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Home Sonderthemen Sport/Vereinsleben Interwiew mit Trainer Stephan Lerch
00:00 01.09.2017
 Fotos (12): Photowerk Gifhorn
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Von Jasmina Schweimler

Stephan Lerch ist der neue Cheftrainer bei den Wölfinnen. Von 2013 bis 2015 betreute er die zweite Mannschaft der VfL-Frauen, danach wurde er zum Assistenztrainer der Bundesliga-Mannschaft berufen. Seit Juli hat er sein Amt von Ralf Kellermann übernommen. Lerch, der examinierte Sport- und Biologielehrer, verfügt über langjährige Erfahrung als Vereins- sowie auch als Verbands- und Regionalauswahltrainer.

Ihre ersten Wochen als Cheftrainer des Frauenfußball-Bundesligisten VfL Wolfsburg sind vorbei: Wie haben Sie diese erlebt?

Wir sind im Trainerteam so zusammengeblieben und unsere Aufgaben sind nur ein wenig anders aufgeteilt, man kennt sich ja. Deswegen war das in den ersten Wochen nicht allzu neu. Aber natürlich spüre ich, dass die Verantwortung jetzt eine ganz andere ist. Aber ich fühle mich in dieser Rolle sehr wohl und es macht sehr viel Spaß!

Bleibt neben dieser neuen, großen Verantwortung überhaupt noch Zeit für Hobbys?

Das Zeitfenster in unserem Job ist sehr klein. Klar muss man sich in der Zukunft auch mal Freiräume zum Abschalten schaffen, dann gehe ich gerne schwimmen, schnappe mir mein Rennrad oder spiele selber Fußball. Vor Kurzem habe ich auch das Klettern für mich entdeckt …

Wo kicken Sie denn nebenbei?


Mein Pass liegt bei Neindorf/Almke. Da habe ich letztes Jahr auch ein paar Spiele gemacht. Wenn die Zeit es jetzt zulässt, mache ich gerne noch bei einer Trainingseinheit mit. Da habe ich tolle Freundschaften geknüpft und die Jungs waren unter anderem auch schon bei unseren Champions-League-Spielen.

Und wie sieht es mit Familie aus? Wie hat die das aufgefasst?


Ganz am Anfang war es schon eine große Sache. Natürlich wissen sie auch, dass es eine große Herausforderung ist. Sie haben sich gefreut, dass der Verein mir dieses Vertrauen ausspricht und mir diese Chance gibt. Alle haben mir gesagt, egal wie du dich entscheidest: Wir stehen hinter dir und unterstützen dich.

Wie groß ist der druck, wenn man eines der stärksten Teams weltweit übernimmt und coacht?

Den Druck macht man sich durch den eigenen hohen Anspruch und Ehrgeiz selbst. Ich sehe es als eine große Herausforderung und Chance, die mich unheimlich anspornt und motiviert. Auf der anderen Seite weiß ich natürlich auch, was diese Mannschaft, dieser Verein, gewisse Personen erreicht haben.

Wo wir schon davon sprechen, dass andere hier viel erreicht haben: Wie läuft die Zusammenarbeit mit Ralf Kellermann zukünftig ab? Sind Sie in jeden Transfer mit eingebunden?

Wir haben einen sehr intensiven Austausch, nahezu täglich. Wir stimmen uns in vielen Bereichen ab. Auch was Kaderplanungsgespräche angeht arbeiten wir eng zusammen. Dass wir als Trainerteam so zusammenbleiben und Ralf Kellermann das Amt als Sportlicher Leiter übernimmt, war für mich eine Voraussetzung, das Amt des Cheftrainers anzunehmen.

Die Mannschaft, das Grundgerüst, bleibt zusammen, es gibt mit Katharina Baunach nur eine Neuverpflichtung. Wie zufrieden sind Sie mit dem derzeitigen Kader?


Ich bin von der Qualität des Kaders sowohl sportlich als auch menschlich überzeugt und weiß, dass das eine super Mannschaft ist. Wir vertrauen dem Kader so und es gab derzeit auch nicht das Bestreben, viel zu verändern.

Warum?

Die Mannschaft ist über die Jahre hinweg so zusammengewachsen und das empfinde ich als große Chance. Aber natürlich kann die eine oder andere Spielerin, die in unser Anforderungsprofil passt, in der Zukunft für uns interessant sein.

Wie lautet denn das Anforderungsprofil beim VfL Wolfsburg hinsichtlich neuer Spielerinnen?

Da muss man zwischen dem sportlichen und persönlichen Profil differenzieren. Zum einen spielt natürlich die Position eine Rolle, ob wir defensiv oder offensiv Verstärkung brauchen. Aber für uns ist es genauso wichtig, dass die Spielerin zu uns und unserer Philosophie passt. Die Spielerin muss gewillt sein, sich dem Konkurrenzkampf zu stellen und sich in jedem Training mit den besten Spielerinnen Europas zu messen.

Mögen Sie denn schon Saisonziele definieren?


In Wolfsburg ist der Anspruch, dass wir international vertreten sind. Das ist in der kommenden Runde wieder das Ziel. Natürlich wollen wir in allen Wettbewerben möglichst lang mitspielen. Wenn am Ende ein Titel dabei rauskommt, ist das schön. Das Ziel ist es aber erst mal, sich für die Champions League zu qualifizieren.

Der Frauenfußball wächst. Andere Teams investieren viel. das heißt, es wird gerade in der Champions League immer schwieriger …

Grundsätzlich ist es positiv, wenn international und national die Mannschaften aufrüsten und sich weiterentwickeln. Aber man muss dementsprechend auch aufpassen und darf das nicht nur zur Kenntnis nehmen. Wir alle im Verein dürfen da nicht nachlassen und müssen weiter hart arbeiten. Auch da sehe ich das eher als Ansporn und Motivation! Da macht es umso mehr Spaß, sich mit solchen Teams zu messen.

Was spricht denn dann genau für den VfL Wolfsburg und nicht für andere Teams?

Wir haben uns über Jahre hinweg in allen Bereichen gesteigert und durch akribische Arbeit sehr gute strukturelle und sportliche Bedingungen geschaffen. Das wissen auch die Spielerinnen! Das ist auch ein Punkt, warum sie sich für uns entscheiden. Hinzu kommt, dass es menschlich in unserem Team passt, wir ein tolles Team hinter dem Team haben und sich viele Spielerinnen sehr schnell in Wolfsburg wohlfühlen.

Es heißt immer, dass sich nicht viel ändern wird. Aber jeder Trainer hat seine eigene Handschrift …

Es ist schon so, dass viele Strukturen beibehalten werden. Denn vieles hat sehr gut funktioniert. Aber als Cheftrainer habe ich auch ein paar neue Ideen und Impulse, die ich zum Beispiel in den Abläufen und der Trainingsgestaltung einbringen will. Man macht eine Analyse nach der Saison und fragt sich, wo ist noch Potenzial?

Wo sehen Sie noch Potenzial beim VfL Wolfsburg?

Man kann immer noch mehr rausholen, weniger Tore kassieren und mehr Tore erzielen. Generell wird es nicht einfacher, denn die Mannschaften in der Frauen-Bundesliga halten das Niveau sehr hoch und wollen es genauso wie wir weiter verbessern. Da geht es bei uns dann eher um Details und Feinheiten.

Was fasziniert Sie an Ihrer Mannschaft?


Da gibt es mehrere Dinge. Aber es ist schon so, dass dieser Teamspirit und Siegeswille stark ausgeprägt sind. Das hat mich vom ersten Tag an sehr beeindruckt. Die Eigenmotivation ist sehr hoch und die Mannschaft kann sich aufeinander verlassen. Sie stehen auch schwierige Phasen durch, können Rückschläge verkraften und sich zurückkämpfen. Diese Mentalität ist einfach beeindruckend. Das Leistungsniveau ist sehr hoch. Diese Mischung von vielen verschiedenen Charakteren, Nationen und tollen Fußballerinnen passt einfach.


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