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Home Sonderthemen Sonstiges „Es gibt noch viele technische Bedenken“
14:48 07.11.2019

Herr Klöß, Sie haben bei Bitkom vor Kurzem eine Studie veröffentlicht, wonach drei von zehn Menschen schon in einem smarten Zuhause leben. Ist die komplett vernetzte Wohnung also schon Alltag?

Bei den drei von zehn Menschen handelt es sich vor allem um solche, die einzelne vernetzte Geräte besitzen. Die also zum Beispiel smarte Heizungssysteme, Lampen oder Rollläden nutzen.


Richtig schlau ist das Haus dann aber noch nicht.

Ein einzelnes, mit dem Internet vernetztes Gerät ist nur der Einstieg ins Smart Home. Es geht tatsächlich noch deutlich cleverer. Nämlich dann, wenn mehrere Geräte miteinander vernetzt sind und untereinander Daten austauschen. Wenn die Heizung also zum Beispiel darauf reagiert, ob jemand zu Hause ist, oder die Haustür sich öffnet, wenn der Hausbesitzer vor der Tür steht.

Warum wird diese Vision des voll vernetzten Smart Homes bisher noch so selten umgesetzt?

Das große Problem in der Vergangenheit war, dass viele Systeme nicht miteinander kompatibel waren. Die Geräte konnten nicht miteinander kommunizieren. Mittlerweile gibt es immer mehr herstellerübergreifende Plattformen. Das liegt auch daran, dass die großen Digitalkonzerne Apple, Amazon und Google inzwischen aktiv geworden sind und etwa Smart-Home-Apps entwickelt haben, mit denen man über das Smartphone verschiedene Geräte steuern kann. Auch die Sprachsteuerung macht die Nutzung von smarten Geräten einfacher.


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Was versprechen sich die Menschen von einem Smart Home?

Vor allem wollen sie ihr eigenes Zuhause komfortabler machen. Dann folgt der Wunsch, das Haus sicherer zu machen. Im Vergleich zum Vorjahr, das zeigen unsere Umfragen, ist auch das Anliegen, das Zuhause mithilfe von Smart-Home-Technologie energieeffizienter zu machen, größer geworden. Vielleicht ist das schon ein Effekt der Fridays for Future.

Was schreckt ab?

Es gibt noch viele technische Bedenken. Viele Menschen halten die Installation für zu aufwendig, die Bedienung für zu kompliziert. Andere sehen einfach keinen Nutzen darin – oder finden die Technik zu teuer. Und dann ist da – vor allem in Deutschland – noch die Angst vor Datenmissbrauch. Sobald eine Technologie in den eigenen vier Wänden genutzt wird, sehen die Nutzer das viel kritischer.


Sebastian Klöß
Sebastian Klöß

Die Idee ist, Sie durchgängig durch den Tag zu begleiten.

Sebastian Klöß, Referent für Consumer Technology beim Digitalverband Bitkom


Zu Recht, oder? Erst vor Kurzem wurde bekannt, dass Amazon, Apple oder auch Google Sprachdateien von Menschen auswerten lassen.

Ich glaube, das Vertrauen ist immer noch da. Die Firmen sind sich bewusst, dass sie sauber arbeiten müssen. Sie haben ein Interesse daran, die persönlichen Nutzerdaten bestmöglich zu schützen und sicher zu halten. Denn wenn die Vertrauensbasis fehlt, hat das Smart Home keine Chance.


Kaufen Kühlschränke bald autonom ein? Zumindest ist das eine Idee, wie das Smart Home noch schlauer werden könnte.
Kaufen Kühlschränke bald autonom ein? Zumindest ist das eine Idee, wie das Smart Home noch schlauer werden könnte.

Warum ist das Smart Home für Google, Apple und Amazon interessant?

Das Zuhause ist ein Bereich, in dem wir einen großen Teil unseres Lebens verbringen. Daher ist es für die großen Plattformen interessant, auch dort durchgängig ihre Dienste anzubieten und mit ihren Ökosystemen ein nahtloses Nutzererlebnis aus einem Guss zu bieten.

Das heißt zum Beispiel, Google weiß durch mein Android-Smartphone, wo ich bin – und macht dann zu Hause schon mal die Heizung an?

Genau. Die Idee ist, Sie durchgängig durch den Tag zu begleiten.

Gibt es eine Alternative zum Smart Home von Google, Apple oder Amazon?


Alternative Systeme wird es immer geben. Aber ich glaube, der Reiz der großen Plattformen für die Nutzer liegt darin, dass sie diese große Basis bieten und auch eine große Vielfalt von Produkten, Sensoren und Verknüpfungen.

Wird das Smart Home wirklich massentauglich?

Dieser Prozess hat schon begonnen. Es wird bestimmt nicht das komplett vernetzte Heim für jeden sein – so wie es als Vision ja schon seit Jahren existiert. Aber die einzelnen Bausteine – ob das der Staubsaugroboter oder der smarte Herd ist – werden sich deutlich ausweiten. Immer mehr dieser Produkte werden über Plattformen vernetzt und über eine einzige App steuerbar sein. Sodass mit einem Befehl etwa morgens der Rollladen hochfährt, das Licht angeht und die Kaffeemaschine startet.

Interview: Anna Schughart


Viele Nutzer von Smart-Home-Anwendungen ändern die Standardpasswörter nicht. Das kann fatale Folgen haben. Am besten ändert man die Passwörter direkt bei der Installation. Ein sicheres Passwort besteht laut Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) aus mindestens acht Zeichen, darunter Groß- und Kleinbuchstaben, Zahlen und Sonderzeichen. Es sollte außerdem nicht in Wörterbüchern vorkommen oder leicht zu erraten sein.

Für die Sicherheit eines Passwortes gibt es vor allem zwei Kriterien. Zum einen gilt: Je länger, desto sicherer. Die Anzahl der Versuche, ein Passwort zu knacken, erhöht sich bei der Verwendung von Groß-, Kleinschreibung, Sonderzeichen und Ziffern mit jedem zusätzlichen Zeichen um den Faktor 95. Bei der empfohlenen Mindestlänge von acht Zeichen sind danach mehr als sechs Billiarden Versuche nötig, bis das Passwort geknackt ist – vorausgesetzt, das Passwort steht in keinem Wörterbuch. Experten raten, Begriffe mit Sonderzeichen zu durchsetzen und sinnfreie Kombinationen aus großen wie kleinen Buchstaben und Zahlen zu wählen.

Beim Smart Home sollten Nutzer neben der Passwortänderung abwägen, welche Geräte sie tatsächlich mit dem offenen Internet verbinden wollen und welche nicht. Es kann auch reichen, sie in das heimische Netzwerk einzubinden und nicht auch aus der Ferne.Viele Nutzer von Smart-Home-Anwendungen ändern die Standardpasswörter nicht. Das kann fatale Folgen haben. Am besten ändert man die Passwörter direkt bei der Installation. Ein sicheres Passwort besteht laut Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) aus mindestens acht Zeichen, darunter Groß- und Kleinbuchstaben, Zahlen und Sonderzeichen. Es sollte außerdem nicht in Wörterbüchern vorkommen oder leicht zu erraten sein.

Für die Sicherheit eines Passwortes gibt es vor allem zwei Kriterien. Zum einen gilt: Je länger, desto sicherer. Die Anzahl der Versuche, ein Passwort zu knacken, erhöht sich bei der Verwendung von Groß-, Kleinschreibung, Sonderzeichen und Ziffern mit jedem zusätzlichen Zeichen um den Faktor 95. Bei der empfohlenen Mindestlänge von acht Zeichen sind danach mehr als sechs Billiarden Versuche nötig, bis das Passwort geknackt ist – vorausgesetzt, das Passwort steht in keinem Wörterbuch. Experten raten, Begriffe mit Sonderzeichen zu durchsetzen und sinnfreie Kombinationen aus großen wie kleinen Buchstaben und Zahlen zu wählen.

Beim Smart Home sollten Nutzer neben der Passwortänderung abwägen, welche Geräte sie tatsächlich mit dem offenen Internet verbinden wollen und welche nicht. Es kann auch reichen, sie in das heimische Netzwerk einzubinden und nicht auch aus der Ferne.

Bei Smartphones haben sich Fingerabdrucksensoren längst durchgesetzt. Auch an Haustüren mit „smarten“ Schlössern gibt es vermehrt Fingerabdrucksensoren. Auch kompakte Schlösser sind mittlerweile damit ausgestattet. Die Vorteile sind klar: Lästiges Suchen nach dem Schlüssel gehört der Vergangenheit an und auch ein Fremdzugriff ist nahezu komplett ausgeschlossen. Man kann es nutzen, um das Fahrrad anzuschließen, den Aktenkoffer zu sichern – oder gar auf Reisen den Koffer zu verschließen. Die meisten Schlösser sind extrem leicht und der Akku hält bis zu zwei Jahre.


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