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Wolfsburg
15:16 23.03.2021
In seinem Geschäft Mutter Grün bietet Ralf Schubert fair gehandelte Produkte an. © WiSta / Katja McFadden

In Gifhorn haben sich Akteure zusammengetan, um das Leben in der Welt gerechter zu gestalten. Klingt illusorisch? Vielleicht. Doch die Chancen stehen gut, dass die Menschen gemeinsam etwas bewegen können. Global denken, lokal handeln – das ist die Devise in rund 730 deutschen Fairtrade-Städten. Gifhorn ist jetzt auf dem Weg zur Fairtrade-Town – einem guten Weg, wie Martin Ohlendorf von der WiSta findet.

„Wir haben uns vor 20 Jahren schon mit der Frage befasst, wie wir gemeinsam eine global gerechte Welt erschaffen können“, erinnert sich Rüdiger Wockenfuß. Jetzt wurde das Thema im Rahmen der Initiative Weltwechsel Niedersachsen wieder aufgenommen. „Die zentrale Frage ist: Wie wollen wir leben im Jahr 2030?“, verdeutlicht der WiSta-Chef Martin Ohlendorf.

© venimo/123RF
© venimo/123RF

Seit Mitte Dezember kümmert sich eine Steuerungsgruppe darum, faire Produkte in Gifhorn zu etablieren. Fairer Handel ist ein Weg zu mehr Gerechtigkeit in der Welt. Christa Bausch, Mitbegründerin des Weltladens im Gifhorner Cardenap, erklärt es so: „Uns geht es hier sehr gut. Die Menschen müssen sich keine existenziellen Sorgen machen, sie können etwas abgeben. Doch Almosen sind eine schlechte Wahl, fairer Handel ist sehr viel besser. Fairer Handel erlaubt den Menschen in benachteiligten Regionen der Welt, gleichberechtigt am Weltmarkt teilzunehmen.“

Die Initiative Fairtrade-Town will das Bewusstsein für Gerechtigkeit auf der Erde schärfen und die Menschen dazu bringen, etwas zu tun. Das beginnt schon beim Engagement im Steuerungskreis, der ins Leben gerufen wurde, nachdem der Rat der Stadt Gifhorn Anfang Dezember 2020 beschlossen hatte, den Titel Fairtrade-Stadt anzustreben.

Gleichzeitig geht die Stadt mit gutem Beispiel voran: Bei allen Ausschuss- und Ratssitzungen sowie im Büro des Bürgermeisters kommt nur noch fair gehandelter Kaffee auf den Tisch. Dazu gibt es Kekse oder auch Orangensaft aus fairem Handel.


„Fairer Handel unterstützt Genossenschaften im globalen Süden. So werden kleine Betriebe in die Lage versetzt, faire Arbeitsbedingungen zu gewährleisten, Kinderarbeit zu verhindern und Umweltstandards einzuhalten.“

RÜDIGER WOCKENFUSS


Doch das reicht nicht, um Fairtrade-Stadt zu werden. Deshalb führen die Mitglieder der rund 18-köpfigen Steuerungsgruppe nun Gespräche mit Gifhorner Betrieben. Ziel ist es, dass auch in Cafés, Gaststätten, Geschäften und Schulen fair gehandelte Produkte angeboten werden. Denn das Spektrum des fairen Handels reicht weit über den berühmten Kaffee hinaus. Vom Schokoriegel über Duschgel, Schnittblumen und Spielzeug bis hin zu Bettwäsche und Kleidung sind viele Produkte erhältlich.

„Unser Wunsch ist, dass sich möglichst viele Betriebe und Institutionen beteiligen“, sagt Ratsmitglied Rüdiger Wockenfuß, der den Boden für den entsprechenden Ratsbeschluss bereitet hat. Er lädt alle Akteure in Gastronomie und Handel ein, mit der Steuerungsgruppe ins Gespräch zu kommen, um mehr zu erfahren.

„Fairer Handel unterstützt Genossenschaften im globalen Süden. So werden kleine Betriebe in die Lage versetzt, faire Arbeitsbedingungen zu gewährleisten, Kinderarbeit zu verhindern und Umweltstandards einzuhalten“, erklärt Rüdiger Wockenfuß. Selbstbestimmung und Nachhaltigkeit – das sind die Ziele, die mit fairem Handel erreicht werden sollen. Fair zu leben ist nur ein Teil der Ziele, die sich die Arbeitsgemeinschaft „Weltwechsel“ auf die Fahnen geschrieben hat. Weitere Themen sind Fahrradfreundlichkeit und nachhaltiges Leben. Aus der Arbeitsgemeinschaft heraus entstand auch die Idee, dass sich Gifhorn als Fairtrade-Stadt bewerben sollte.

Martin Ohlendorf ist begeistert davon, was die Initiative bereits in kürzester Zeit gemeinsam erreichen konnte. „Die monatlichen Zusammentreffen sind – auch wenn sie derzeit nur digital stattfinden – für mich persönlich sehr bereichernd. Die Mitglieder der Steuerungsgruppe leben Verantwortung und sie setzen sich besonders für ihre Umwelt ein – jeder Einzelne auf seine Weise.“

Ohlendorf ist es wichtig, dass den Menschen bewusst wird, dass sie einfach eine gerechtere Welt leben können. „Jetzt ist der richtige Zeitpunkt und wir sind auf dem richtigen Weg“, sagt der. Jeder habe die Möglichkeit, Teil der Gemeinschaft zu werden, die sich auf den Weg macht für ein weltweit besseres Leben. „Ich habe im vergangenen Jahr festgestellt, dass Gifhorn zu einer Familie geworden ist“, freut er sich über Zusammenhalt und gemeinsames Handeln. (bea)

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