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Home Sonderthemen Gesundheit/Pflege „In Bewegung bleiben“
09:37 08.03.2018

Zur Person

„In Bewegung bleiben“ Image 9
Prof. Dr. Bernd Kladny ist Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie und Chefarzt der Orthopädie und Unfallchirurgie an der Fachklinik Herzogenaurach. Zu seinen Schwerpunkten gehört die nicht operative Behandlung von Wirbelsäulenerkrankungen und Kreuzschmerzen.
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Rückenschmerzen sind in Deutschland ein Volksleiden: Nach einer Studie der Bertelsmann Stiftung geht jeder fünfte gesetzlich Versicherte mindestens einmal pro Jahr deshalb zum Arzt, manche davon auch mehrmals. Insgesamt gibt es hierzulande pro Jahr mehr als 38 Millionen Arztbesuche wegen Rückenschmerzen. Prof. Dr. Bernd Kladny, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie, erklärt, was Patienten für ihre Rückengesundheit tun können.

Oft verschwinden Rückenschmerzen nach einer Weile von allein. Woran erkennt man als Patient, dass man um einen Arztbesuch nicht herumkommt?

Es gibt bestimmte Warnhinweise, die auf eine ernste Verletzung oder Krankheit hindeuten: etwa Fieber, Appetitlosigkeit, Gefühlsstörungen in den Beinen oder starke Schmerzen in der Nacht. Auch wenn Schmerzen nach einem Unfall auftreten oder wochenlang anhalten, sollte man zum Arzt gehen. Vollständig aufgelistet werden diese Signale in der Patientenleitlinie Kreuzschmerz (www.patienten-information.de/patientenleitlinien/patientenleitlinien-nvl/kreuzschmerz) „Gibt es solche Warnhinweise nicht, kann man durchaus erst mal abwarten“, sagt der Orthopäde Bernd Kladny. „Nicht spezifische Kreuzschmerzen“, bei denen sich kein eindeutiger Auslöser erkennen lässt, sind in der Regel harmlos und verschwinden oft von selbst.


Bandscheibe auf einen Nerv drückt, kann Ruhe notwendig sein. Prof. Dr. Bernd Kladny, Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie


Wann ist ein Röntgenbild, CT oder MRT angezeigt?

Nur wenn der Arzt einen Hinweis auf einen gefährlichen Verlauf findet, ist eine bildgebende Untersuchung nötig. „Auch dann, wenn ein Patient mehrere Wochen an akuten nicht spezifischen Schmerzen leidet, sollte man an Bildgebung denken“, sagt Kladny. Methode der Wahl sei in der Regel eine Magnetresonanztomografie (MRT). Einziger Nachteil: Die Untersuchung wird im Liegen durchgeführt. Das hat zur Folge, dass man die Statik der Wirbelsäule nicht gut erkennt. In diesem Punkt ist das Röntgenbild überlegen. „Darauf werden allerdings die Weichteile, also etwa die Bandscheiben, nicht dargestellt“, sagt Kladny. „Außerdem ist der Patient Strahlung ausgesetzt.“ Eine Computertomografie, die ebenfalls mit Strahlung verbunden ist, wird heute nur noch in Ausnahmefällen gemacht: etwa dann, wenn ein MRT wegen eines Herzschrittmachers nicht möglich ist.

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Welchen Einfluss hat die Psyche bei Rückenschmerzen?

Stress, Probleme in der Partnerschaft oder Mobbing am Arbeitsplatz sind Faktoren, die Rückenschmerzen verstärken können. Manchmal tragen sie auch dazu bei, dass die Schmerzen chronisch werden. Umgekehrt haben dauerhafte Schmerzen auch psychische Folgen: „Man neigt dann zu Ängstlichkeit und Depressivität.“ Bei chronischen Rückenschmerzen spielt die Psyche fast immer eine Rolle. Daher wird bei der Therapie chronischer Schmerzen in der Regel geklärt, ob eine psychologische Behandlung sinnvoll ist.

Was ist bei Rückenschmerzen besser: Schonung oder Bewegung?

„Bei nicht spezifischen Kreuzschmerzen gilt: immer in Bewegung bleiben!“, betont Kladny. Studien belegen, dass körperliche Aktivität plötzliche Rückenschmerzen meist lindert. Außerdem droht bei längerer Schonung ein Abbau der Rückenmuskulatur, die für die Stabilität der Wirbelsäule wichtig ist. Anders ist das bei spezifischen Kreuzschmerzen, also etwa, wenn eine Bandscheibe auf einen Nerv drückt. „Dann kann Ruhe notwendig sein“, sagt der Orthopäde. Ob und wie lange man sich schonen soll, muss der Arzt feststellen.

Eine gute Matratze soll im Bereich von Schulter und Becken nachgeben. FOTO: FOTOLIA
Eine gute Matratze soll im Bereich von Schulter und Becken nachgeben. FOTO: FOTOLIA

Wie viel bringt Physiotherapie?

Wenn man weiß, was das Problem ist, kann Physiotherapie gut helfen. „Wenn man zum Beispiel verkürzte Muskeln hat, lässt sich gezielt daran arbeiten“, sagt Kladny. In solchen Fällen kann der Therapeut dem Patienten auch Übungen für daheim zeigen, die ihm langfristig helfen. „Manchmal gibt es auch Blockierungen, die man lösen kann. Dadurch ist den Menschen dann schnell geholfen.“

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Kann Osteopathie helfen?

Viele Menschen mit Rückenproblemen setzen auf dieses manuelle Verfahren, das den ganzen Körper miteinbezieht. Kladny äußert sich jedoch vorsichtig: „Das Problem ist, dass der Begriff ‚Osteopathie‘ nicht geschützt ist. Es gibt verschiedene Schulen, die zum Teil verschiedene Ausbildungskonzepte haben“, erklärt der Orthopäde. „Manche Ansätze sind durchaus sinnvoll, andere sind aber ärztlich nicht ganz nachvollziehbar.“ Für Patienten lässt sich schwer erkennen, was hinter den Angeboten steckt.

Wie wichtig ist die Matratze?

Für einen gesunden Rücken ist es wichtig, dass die Wirbelsäule nachts entlastet wird. „Die Bandscheiben haben eine Stoßdämpferfunktion“, sagt Kladny. „Tagsüber werden sie zusammengedrückt. Nachts quellen sie wie ein Schwamm wieder auf.“ Es ist entscheidend, dass sie sich gut ausdehnen können, um Flüssigkeit und Nährstoffe aufzunehmen. Die Wirbelsäule sollte dazu annähernd so gebettet sein, wie es ihrer natürlichen Form entspricht. Für die Matratze gilt: Sie soll gut stützen, in der Schulter- und Beckenregion aber nachgeben.

Bei der Arbeit im Büro sollte man zwischendurch auch mal stehen. FOTOS: ISTOCK (2)
Bei der Arbeit im Büro sollte man zwischendurch auch mal stehen. FOTOS: ISTOCK (2)

Worauf sollte man im Büroalltag achten?

„Nichtbewegung ist Gift für unsere Wirbelsäule“, betont Kladny. Deshalb ist es ungesund, lange in derselben Position zu verharren – sei es beim Sitzen oder Stehen. „Pro Stunde sollte man zwei bis drei Haltungswechsel für etwa fünf Minuten einplanen“, rät der Experte. Dazu kann man sich Tricks einfallen lassen: „Ich lasse mir zum Beispiel Briefe zum Unterschreiben nicht auf den Schreibtisch legen“, sagt Kladny. „Ich gehe dazu ins Sekretariat und stelle mich an die Theke.“ Oder man stellt den Papierkorb in eine andere Zimmerecke, um öfter aufstehen zu müssen. Solche Positionswechsel sind wichtiger als ein Spezialstuhl.

Interview: Angela Stoll

www.patienten-information.de/patientenleitlinien/patientenleitlinien-nvl/kreuzschmerz

Drei einfache Übungen für den Rücken

Im Winter bewegen sich viele Menschen noch weniger als in der warmen Jahreszeit. Die Folge können Kreuzschmerzen sein, warnt Reinhard Schneiderhan von der Deutschen Wirbelsäulenliga. Zehn Minuten Bewegung am Tag schaffen bereits Abhilfe. Ein Beispiel: Im Vierfüßlerstand auf einer Gymnastikmatte oder einem Teppich einen Katzenbuckel machen. Mit der Einatmung leicht ins Hohlkreuz gehen. Beim Ausatmen zurück in den Katzenbuckel. Das Ganze zwölfmal wiederholen.

Zur Lockerung der unteren Rückenmuskeln bieten sich Hüftkreise im Stehen an. Eine gute Dehnübung ist das Nadelöhr: Dazu auf den Rücken legen, die Füße aufstellen. Nun den Knöchel des rechten Fußes auf den linken Oberschenkel legen. Das rechte Knie dabei zur Seite öffnen. Anschließend den linken Fuß anheben und mit beiden Händen den linken Oberschenkel greifen und diesen leicht zum Oberkörper heranziehen. Schultern und Nacken liegen während der Übung entspannt auf dem Boden oder der Matte.

SPRECHSTUNDE - PROFESSOR WALTER POPP

Vorsicht vor Antibiotika

Vor fünf Jahren wurden in allen EU-Ländern Daten zur Hygiene erhoben. Danach erhalten in Deutschland 24 Prozent der Krankenhauspatienten Antibiotika. Doch ist das wirklich nötig?

Unter den 20 häufigsten Hauptdiagnosen im Krankenhaus findet sich nur eine einzige Infektion: die Lungenentzündung mit einem Anteil von einem Prozent. Bei den 20 häufigsten Nebendiagnosen finden sich bakterielle Infektionen insgesamt mit einem Anteil von zwei Prozent. In der Summe der Prozente sind das erhebliche Differenzen zu den 24 Prozent, die Antibiotika im Krankenhaus erhalten. Es gibt also Verbesserungsbedarf. Bei vielen Erkrankungen ist ein Antibiotikum nutzlos. Droht aber etwa eine Lungenentzündung im Rahmen der Erkältung, muss die Einnahme korrekt erfolgen. Hingegen muss eine Erwartungshaltung von Patienten nach dem Motto „Wenn ich zum Arzt gehe, dann will ich auch mit einem Medikament weggehen“ abgebaut werden.

Professor Walter Popp ist Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene.


SO WIRKT DAS

Pantoprazol

Pantoprazol gehört zu der Gruppe der Protonenpumpenhemmer und bewirkt eine Verringerung der Magensäureproduktion. Es wird unter anderem bei der Behandlung von Sodbrennen sowie Magen- und Darmgeschwüren eingesetzt. Zu viel Magensäure kann zur Schädigung der Schleimhaut in Magen und Darm führen.

Platz vier der Rangliste der 2016 am häufigsten ärztlich verordneten Wirkstoffe nach dem Arzneiverordnungsreport 2017 des Wissenschaftlichen Instituts der AOK auf Grundlage der Verordnungsdaten der Krankenversicherung.


GROSSMUTTER WEISS RAT

Kartoffelwickel lindern Schmerzen

Wenn der Hals kratzt, Husten festsitzt oder der Ischiasnerv schmerzt, hilft eine warme Kartoffelpackung So geht’s: Drei Kartoffeln weich kochen und auf ein längs gefaltetes Geschirrtuch legen, mit einem Stampfer zerdrücken und die Masse über die komplette Tuchlänge verteilen. Tuchseiten zuschlagen, dann auf die betroffene Stelle legen. iff

Das Rezept stammt aus dem Buch „Zwiebelwickel, Essigsocken & Co.: Traditionelle Heilmittel neu entdeckt“ von Karin Berndl und Nici Hofer, Eden Books, 112 Seiten, 14,95 Euro.

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