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Wolfsburg
09:18 09.06.2021
Friederike Franke (vorne links), Ulrike Christine Hüfl er sowie Wilhelm Wartenberg (hinten links) und Horst Werner Hüfl er vom Vorstandsteam des Kulturrings Leiferde. Foto: Bollmann

Leiferde. Kein Weihnachtsmärchen, kein Lebendiger Adventskalender, keine Oldie-Nacht: Nur vier Veranstaltungen konnte der Kulturring Leiferde e. V. im vergangenen Jahr durchführen, in diesem Jahr bisher noch gar keine. Das Corona virus übernahm im März 2020 die Regie und sorgte immer wieder für Ausfälle und viele traurige Gesichter. „Auch wenn Jammern nicht weiterhilft und wir inzwischen auch schon wieder optimistisch in die Zukunft blicken, hat die lang andauernde Pandemie-Zeit wie überall in der Kultur- und Veranstaltungsbranche auch bei uns ihre Spuren hinterlassen“, sagt Friederike Franke, die erste Vorsitzende des Kulturrings Leiferde.

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„Das Theaterstück ,Pension Schöller‘, das am 8. März 2020 im Dorfgemeinschaftshaus aufgeführt wurde, war die letzte Veranstaltung, die vor dem ersten Corona-Lockdown noch stattfinden konnte“, beschreibt Franke. Die LeifMusik im Mai 2020 sei dann ausgefallen, bevor es nach der Sommerpause mit einem Kindertheaterstück im Dorfgemeinschaftshaus weitergehen konnte. „Natürlich nur unter Ausarbeitung und Einhaltung unseres strengen Hygiene konzepts“, wie Franke betont. „Desinfektionsspender, Einbahnstraßenregelungen, Kontaktdaten-Aufnahme am Eingang und Stühle für alle mit ausreichend Abstand zueinander – wir haben uns bei dieser ,Hygienemaßnahmen-Generalprobe‘ alle viel Mühe gegeben, auch die Besucher waren sehr diszipliniert – und es hat alles wunderbar geklappt.“ Auch die LeifArt, eine der größten Kunstausstellungen in der Region, konnte im September im Foyer des örtlichen Gymnasiums stattfinden, wenn auch aufgrund der Corona-Vorgaben mit etwas weniger Ausstellern als üblich. „Um die beschränkte Besucheranzahl im Blick zu haben, haben wir damals am Eingang jedem Gast einen Kieselstein gegeben, der beim Hinausgehen wieder abgegeben werden musste. Und wenn die Kieselsteine am Eingang vergriffen waren, hieß es warten, bis jemand die Räume verlassen hat“, beschreibt die Vorsitzende eine weitere Maßnahme, die gut funktioniert hat. „Die meisten Menschen waren ja bereit, sich an alle Vorgaben und notwendige Schutzkonzepte zu halten, wenn sie nur wieder etwas außerhalb ihrer vier Wände erleben konnten“, erinnert sich Franke an die tolle Resonanz und viele begeisterte LeifArt-Besucher. Ähnliche positive Erfahrungen machte das Team des Kulturrings noch bei zwei weiteren Veranstaltungen – bevor ab dem 2. November der nächste und diesmal monatelange Lockdown das kulturelle Leben wieder vollständig zum Erliegen brachte.

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Diesem erneuten Stillstand fiel dann zunächst der Lebendige Adventskalender zum Opfer, der 2020 erstmals in Leiferde stattfinden sollte, wie auch das traditionelle Weihnachtsmärchen. Die beliebte Oldie-Nacht, die jedes Jahr im Januar Hunderte feier- und tanzwillige Menschen anlockt, musste abgesagt werden, ebenso der Theater nachmittag bei Kaffee und Kuchen im Februar, das Kindertheater im März und erneut die LeifMusik im Mai. „Das tat uns alles so leid. Hinter jeder Veranstaltung steckt eine Menge Planung, auch bei den Künstlern und deren Teams, deshalb ist jede Absage sehr traurig“, weiß Franke, die anfügt, dass Events mit nur wenigen zugelassenen Besuchern aufgrund der einzuhaltenden Mindestabstände oft sogar ein Minusgeschäft für den Veranstalter sind. „Wir vom Kulturring haben uns aber dazu entschieden, dass wir mit unserem Programm weitermachen, solange wir es dürfen“, betont Friederike Franke. „Wir wollten und wollen den arg gebeutelten Künstlern einfach jede Möglichkeit geben, aufzutreten – egal, wie viele Besucher wir einlassen dürfen, und unabhängig vom Gewinn, der am Ende bleibt. Dazu nutzen wir dann unsere Rücklagen.“

Ende März dieses Jahres verfasste Friederike Franke einen „Brandbrief“ an Björn Thümler, niedersächsischer Minister für Wissenschaft und Kultur, mit dem dringenden Appell, „den fortdauernden und unterschiedslosen Lockdown des Kulturbetriebes auf allen Ebenen so schnell wie möglich zu beenden“. Unter der Betreffzeile „Kultur ist nicht alles, aber ohne Kultur ist alles nichts. Ein Hilferuf!“ schildert sie, dass sich die Lebensfreunde und Zuversicht der Einwohner Leiferdes zunehmend verschlechtert, dass Künstler aus Perspektivlosigkeit aufgeben müssten und der Fortbestand der langjährig und mühevoll aufgebauten Kulturvereine akut gefährdet sei. Sie zählt die Hygiene- und Schutzmaßnahmen auf, mit denen der Kulturring die Sicherheit der Gäste in der Vergangenheit gewährleisten konnte und dieses auch bei künftigen Veranstaltungen zusichern kann, und fragt am Ende: „Warum lassen Sie das nicht zu?“

Der ersten Vorsitzenden liegen vor allem auch die Kinder am Herzen, allein vier Veranstaltungen pro Jahr richten sich immer an junge Menschen. „Und Kinder haben massiv unter den vielen Einschränkungen gelitten, und sie leiden immer noch“, weiß Franke. „Ich denke, es ist wichtig, unseren jungen Mitbürgern wieder etwas anbieten zu können, und dass wir dafür jetzt Wege finden. Wir wollen und würden ja alles berücksichtigen, was für die Sicherheit aller Besucher nötig ist, von der Maskenpflicht bis zum Mindestabstand – die Hauptsache ist, dass wir wieder öffnen und veranstalten dürfen“, sagt sie. (bos) 

Veranstaltungs termine:

- 18. und 19. September 2021: 25. LeifArt im Sibylla-Merian-Gymnasium

- 1. Oktober, 19 Uhr: Autorenlesung ‚Zeit der Eismonde‘ im Sibylla-Merian-Gymnasium

- 10. Oktober, 15.30 Uhr: „Familie aktiv“: Kürbisschnitzen auf dem UNSAhof

- 7. November, 17 Uhr: Akkordeonkonzert mit dem preisgekrönten Duo Kratschkowski in der St.-Viti-Kirche

- 28. November – 23. Dezember: Neu in Leiferde: ‚Lebendiger Adventskalender‘

- 5. Dezember, 15 Uhr: Weihnachtsmärchen mit dem Tamalan-Theater im Dorfgemeinschaftshaus


Der Kulturring Leiferde ...

- … wurde 1991 von kulturell interessierten Bürgern gegründet, um den Einwohnern von Leiferde und Umgebung ein vielfältiges und attraktives Kulturprogramm anzubieten

- … hat inzwischen etwa 100 Mitglieder

- … richtet in der Regel etwa zehn Veranstaltungen pro Jahr aus, hat also bereits mehr als 250 Konzerte, Ausstellungen, Theaternachmittage, Familien-Aktionen und diverse kulturelle Angebote auf die Beine gestellt

- … zeichnet verantwortlich für die Erstellung der Skulptur zur Wohlenberg-Sage, die jetzt die Ortsmitte der Gemeinde Leiferde ziert

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