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Home Sonderthemen Sonstiges Leben nach dem Einbruch: „Mein Urvertrauen hat gelitten“
09:01 19.11.2018
Schlimmes Gefühl: Einbruchsopfer haben oft noch lange Zeit nach der Tat an den Folgen zu leiden. FOTOS: ARCHIV

Von Christina Rudert

PAPENTEICH. Je länger sie erzählt, um so präsenter wird ihr diese Nacht vor einigen Jahren wieder. Einbrecher waren bei ihr im Haus, während sie, ihr Mann und ihre Schwiegermutter darin schliefen. „Die Schwiegermutter hat ein richtiges Trauma davongetragen“, berichtet Marion T. aus dem Papenteich. „Auch wenn sie nie darüber geredet hat, war sie danach anders.“ Und ihr eigenes Sicherheitsbedürfnis ist größer geworden.

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Das Fenster des Zimmers genau unter ihrem Schlafzimmer auf der Rückseite des Doppelhauses war aufgehebelt worden, die Einbrecher – „die Polizei hat gesagt, es müssen mehrere gewesen sein“ – waren durch den Keller ins vordere Haus geschlichen und hatten auf dem Weg dahin sämtliche Haus- und Terrassentüren weit aufgesperrt. „Wohl, um sich Fluchtwege offen zu halten“, mutmaßt Marion T. Zum Schluss waren sie ins Schlafzimmer der Schwiegermutter getappt. Als der der Strahl der Taschenlampe ins Gesicht schien, wurde sie wach. „Wer ist denn da?“, hatte sie gefragt – und damit vermutlich die Einbrecher vertrieben. Schlaftrunken war sie zu ihren Kindern getappt. „Hier stimmt was nicht. Mit diesen Worten hat sie uns geweckt“, erinnert sich Marion T. und ist heilfroh, „dass niemand von uns im Haus einem der Einbrecher begegnet ist“.


Das Gefühl ist fast am schlimmsten für mich: zu wissen, dass uns jemand über einen längeren Zeitraum beobachtet hat.

Marion T. Einbruchsopfer


Ihre Handtasche, die offen in der Küche lag, war ausgeschüttet und das Portmonee geleert worden. „Zum Glück haben sie meine Papiere nicht angefasst – die wollten nur Bargeld.“ Viel empfindlicher seien sie geworden, würden bei jedem Geräusch sofort wach. Und jedes Mal, wenn sie und ihr Mann das Haus verlassen, machen sie einen Rundgang, um sich zu vergewissern, dass auch wirklich kein Fenster mehr offen ist.

„Wir sind ja noch gut davon gekommen“: Dieser Satz fällt im Gespräch einige Male. „Es gab keinen Vandalismus im Haus, es ist außer etwas Bargeld nichts gestohlen worden.“ Fast klingt es, als wollte das Einbruchopfer sich selbst gut zureden. Dann eine kurze Pause. „Aber mein Urvertrauen in die Menschen hat gelitten“, stellt Marion T. leise fest. Denn die Polizei ging davon aus, dass die Täter das Haus über einen längeren Zeitraum ausspioniert hatten. „Das Gefühl ist fast am schlimmsten für mich: zu wissen, dass uns jemand über einen längeren Zeitraum beobachtet hat.“


Nicht nur, aber auch für Opfer von Einbrüchen ist der Weiße Ring Ansprechpartner. Birgit Krämer, Leiterin der Außenstelle Gifhorn der ehrenamtlichen Institution, formuliert es so: „Wir sind Lotsen im Hilfesystem.“ In einem ersten Gespräch klären die Mitarbeiter des Weißen Rings den Hilfebedarf. „Manchmal reicht es, einfach nur zuzuhören, manchmal braucht jemand Hilfe bei der Suche nach einer neuen Wohnung, weil er sich dort, wo er Opfer eines Einbruchs geworden ist, nicht mehr sicher fühlt.“ Eigene Psychologen beschäftigt der Weiße Ring nicht, „wir vermitteln aber psychologische Hilfe – wir leisten Hilfe zur Selbsthilfe.“ Ihr Tipp ist in jedem Fall, dass das Opfer sich einmal anwaltlich beraten lässt rund um die von ihm erlittenen Taten, die strafrechtlich relevant sind. „Wir bieten im Bedarfsfall einen Rechtsberatungsscheck an.“ Das passiert nicht automatisch, niemand hat einen Anspruch darauf, der Weiße Ring entscheidet das im Einzelfall. Birgit Krämer und ihre ehrenamtlichen Mitstreiter sind unter der Telefonnummer 0151- 55164654 erreichbar, sämtliche Kontaktinformationen sind unter https://gifhornniedersachsen.weisser-ring.de abrufbar. tru

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