriffen gibt es die Möglichkeit, die kaputten Gelenke durch Kunstgelenke zu ersetzen.

Was halten Sie von alternativen Heilmethoden?

Ist eine Arthrose im Gang, lässt sie sich nicht mehr zurückdrehen. Es gibt keine wissenschaftlichen Beweise dafür, dass alternative Heilmethoden die Symptome behandeln oder lindern können. Das liegt aber auch daran, dass derartige Studien gar nicht aufgelegt werden. Grundsätzlich gilt die Regel: alles machen, was hilft.

Vitamin E gilt dabei als relativ erfolgversprechendes Therapeutikum.

Für den Einsatz von Vitamin E oder auch Hyaluronsäure gibt es zahlreiche Studien, die aber keine eindeutigen Erfolge nachweisen. Wenn aber die Alternative ein Kunstgelenk ist, dann ist es völlig legitim, vorab derlei Methoden auszuschöpfen.


Ist eine Arthrose im Gang, lässt sie sich nicht mehr zurückdrehen. Dr. Frank Gossé, Chefarzt des Departments Wirbelsäulenchirurgie und konservative Orthopädie am Diakovere Annastift in Hannover


Also ist das Kunstgelenk das letzte Mittel?

Genau, oder die künstliche Versteifung.

Wie lässt sich im akuten Schmerzschub Abhilfe schaffen?

Es gilt, die Reizung der Gelenkhaut zu behandeln, mit Schmerzmitteln oder Kühlung. Eine weitere Möglichkeit ist, etwas Kortison zu spritzen. Das unterdrückt die Reizung der Gelenkinnenhaut und hilft in Kombination mit einem Schmerzmittel sehr viel unmittelbarer bis hin zur Schmerzfreiheit im akuten Schub. Letztlich wird der Schmerz dabei allerdings nur ausgeschaltet und das Gelenk dann so weiterbelastet, als wäre es gesund. Das ist für die Arthrose alles andere als günstig.

Welche Formen der Bewegung empfehlen Sie den von Arthrose Betroffenen?

Sportarten mit weichen und fließenden Bewegungen, Yoga zum Beispiel.

Wann kommt man um eine OP nicht mehr herum?

Wenn der Leidensdruck des Menschen so hoch ist, dass er kein normales Leben führen kann, und andere vernünftige Methoden ausgeschöpft sind.

Interview: Carolin Burchardt

Der richtige Sport bringt Entlastung

Der menschliche Körper besteht aus gut 140 Gelenken. Bei vielen Menschen funktionieren sie einwandfrei. Gelenkverschleiß lässt sich in der Regel kaum aufhalten. Doch mit dem richtigen Sport kann Linderung erzielt werden. Harte Stoßbelastungen sowie Sportarten, die das Gelenk zu lange in einer Position belassen, sind daher ungünstig. Wer bereits Arthrose oder andere Gelenkschädigungen hat, sollte sich Sportarten aussuchen, bei denen wenig belastende Bewegungen ausgeführt werden. Viele Orthopäden empfehlen Schwimmen. Das verringert das eigene Körpergewicht, entlastet die Gelenke.

Darüber hinaus lassen sich die die Gelenke umgebenden Strukturen durch Fahrradfahren, Übungen mit dem Theraband oder Gymnastik stärken. Wer seine Sportart nicht aufgeben möchte, kann sie auch modifizieren. Bei Knieproblemen sei zum Beispiel Walken oft die bessere Wahl als Joggen, raten Sportwissenschaftler. Wer nicht aufs Joggen verzichten will, sollte auf den richtigen Untergrund achten: Feld- und Waldwege statt Asphalt.

Besser als sein Ruf für Gelenke ist das Gerätetraining im Fitnessstudio. Dort können alltagstaugliche Bewegungsmuster wie das richtige Heben, Tragen oder, Kniebeugen trainiert werden – allerdings nur mit fachlicher Begleitung.

ZAR Wolfsburg

SPRECHSTUNDE - DR. JÖRG OBERFELD

112 – die sichere Nummer

Ob Unfall oder bedrohliche Erkrankung: Um schnellstmöglich Hilfe zu rufen, wählt man die Telefonnummer 112. Doch was passiert, wenn die Rettungskräfte vor Ort feststellen, dass gar kein Notfall vorliegt? Muss der Anrufer oder gar der Patient dann den Einsatz bezahlen? Darüber sollten sich Hilfesuchende keine Gedanken machen. Grundsätzlich gilt immer: Die 112 besser einmal zu oft wählen als einmal zu wenig.

Die Rettungskräfte kommen, wenn schnelle Hilfe und ein sicherer Transport ins Krankenhaus notwendig erscheinen. Dazu zählen etwa der Verdacht auf Herzinfarkt oder Schlaganfall, eine Bewusstlosigkeit, ein epileptischer Anfall, Atemnot oder deutlicher Blutverlust. Kurz: alles, was bedrohlich sein kann.

Die 112-Gespräche sind für den Anrufer immer kostenlos. Es entstehen dem Anrufer auch keinerlei Kosten für den Einsatz, egal ob ein Rettungswagen, ein Notarzt oder gar ein Rettungshubschrauber zum Einsatzort ausrückt. Ausnahmen sind hier nur böswillige, absichtliche Fehlalarmierungen.

Dr. Jörg Oberfeld ist Bundesarzt der Johanniter-Unfall-Hilfe.


SO WIRKT DAS

Amlodipin

Das Arzneimittel wird bei Bluthochdruck, Fällen von Angina Pectoris (Herzenge) sowie bei koronarer Herzkrankheit eingesetzt. Amlodipin verringert den Sauerstoffbedarf des Herzens, indem es die Kalziumzufuhr in Herzmuskel- und Gefäßmuskelzellen hemmt. So werden die Arterien erweitert, die Gefäßwände entspannen sich und der Blutdruck sinkt. Müdigkeit, Wassereinlagerungen und Kopfschmerzen zählen zu den Nebenwirkungen.

Platz neun der Rangliste der 2016 am häufigsten ärztlich verordneten Wirkstoffe.


GROSSMUTTER WEISS RAT

Ein Alleskönner: Calendulatinktur

Calendula, besser bekannt als Ringelblume, lindert Schmerzen, Hautentzündungen und schlecht heilende Wunden. Zum Herstellen einer Tinktur 200 Gramm getrocknete Ringelblumenblüten mit einem Liter Alkohol mit 40 Prozent (etwa Korn) in ein Glasgefäß geben. Durch Schütteln werden die Zutaten vermischt. Der Ansatz muss mindestens zwei Wochen warm stehen – dann filtern und in eine dunkle Flasche abfüllen. Dunkel und kühl gelagert, hält sich die Tinktur etwa ein Jahr. Äußerlich und innerlich angewendet, hilft sie bei Akne, Entzündungen, Magenschmerzen und Darmbeschwerden. iff

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