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Wolfsburg
00:05 22.04.2021

Landwirte stehen heute mehr denn je unter Beobachtung und in der Kritik. Gleichzeitig wird der Druck durch immer neue Auflagen aus der Politik und immer niedrigere Preise im Supermarkt ständig größer. Fest steht: Man kann sein Geld heutzutage anderswo leichter verdienen als ausgerechnet in der Landwirtschaft. Helmut Evers, Landwirt aus Wahrenholz in 18. Generation, hält diese Entwicklung für falsch und will sich nicht damit abfinden. „Es gibt eine Diskrepanz zwischen den Wünschen, die von der Gesellschaft an uns herangetragen werden, und dem, was der Verbraucher bereit ist, mit uns umzusetzen”, stellt er fest. „Ich sehe die Milchviehhaltung momentan vor einem ungeheuren Umbruch. Die Zahl der Betriebe in Deutschland nimmt ständig ab. Bald wird die Produktion von Nahrungsmitteln nicht nur aus unserer Region verschwunden sein, sondern sich generell mehr und mehr ins Ausland verlagern. Wie nachhaltig ist das?”

BLOGGEN FÜR MEHR VERSTÄNDNIS

Um etwas an der aktuellen Situation zu ändern, setzt Helmut Evers auf den Dialog mit Verbrauchern. „Wir haben offene Ohren für die Wünsche der Gesellschaft. Das war nicht immer so, wir haben dazugelernt”, gibt er zu. Gleichzeitig ärgert er sich über reißerische Schlagzeilen und einseitige Berichterstattung in den Medien. Dem will er mit seinem „My KuhTube”-Blog etwas entgegensetzen und zeigen, was wirklich im Kuhstall los ist. Das hat er seit 2013 in über 130 Videos getan und damit einer breiten Öffentlichkeit Einblicke in den Alltag eines Milch-Hofes verschafft. Von diesem Weg ist er überzeugt, denn es gibt viel Aufklärungsbedarf. „Je nach Thema wird manchmal viel, manchmal weniger im Netz über ein Video diskutiert. Ein Mitarbeiter der Landesvereinigung der Milchwirtschaft Niedersachsen ist fast rund um die Uhr damit beschäftigt, jede sachliche Frage, die dort gestellt wird, zu beantworten”, erzählt der Milch-Bauer.

AUF DEM ROTEN SOFA

Doch auch damit gibt sich Helmut Evers nicht zufrieden. Wenn er sich ärgert, sucht er den Dialog. So, wie im November letzten Jahres, nachdem bei DAS!, dem Magazin des Norddeutschen Rundfunks, ein Gnadenhof für Kühe vorgestellt wurde. „Das fing schön an: Es wurde über glückliche Kühe und glückliche Menschen berichtet. Alles gut! Doch dann behaupteten die Betreiber des Gnadenhofes, Milch sei schädlich für Menschen und Kühe würden ihr Leben lang gequält und ausgenutzt. Belegt wurde die Aussage mit einem Foto aus einem dunklen Kuhstall von vor vierzig Jahren, wo Kühe noch angebunden waren. Das war wirklich schlimm. Doch heute ist das längst nicht mehr so.” Als sich der Moderator dann noch völlig begeistert über eine Kuhbürste ausließ, die auf dem Gnadenhof für die Tiere installiert worden war, die jedoch in jedem guten Kuhstall längst zum Standard gehört, reichte es Helmut Evers. Er schrieb einen Brief an die DAS!- Redaktion und schilderte darin seine Sicht der Dinge, ruhig und sachlich.


Die Redaktion bedankte sich für die Kritik und lud ihn wenig später auf das berühmte Rote Sofa ein. Am 21. Januar war es dann so weit. Der NDR holte Helmut Evers ins Hamburger Studio. Dort gab es eine kurze Vorbesprechung, dann wurde es ernst. Kaum saß Helmut Evers auf dem Roten Sofa dem Moderator Hinnerk Baumgarten gegenüber, da ging es auch schon los. „Wir waren sofort mitten drin im Gespräch. Das sind wirklich Profis!”, weiß Helmut Evers zu berichten. Anerkennend stellt er fest, wie locker und freundlich die Atmosphäre war. Mit Hinnerk Baumgarten war er sofort per Du, auch wenn der Moderator ihn vor der Kamera natürlich wieder siezte.

Doch leicht hat es ihm die Redaktion trotzdem nicht gemacht: „Als die Autorin der Sendung den Ablauf vorher mit mir durchsprach, sagte sie mir, dass auch kritische Fragen gestellt würden. Welche das sein werden, erfuhr ich jedoch nicht.” Nichtsdestotrotz meisterte der Wahrenholzer Landwirt seinen Auftritt in der Live-Sendung souverän. Die anschließenden Reaktionen der Zuschauer seien überwiegend positiv gewesen und den Rest müsse man ignorieren, sagt er. „Natürlich gibt es Menschen, die einen zum Beispiel auf Facebook massiv angreifen”, berichtet Helmut Evers und zitiert einen sehr persönlichen und menschenverachtenden Kommentar. „So was muss man an sich abprallen lassen.”


„Wir waren sofort mittendrin im Gespräch. Das sind wirklich Profis!“


GAGE FÜR HOSPIZARBEIT

Das scheint dem Landwirt auch zu gelingen, stattdessen wende er sich lieber konstruktiven Dingen zu. „Ich hatte mir von Anfang an vorgenommen, das Honorar für das Interview der Hospizarbeit Gifhorn zu spenden. Dafür schlug Hinnerk Baumgarten vor, im Anschluss an die Sendung ein privates Video auf dem Roten Sofa zu drehen. Das habe ich an befreundete Firmen geschickt und gefragt, ob sie sich an der Spende beteiligen wollen.” Sein Ziel ist, 1000 Euro für die Hospizarbeit zu sammeln. Dabei erhielt er von unerwarteter Seite tatkräftige Unterstützung. „Der Schreibwarenladen A&O aus Wahrenholz hat Kuh-Postkarten verkauft, die die Leute an mich geschickt haben. Die Einnahmen fließen ebenfalls auf das Spendenkonto”, kündigt er an und ergänzt: „Diese spontane Aktion zeigt mir wieder einmal, wie groß der Zusammenhalt hier im Dorf ist und dass Landwirtschaft und Viehhaltung in Wahrenholz unterstützt werden.”


„Kuhle“ Videos aus dem Stall

Beim Bloggen teilt sich das Ehepaar Evers die Arbeit.
Beim Bloggen teilt sich das Ehepaar Evers die Arbeit.

„My KuhTube“ wird von der Landesvereinigung der Milchwirtschaft Niedersachsen e. V. betreut. Rund 20 Milchbauern aus Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein zeigen hier in selbst gedrehten Videos von drei bis vier Minuten Länge, was es bei ihnen auf dem Hof Neues gibt. Zu finden sind die Videos unter mykuhtube.de, bei Youtube, Facebook und Co.

Kontakt

Wer mehr über Klimaschutz in der Landwirtschaft und das Hackschnitzel-Heizkraftwerk wissen will oder einfach schauen möchte, wo die Milch herkommt, ist auf dem Hof von Familie Evers in Wahrenholz, Eversweg 1, stets willkommen.

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