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Wolfsburg
14:44 25.02.2021
Masken nähen für die Flüchtlinge und mit den Flüchtlingen: Zu Beginn der Corona-Pandemie nähten Ehrenamtliche des Vereins gemeinsam mit Bewohnern der Flüchtlingsunterkunft in Lessien hunderte Alltagsmasken. Fotos: privat

Ehra-Lessien. Für Vereine und Verbände, die fast alle vom Miteinander, von Gemeinschaft und vom Austausch ihrer Mitglieder untereinander „leben“, ist seit fast einem Jahr nichts mehr wie es war. Auch bei dem Förderverein „Ehra-Lessien – Ein Dorf, ein Team e. V.“ ist seit dem Beginn der Corona-Pandemie das bis dahin gewohnte Vereinsleben nicht mehr möglich. Dennoch war und ist der Verein sehr aktiv und engagiert bei der Sache, auch wenn an vielen Stellen ein Umdenken erforderlich geworden ist. Die Vorsitzende Jenny Reissig berichtet von den gemeisterten Herausforderungen in 2020 und den Planungen für die nächste Zeit.

„Anfang 2020 hatten wir viele Aktivitäten für das Jahr geplant“, erzählt sie. „Wir wollten unser fünfjähriges Bestehen feiern, eine Benefizveranstaltung zugunsten der DKMS sowie ein großes gemeinsames Projekt mit weiteren Vereinen des Dorfes sollte stattfinden, als Corona kam und alles veränderte.“ Den Kopf in den Sand zu stecken kam allerdings für Jenny Reissig und ihr Team zu keinem Zeitpunkt in Frage. Es musste weitergehen, und es ging weiter. „Als im April 2020 die Maskenpflicht kam, entstand bei uns schon früh die Idee, Masken zu nähen. Fast zeitgleich kam eine Anfrage von der Heimleitung der Flüchtlingswohnanlage in Lessien mit der Bitte um Unterstützung, um die damals noch neue Maskenpflicht umsetzen zu können“, erzählt die Vereinsvorsitzende. Was dann folgte, ist ein Paradebeispiel für die gelungene integrative Arbeit des Vereins: Mit zwei Nähmaschinen sowie gespendeten Stoffen im Gepäck ging ein vierköpfiges Team in die Flüchtlingswohnanlage, um dort vor Ort und gemeinsam mit einigen Bewohnern, die gerne mithelfen wollten, Masken zu nähen. „Gemeinsam haben wir an dem Wochenende vor Inkrafttreten der Maskenflicht über 280 Masken für die Bewohner der Flüchtlingswohnanlagen in Lessien und Brome genäht. 60 Kindermasken konnten wir außerdem noch an die an Grundschule Ehra-Lessien übergeben“, berichtet Jenny Reissig stolz. Die beiden Nähmaschinen verblieben in der Flüchtlingsunterkunft, das Näh-Team blieb zusammen und nähte weitere 1000 Masken, die zu Gunsten für einen an Leukämie Erkrankten aus der Gemeinde verkauft wurden. Allein der Förderverein konnte so über 2400 Euro so an die DKMS spenden.

Die inzwischen sorgfältig erarbeiteten Hygienekonzepte machten und machen es auch weiterhin möglich, für und mit Senioren Einkäufe zu tätigen. „Zurzeit bieten wir über 80-jährigen, in der Gemeinde lebenden Senioren auch Hilfe bei der Vereinbarung von Impfterminen an und organisieren bei Bedarf auch die Fahrt dorthin“, berichtet Reissig. Insgesamt 14 Paten stünden dafür zur Verfügung, und der Verein bekomme viele positive Resonanz auf dieses Hilfsangebot.


Und auch im Jahr 2021 hat der Förderverein wieder viel vor: Der Service in der Fahrradwerkstatt in der Flüchtlingswohnanlage in Lessien soll erweitert werden, ebenso das gern und oft genutzte touristische Angebot, bei dem Kinder und auch andere Interessierte im Rahmen von Führungen auf dem Sagen- und Geschichtslehrpfad die heimische Natur kennenlernen können. „Außerdem ist unsere Projektidee ,Fitmobil´ noch nicht realisiert“, erzählt Jenny Reissig. Der Verein möchte, zusätzlich zu den im vergangenen Jahr mit Bundesmitteln angeschafften beiden Citybikes, noch zwei E-Lastenfahrräder inklusive Anhänger erwerben. Die dafür benötigten 10.000 Euro versucht der Förderverein über Projektbewerbungen und Spenden zusammen zu bekommen. „Die Elektro-Lastenfahrräder könnten wir vielfältig nutzen“, nennt die Vereinsvorsitzende mehrere Einsatzgebiete der elektrisch angetriebenen Zweiräder. „Bei geeigneter Witterung könnten die Einkaufsfahrten nach Brome dann mit den Lastenfahrrädern anstatt mit unserem VW-Bus erfolgen. Viele würden gerne mit dem Rad zum Einkaufen fahren, aber bei Großeinkäufen für oft gleich mehrere, nicht mehr mobile Senioren ist das aufgrund des hohen Gewichts problematisch.“ Und bei den geführten Radtouren durch die Natur könnten durch die Anschaffung von E-Lastenfahrrädern auch kleinere Kinder mitkommen. „Interessierte Familien in der Gemeinde können sich die E-Lastenfahrräder zudem für eigene Aktivitäten ausleihen“, stellt sich Reissig eine weitere Einsatzmöglichkeit vor. Die Anlaufstelle für Ausleihen, Einkaufsfahrten und Ausflugstouren wäre der Dorftreff MOSAIK in der Gifhorner Straße 6 in Ehra – „wenn dann endlich die Zeit nach Corona da ist.“

Wer Interesse hat, im Dorfverein mitzumachen, kann sich über die Homepage www.mosaikehralessien.de informieren oder über die Mailadresse info@mosaik-ehralessien.de Kontakt aufnehmen. Für die Realisierung des ,Fitmobil´-Projekts freut sich der Förderverein über Spenden.

„Ehra-Lessien – Ein Dorf, ein Team“


Der Verein gründete sich 2015 mit 25 Gründungsmitgliedern und hat zurzeit 126 Mitglieder, Tendenz steigend. Die Ziele des Vereins sind, gemeinsam das Dorfleben zu gestalten, Senioren durch Netzwerke unterstützen, Flüchtlinge in die Gemeinde integrieren und Kindern sowie allen Interessierten die Umwelt nahebringen, wie zum Beispiel mit Bienenprojekten oder Kräuterwanderungen. Der Förderverein wurde außerhalb der Gemeindegrenzen zwar schon immer als aktiver Dorfverein wahrgenommen, in der Gemeinde selbst allerdings eher als Flüchtlingshilfeverein. Diese Sichtweise sei entstanden, da sich Ehrenamtliche aus dem Verein seit der Flüchtlingswelle 2015 mit um die über 180 Menschen in der Flüchtlingswohnanlage in Lessien kümmerten, erklärt die Fördervereinsvorsitzende Jenny Reissig.

„Wir wollten das Image des Vereins bei der heimischen Bevölkerung ändern, hatten aber keine Idee, wie uns das gelingen soll“, schildert sie. „Im Jahr 2019 hatten wir das Glück, ein Beratungsstipendium von der Bundesorganisation ,startsocial’ unter der Schirmherrschaft von Bundeskanzlerin Angela Merkel zu bekommen. Wir bekamen zwei Coaches an die Seite gestellt. Gemeinsam definierten wir die Problembereiche, diskutierten mit den Mitgliedern Lösungsansätze und beschlossen außenwirksame Veränderungen.“

Die Außendarstellung des Fördervereins wird nun durch zwei Logos vertreten – MOSAIK und FIT. MOSAIK ist einerseits der Dorftreff, andererseits aber auch das Logo für Veranstaltungen rund um den Dorftreff. FIT ist das Logo für alles das Flüchtlingsintegrationsteam. Dahinter verstecken sich Aktionen mit Flüchtlingen, die Integrations-Fußballmannschaft aber auch die bürgeröffentliche Fahrradwerkstatt. „Wobei es keine klare Trennung gibt und jeder, egal welcher Herkunft er ist, an den Aktivitäten sich beteiligen kann“, betont Reissig.