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Home Sonderthemen Haus&Garten Für die Katastrophe geschützt
09:32 07.11.2018
Foto: iStockphoto.com/Amit Vashisht

Sie heißen „Elvira“ oder „Friederike“, „Andreas“ oder „Bernd“, und wahrscheinlich führen die Träger dieser Namen in der Regel nichts Böses im Schilde. Es sei denn, sie tauchen in den Statistiken der Versicherer auf. Dann stehen sie für erschreckende Zahlen und die Schicksale dahinter: „Elvira“ und „Friederike“, zwei Tiefdruckgebiete 2016, hinterließen allein durch Starkregen, Sturm und Hagel einen Schaden von 1 Milliarde Euro an Wohn- und Firmengebäuden in Deutschland. Für 2017 verbucht der jüngst erschienene „Naturgefahrenreport“ des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft 1,13 Milliarden Euro Schadensumme unter anderem für die Orkane „Xavier“ und „Herwarth“. Und dies sind nur die Schäden an den entsprechend versicherten Gebäuden.

Das sind jedoch längst nicht alle. Noch immer sind viel zu viele Gebäude in Deutschland nicht oder zumindest nicht ausreichend beispielsweise gegen die zerstörerische Kraft durch Starkregen oder Überschwemmungen versichert. Sie zählen zu den sogenannten Elementarschäden. Dazu gehören jene Ereignisse, die in herkömmlichen Verträgen für Wohngebäude oder Hausrat nur bedingt auftauchen: Während Starkregen, Sturm und Hagel sowie Feuer durch Blitzeinschlag in der Regel mitversichert sind, fallen Starkregen und Hochwasser, aber auch Erdbeben und rutsche aus diesem Schutz heraus. Sämtlich sind sie jedoch Stichworte, die immer wieder und immer öfter die Nachrichten beherrschen und die sich heute längst mitversichern lassen. Aus gutem Grund.

Unwetterschäden – den Naturgewalten ausgesetzt

Bei großen Naturkatastrophen wie dem legendären August Hochwasser 2002 steht natürlich auch der Staat an der Seite der Geschädigten, ganz gleich ob Hauseigentümer oder Mieter. Doch er kümmert sich – wenn überhaupt – nur um die Sicherung in der akuten Notlage. Für den Besitz des Einzelnen kann der Staat nicht einstehen, warnt HDI. Dabei können die Kosten für den Ersatz schnell in existenzbedrohliche Bereiche steigen. Besonders deutlich wird dies in Bayern. Dort gelten von 2019 an neue Regelungen, die im Einzelfall drastische Folgen haben können: Der Staat leistet dort nach Naturkatastrophen keine finanzielle Soforthilfe mehr. Härtefälle könnten zwar im Einzelnen geprüft werden. Gleichwohl appelliert Bayern an Privatpersonen und Unternehmen, sich besser umfassend gegen Schäden aus Naturgefahren abzusichern. Abseits aller Extremlagen zeigt der „Naturgefahrenreport“ eine eindeutige Tendenz: Lag die durchschnittliche Schadenhöhe 1976 bei umgerechnet 316 Euro pro Schaden, verzeichneten die Versicherer 2017 in Deutschland einen Durchschnittswert von 1315 Euro pro eingereichtem Schadensfall. Eine Überprüfung des Schutzes der eigenen vier Wände scheint da mehr als geboten.

Foto: iStockphoto.com/ra-photos
Foto: iStockphoto.com/ra-photos

Zu den zehn verheerendsten Naturkatastrophen der jüngsten 15 Jahren gehören vornehmlich Stürme und Hagelschäden. Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft registrierte in dieser Zeit mehr als 30 Stürme mit einer Gesamtschadensumme von jeweils mehr als 100 Millionen Euro. Eindeutiger Negativrekord in der Regulierung bleibt noch immer das Hochwasser im August 2002 mit 107 000 Meldungen:

Seinerzeit regulierten die Versicherer Schäden an Gebäuden aller Art in einem Wert von insgesamt rund 4 Milliarden Euro.

Dahinter folgt der Sturm „Kyrill“ mit einer Gesamtsumme von gut 3 Milliarden Euro. Zu diesen Top Ten der Naturkatastrophen zählt auch das Juni Hochwasser 2013 mit 1,95 Milliarden Euro Schadensumme. Nach den Hagel Stürmen „Andreas“ und „Bernd“ im selben Jahr regulierten die Versicherer Meldungen in Höhe von 1,85 Milliarden Euro.

All diese Zahlen werfen jedoch nur ein Licht auf jene Schicksale, die ihre Sachwerte zuvor gegen derlei Naturgewalten versichert hatten. Die tatsächlich entstandenen Schäden liegen stellenweise weitaus höher: Bei dem verheerenden Hochwasser im August 2002 entschädigten die Versicherer Sachwerte an Gebäuden mit insgesamt 1,8 Milliarden Euro. Die Versicherungsdichte bei den Wohngebäude Verträgen lag jedoch nur bei 19 Prozent aller betroffenen Immobilien. Die Starkregen Ereignisse in 2016 schlugen bei den Versicherungsunternehmen mit insgesamt 900 Millionen Euro zu Buche. Versichert waren jedoch nur 42 Prozent aller in der Region Betroffenen.

Absicherung sollte auch kurzfristig greifen

Wer angesichts der Klima- und Wetter Entwicklungen seine Gebäude vor Schäden absichern möchte, sollte verschiedene Parameter prüfen, rät HDI. So erwarteten die Versicherungsunternehmen beispielsweise bei einer Übernahme durch Rückstau Schäden bereits vorhandene Rückstauklappen oder Sicherungen zum Eigenschutz des Gebäudes. Überdies seien Wartezeiten zu beachten: Nicht überall lassen Versicherer den Abschluss einer kurzfristig greifenden Elementarversicherung zu.

HDI bietet auch eine kurzfristige Absicherung gegen Elementarschäden zu: Die Wartezeit bei Überschwemmungen beispielsweise beträgt nur zwei Wochen. Und der Sommer 2018 war zwar in jeder Hinsicht außergewöhnlich: Die lang anhaltende Dürre hat die Bilder der vielen Starkregen Ereignisse und Hagel Stürme der vergangenen Jahre fast in Vergessenheit geraten lassen. Nun aber ist Eile geboten: So brachen zur Winterzeit die Stürme „Kyrill“ (Januar 2007) und „Xynthia“ (Februar 2010) über Deutschland ein. Alle anderen Katastrophen lagen fast ausnahmslos im Sommer, vier davon in den letzten fünf Jahren. Da war dieser Sommer vielleicht nur die Ruhe vor dem nächsten Sturm …

Foto: iStockphoto.com/JamesBrey
Foto: iStockphoto.com/JamesBrey

Wie hoch das Risiko ist, beispielsweise Opfer eines Hochwassers zu werden, ordnen die Versicherer in sogenannte ZÜRS-Klassen ein:

Das „Zonensystem für Überschwemmung, Rückstau und Starkregen“ weist vier Gefahren Klassen auf. GK 1 wird „seltener als einmal in 200 Jahren“ von einem Hochwasser erfasst.

Dazu zählen in Deutschland 91,3 Prozent aller erfassten Adressen. GK 2 erlebt ein Hochwasser „einmal in 100 bis 200 Jahren“ (7,1 Prozent) und GK 3 „einmal in 10 bis 100 Jahren“ (1,1 Prozent). Am gefährdetsten sind Anwohner einer GK 4: Bei ihnen tritt Hochwasser „mindestens einmal in 10 Jahren“ auf; davon sind in Deutschland nur 0,6 Prozent aller erfassten Adressen betroffen. Versichert ist in diesen Bereichen jedoch nur ein Bruchteil: Für 21,46 Millionen in Deutschland bekannte Adressen (ohne Nord- und OstseeInseln) liegen nur 6,7 Millionen Verträge vor.

HDI Versicherung AG



Foto:iStockphoto.com/springtime78
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Regional zeigen sich bei den Risiken eines Elementarschadens in Deutschland kaum Unterschiede. Heimsuchen können Naturkatastrophen im Grunde jeden: Unwetter wüten nach dem Zufallsprinzip. Allein das Risiko, Opfer eines Erdbebens, einer Lawine – die zu den Elementarschäden zählen – zu werden, lässt sich geografisch deutlicher eingrenzen: Der Süd westen Deutschlands, der Alpenrand und das Drei Länder Eck Thüringen, Sachsen, Sachsen Anhalt weisen deutlich höhere Aktivität der Erdplatten auf. Norddeutschland ist dabei weitgehend unauffällig.

Abgesehen von zuweilen regionalen Besonderheiten wie Schäden durch Schneedruck verteilen sich alle anderen Naturereignisse nahezu gleichmäßig auf die Bundesländer.

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