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Home Sonderthemen Gesundheit/Pflege Ein guter Chiropraktor braucht das richtige Gespür für den Körper
09:36 08.03.2018
Chiropraktik: Johanna Tietje bei der Behandlung einer Patientin. FOTOS: JÖRG ROHLFS
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Von Jörg Rohlfs   

GIFHORN. „Wir legen Hand an“, sagt Johanna Tietje, die vor mehr als fünf Jahren ihre Praxis für funktionelle Chiropraktik und Stabilisation in Gifhorn gegründet hat. Chiropraktoren untersuchen, diagnostizieren und behandeln Probleme des Muskel-, Skelett- und Nervensystems. Die langjährige Praxiserfahrung zeigt, dass die Ursache eines Symptoms oftmals in einem völlig anderen Bereich zu finden ist als auf den ersten Blick vermutet. Daher ist es umso wichtiger, den Menschen in seinem Gesamtbild zu betrachten. Dies geschieht meistens durch Fühlen und Tasten. „Bestenfalls brauchen wir kein MRT (Magnetresonanztomographie, Red.).“

Verspannungen mit Händen ertasten

Tietje, die bis zu ihrer Heirat die Praxis unter ihrem Mädchennamen Schmidt führte, kam früh mit der Chiropraktik in Berührung – als Kind mit Rückenschmerzen. Seitdem stand ihr Berufswunsch fest, und so absolvierte sie nach ihrem Abitur das fünfjährige Studium am renommierten AECC University College in Bournemouth (Südengland). Ein Studium, in dem medizinische Grundlagen wie Anatomie, Physiologie und Neurologie, aber auch vielfältige Diagnoseverfahren als Basis für chiropraktorische Behandlung vermittelt werden.


Es ist wichtig, den Körper in seiner Komplexität zu erfassen und zu verstehen.

Johanna Tietje Chiropraktorin


Doch nicht nur das medizinische Wissen macht einen erfolgreichen Chiropraktor aus, sondern auch sein Gespür für den Körper. „Die Finger ersetzen bei uns zum Teil die Augen“, sagt die 33-Jährige. Denn nur mit dem richtigen Gespür erkennt man verspannte Muskeln, verklebte Faszien und Blockaden. Der Chiropraktor sucht nach der wahren Ursache des Symptoms: Unfälle, Stürze, jahrelanges Sitzen oder eine schwere Geburt. Außer der Auswertung von Röntgenbildern, MRT oder CT bezieht der Chiropraktor auch andere Komponenten in die Analyse ein, zum Beispiel die Betrachtung des Schreibtisch-Arbeitsplatzes, das richtige Kopfkissen oder die allgemeine gesundheitliche Verfassung des Patienten.

Frau beim Yoga: Der Atem soll stets frei fließen, gesucht wird die goldene Mitte zwischen Unter- und Überforderung. ARCHIV
Frau beim Yoga: Der Atem soll stets frei fließen, gesucht wird die goldene Mitte zwischen Unter- und Überforderung. ARCHIV

Viele teure Behandlungen können eingespart werden

„Es ist wichtig, den Körper in seiner Komplexität zu erfassen und zu verstehen“, erklärt Johanna Tietje, dass zum Beispiel für Knieschmerzen nicht gleich eine Erkrankung des Knies ursächlich sein muss, sondern oftmals auch eine muskuläre Dysbalance oder ein Beckenschiefstand der Auslöser sein kann.

Ist die Ursache erkannt, kann durch feines Justieren der Gelenke, Lösen von Faszien und Verspannungen oder den Einsatz von Akupunkturnadeln und Impulsgebern zur Besserung beigetragen werden. Oft hätten „viele teure Maßnahmen“ wie Spritzen, Medikamente oder MRTs eingespart werden können, wenn ein Chiropraktor aufgesucht worden wäre. Doch auch die Chiropraktik habe – wie alle anderen Behandlungsmethoden – ihre Grenzen. Wichtig ist, diese schnell zu erkennen und den Patienten dann zu anderen Therapeuten oder Fachärzten zu überweisen.

Auf die Frage, wie oft ein Patient wiederkommen muss, erklärt Tietje, das hänge von der Schwere der Symptomatik, aber auch der Bereitschaft des Patienten, sich selbst mit einzubringen, ab. Ihr ist es besonders wichtig, dass der Erfolg ihrer Behandlung nicht von kurzer Dauer ist. Dies kann zum Beispiel auch durch kleine Übungen und Tricks zu Hause selbstständig unterstützt werden. Nicht umsonst heiße ihre Praxis „aktiv schmerzfrei werden und bleiben“. „Wir bekommen viele so weit, dass sie nur noch im äußersten Notfall zu uns kommen müssen. Und es gibt die, die keine Zeit oder keine Lust haben, aktiv mitzumachen – die kommen dann eben öfter, damit wir sie von ihren Schmerzen befreien“, konstatiert Tietje. So oder so stimmt der Spruch von Albert Einstein, der in einem der Behandlungsräume auf der Wand geschrieben steht: „Das Leben ist wie Radfahren, um nicht umzufallen, muss man in Bewegung bleiben.“


Ein böses Erwachen, eine Begegnung mit Jesus und eine Wunderheilung für den geschwollenen Fuß

Reisebericht vom Jakobsweg, Teil 4: Michaela und Kristin legen in Rates einen Tag Zwangspause ein

Auszeit: Weil Michaela und Kristin (im Bild) die Füße schmerzen, legen sie in Rates eine Pause ein. PRIVAT
Auszeit: Weil Michaela und Kristin (im Bild) die Füße schmerzen, legen sie in Rates eine Pause ein. PRIVAT

Von Michaela Gebauer

Nachdem uns die Polizei zur Herberge nach Rates gefahren hatte, ging es Kristin und mir schon viel besser. Mein Fuß schmerzte zwar noch immer unerträglich, aber wenigstens hatten wir weiche Betten und eine kleine Heizung – kein Vergleich also zur alten Schule in Labruge.

Blasen und geschwollene Zehen

Am nächsten Morgen folgte dann das böse Erwachen. Ich konnte gar nicht mehr gehen und humpelte durch die Herberge Richtung Badezimmer. Als ich wieder zurück in den Schlafsaal kam, kippte die Stimmung endgültig. Kristin zeigte mir leidend diverse Blasen an ihren Füßen, die wirklich nicht mehr ansehnlich waren. Ihre kleinen Zehen waren so angeschwollen, dass diese sich dunkel verfärbt hatten.

Uns wurde klar, dass wir eine Pause brauchten. Also entschieden wir uns, eine weitere Nacht in der Herberge zu verbringen und die Stimmung mit einer Pizza im nächstbesten Restaurant ein bisschen aufzulockern, schließlich hatten wir seit Porto nichts Warmes mehr gegessen.

Während wir unterwegs waren, hatte es sich offenbar ein alter Pilger mit weißem Esel und kleinem Hund im Schlafsaal gemütlich gemacht. Als wir zurückkamen, entdeckten wir ihn in der Küche der Herberge. Auf dem ersten Blick sah der Mann aus wie ein Obdachloser. Auf dem zweiten Blick strahlte er eine unglaubliche Ruhe und Zufriedenheit aus, sodass wir ihn Jesus nannten.

Tonerde soll dem Fuß helfen

Jesus erzählte uns in gebrochenem Englisch, dass er seit Jahren auf Wanderschaft sei und kein Ziel habe. Er genieße das einfache Leben fernab der Turbulenz und lebe zusammen mit seinen Tieren im Einklang mit der Natur. Außerdem rauche und trinke er nicht, esse kein Fleisch und sei deshalb seit Jahren gesund.


Der Jakobsweg – Ziel vieler Pilger, die kleine Abenteuer und Spiritualität suchen. Unsere Mitarbeiterin Michaela Gebauer (25) und Kristin Willecke (22) erkundeten den Camino Português auf ihre ganz eigene Weise. Während der Gesundheitswochen berichtet Michaela über Blasen an den Füßen, kuriose Begegnungen und das erhebende Gefühl von Freiheit.


Er sei gebürtiger Franzose und habe drei Kinder, die in Frankreich oder Amerika leben. Als er im weiteren Verlauf des Gespräches bemerkte, dass ich meinen Fuß verletzt hatte, kramte er unaufgefordert in seinem Rucksack nach seiner „Wunderheilung“ und rührte anschließend aus Tonerde und Wasser eine Paste an, die ich über Nacht auf dem Fuß einwirken lassen sollte. Während er mit einem Spachtel die grüne Masse auf meinem Fuß verteilte, gab er uns eindringlich den Rat, dass wir künftig mehr auf unsere Körper Acht geben sollten. Denn: Dieser sei unser höchstes Gut.

Ich hätte nie gedacht, dass ich das jemals sagen würde: Aber in diesem Moment glaubte ich tatsächlich an diese „Wunderheilung“.

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