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Home Sonderthemen Neues aus Wolfsburg und Umgebung Wolfsburger Immobilienmaklerin mit Leib und Seele
07:46 30.06.2020
© Andrea Hoferichter

Gunda Horsmans hat zwei große Hobbys: ihren Beruf und ihr Haus. Über den Unterschied zwischen Bayern und Wolfsburg, über ihr Selbstverständnis und das Geheimnis ihres geschäftlichen Erfolgs spricht sie im Interview.

Ehme de Riese U17.

Frau Horsmans, wie geht es Ihnen in der Corona-Krise geschäftlich?

HORSMANS: Gottseidank hatte ich vor der Krise ein großes Portfolio. So konnte ich mich tatsächlich gut über Wasser halten. Was mir jetzt fehlt, sind neue Objekte, um dann auch die nächsten Monate so gut weitermachen zu können wie vor Corona-Zeiten. Es kann sein, dass ich jetzt auf Grund laufe. Aber es geht trotzdem weiter und ich gehe da kerzengerade durch. Das Problem ist momentan: Die älteren Herrschaften lassen uns nicht gerne in die Häuser. Die Neuaufnahmen sind das Problem, nicht der Verkauf. Aber Neuaufnahmen brauchen eine gewisse Zeit, es braucht ein Gespräch, einen unterschriebenen Vertrag, Erklärungen und so weiter. Davor machen die Leute im Moment noch Halt. Aber ich habe schon wieder einiges auf der Warmhalteplatte und ich freue mich, wenn es wieder richtig angeht.

Wie verkaufen sich Häuser in Wolfsburg generell?

HORSMANS: Zu verkaufen ist überhaupt kein Problem, wenn die Anbieter mitziehen. Wenn die Preisvorstellungen des Verkäufers allerdings zu hoch sind, verabschiede ich mich. Ein Haus zu einem überhöhten Preis anzubieten ist unseriös und ich habe ein schlechtes Gewissen dabei. Die Preise, die Sie bei mir im Internet sehen, basieren alle auf einer gründlichen Bewertung. Deshalb werden meine Kunden auch nachher bei der Bank nicht abgewiesen mit dem Hinweis, das Haus sei zu teuer.


„Vertrauen ist das A und O. Die Leute legen mir zum Teil ihr größtmögliches Vermögen in die Hände.“

GUNDA HORSMANS


Welche Rolle spielen für Sie Vertrauen und Authentizität?

Horsmans: Vertrauen ist das A und O. Die Leute legen mir zum Teil ihr größtmögliches Vermögen in die Hände. Das soll dann auch dementsprechend auf dem Markt platziert werden. Ich richte mich da zu 100 Prozent nach den Wünschen meiner Anbieter. Soll die Immobilie schnell verkauft werden oder heißt es vorsichtig rangehen? Das bespreche ich vorher mit den Anbietern. Für das Marketing ist mir kein Euro zu viel. Es kommt ja Courtage rein. Viele Leute denken ‚Mein Gott, so viel Geld!’. Ich kauf mir aber keine schönen Hüte mit der Courtage. Das wird entsprechend investiert. Auch hier kann jeder sehen: Mein Büro ist nicht wer weiß wie ausgestattet. Ich habe ein Golf Cabrio und bin auch sonst ganz normal unterwegs. Dass mein Geschäft sehr gut funktioniert, liegt nicht an einer schicken Geschäftsstelle. Ich denke mal, da gibt es viele andere Wertigkeiten.

Die da wären?

HORSMANS: Menschlichkeit zum Beispiel. Zuhören ist am Anfang ganz wichtig, um zu erfahren, warum dieses Haus verkauft wird. Es gibt so viele unterschiedliche Gründe und entsprechend muss man auf die Leute eingehen. Oft steckt ja ein Schicksal dahinter, wenn ein Haus verkauft wird. Da gilt es herauszuhören, was in dieser Situation erforderlich ist, wie ich helfen kann. Ich glaube, ganz wichtig ist, dass die Chemie zwischen Anbieter und Makler stimmt. Wenn das nicht in der ersten Sekunde zündet, kann man sich auf dem Absatz wieder umdrehen und gehen.

Was macht Ihnen am meisten Spaß an Ihrer Arbeit?

HORSMANS: Es ist der Umgang mit den Menschen, das Zuhören. Ich bin gerne unterwegs und pflege den direkten Kontakt mit den Kunden. Deshalb weiß ich auch, welche Immobilie zu welchem Interessenten passt. Jeder Kunde hat ja besondere Bedürfnisse, da muss alles durchdacht werden. Die komplette Abwicklung im Hintergrund überlasse ich meinen beiden Mitarbeitern. Ich beschäftige zwei Immobilienfachwirte in Vollzeit, die ihre Arbeit genau so erledigen, wie ich mir das als Chefin vorstelle: verlässlich, schnell und mit einer riesigen Portion Hilfsbereitschaft. Die Schlüsselübergabe ist hingegen ein Termin, den ich gerne selbst wahrnehme. Es ist so schön, wenn man in strahlende Gesichter sieht, wenn alle Parteien vor dem Haus stehen, sich unterhalten und man merkt, da ist schon ein Band gezogen zwischen Käufer und Verkäufer. Und ich freue mich auch, wenn der Anbieter sagt: „Frau Horsmans, wir freuen uns für unsere Immobilie über diesen Nachfolger.“

Wie sind Sie denn zur Immobilienbranche gekommen?

HORSMANS: Ich habe mir in Wolfsburg ein Haus gekauft und hatte dadurch Kontakt zu einem netten Maklerbüro. Man fragte mich, ob ich bei der Buchhaltung helfen könnte. Über diese Schiene bin ich reingerutscht. Es war mehr Hobby und Spaß an der Freude. Als meine jüngste Tochter dann einen Ausbildungsplatz hatte und ausgezogen war, wollte ich meine grauen Zellen noch mal in eine andere Richtung lenken. Deshalb habe ich meinen Immobilienmakler bei der technischen Akademie in Hameln gemacht und 2015 mein eigenes Maklerbüro eröffnet. Wenn man selbstständig ist, kann man arbeiten, wann man will. Auf meiner Webseite steht: von 7 bis 22 Uhr. Und das meine ich ernst. Das Immobiliengeschäft macht mir so viel Freude – ich bin wirklich mit Leib und Seele dabei. Ich komme auch nicht auf meine 30 Tage Urlaub im Jahr. Ich freu mich immer, wenn ich zurück im Büro bin.

Wie würde ihre Traumimmobilie aussehen, bei der Sie sofort zuschlagen würden?

HORSMANS: Ich hatte ja diese Situation, als ich damals aus der Nähe von München nach Wolfsburg ziehen wollte. Der Makler hat mir eine Penthouse-Wohnung und ein Haus in Velstove gezeigt. Da wir einen großen Hund hatten, habe ich das Haus in Velstove genommen. Es war eine Entscheidung innerhalb von zwölf Stunden. Es ist ein freistehendes Einfamilienhaus in einer sehr schönen Lage, damals nicht älter als zehn Jahre, zentrumsnah und gleichzeitig nur ein paar Meter von Feld, Wald und Wiesen entfernt. Allerdings musste ich einen Kompromiss eingehen: Ich wollte eigentlich keine Stufen vor der Tür. Jetzt habe ich tatsächlich sechs Stufen und sogar noch Stufen von der Terrasse in den Garten. Das war mein Kompromiss ans Haus. Ich sage den Interessenten auch immer: Man muss Kompromisse machen. Selbst beim Neubau kann ich nicht mein Traumobjekt bauen, da unterliege ich auch den Auflagen des Bauamts.

Wie haben Sie 2011 den Wechsel von Bayern nach Wolfsburg erlebt?

Horsmans: Da ist natürlich ein Riesenunterschied zwischen dem kleinen Ort bei Pfaffenhofen/Ilm, in dem ich gewohnt habe, und Wolfsburg. In Bayern galt ich auch nach Jahren bis zu meinem Wegzug immer noch als der Preuß‘. Aber ich habe die Bodenständigkeit der Leute geliebt. Hinzu kommt: Ich konnte mit der Familie schnell auf einen Cappuccino an den Gardasee brausen oder in die Berge zum Skifahren. Als geborene Paderbornerin habe ich das sehr genossen. Wolfsburg hat dafür andere Vorzüge. Hier kann ich in einer Viertelstunde im Allerpark sein und die sportlichen Angebote nutzen. Ich genieße die kurzen Wege ins Grüne von gewissermaßen jedem Punkt der Stadt aus. Und ich schätze die Freizeitmöglichkeiten und die besonderen sommerlichen Aktionen. Dass ich hier bleiben will, hat natürlich auch mit den familiären Verhältnissen zu tun, aber ich fühle mich hier pudelwohl.

Wie blicken Sie aus der Krise heraus in die Zukunft?

HORSMANS: Zuversichtlich, gelassen und entspannt. Ich denke immer positiv. In diesen Wochen hatte ich den Eindruck, dass die Krise einige Dinge geraderückt. Manche Leute scheinen zu bemerken, dass es wichtigere Dinge im Leben gibt, als ein dickes Auto zu fahren. Das ist eigentlich positiv. Hier in Wolfsburg kommt gleich eine gewisse Nervosität auf, wenn das gewohnte Leben ins Stocken gerät. Diese Nervosität ist mir fremd. Ich bin mit Fröhlichkeit und Menschlichkeit erzogen worden. Meiner Ansicht nach ist jeder seines Glückes Schmied, man muss sehen, was man aus seinem Leben macht. Und weniger gucken, was die anderen machen. (bea)

     

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