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Home Sonderthemen Neues aus Wolfsburg und Umgebung Gerne elektrisch unterwegs
01:00 25.03.2020
© Martin Guss privat (6)

Das Treffen findet in einem Café im Wolfsburger Stadtkern statt. Martin Guss, Anfang 50, graue Haare, Vollbart, ist mit seinem Elektromobil angereist: ein weißer Renault Zoe, dem man die Antriebsart auf den ersten Blick nicht ansieht. Der gebürtige Wiener, der seit fünf Jahren in Wolfsburg lebt, hat schon lange eine Schwäche fürs Elektrische und ist auch entsprechend ausgebildet. Er arbeitet in der Bahntechnikbranche – und seit Kurzem auch als Autor. Sein Erstling „Das E-Dilemma“ erschien kürzlich im Buchhandel.

Der Wahl-Wolfsburger beschreibt darin faktenreich, aber auch gespickt mit Anekdoten und oft mit einem Augenzwinkern, wo Elektroautos heute punkten können, welche Kritik berechtigt ist und wo die Ansprüche an die Elektromobilität womöglich überzogen sind. „Von der Öffentlichkeit wird oft gefordert, dass das E-Auto die Lösung für alles ist, nach dem Motto: ganz oder gar nicht“, sagt er. Zum Beispiel wird verlangt, dass der Strom für das Elektromobil zu 100 Prozent aus regenerativen Quellen stammt. „Dabei ist das E-Auto auch mit dem aktuellen Strommix klimafreundlicher als ein Auto mit Verbrennungsmotor und grundsätzlich effizienter, denn man kann zum Beispiel beim Bremsen Energie wieder zurückgewinnen.“

In Sachen Ressourcen, Materialien und Kosten ist der Rechtfertigungsdruck für das Elektroauto offenbar ebenfalls ungleich größer. Martin Guss nimmt diese Punkte in seinem Buch einmal ganz genau unter die Lupe. Sein Fazit: Das Elektroauto ist zwar keine perfekte, doch schon jetzt sehr gute Möglichkeit, klimaschädliches Kohlendioxid einzusparen. Moralisieren wolle er aber nicht, sagt er. „Ein Elektroauto zu fahren macht einen nicht zu einem besseren Menschen. Es muss schon zur Lebenssituation passen.“

Guss selber schaffte sich vor fünf Jahren sein erstes elektrisches Fahrzeug an. „Aus Spaß, um es einfach mal auszuprobieren“, erzählt er. Das Auto hatte zwei Sitze, keine Heizung und eine Reichweite von 70 Kilometern. „Das war natürlich eher was für Abenteurer“, räumt er ein. Zumal es damals wesentlich weniger Lademöglichkeiten gegeben habe als heute. Auch die Technologie hat seither Fortschritte gemacht. Mit seinem aktuellen Gefährt, ein Fünfsitzer mit Heizung und durchschnittlich 270 Kilometer Reichweite, ist er sehr zufrieden. „Damit ist eigentlich alles möglich“, sagt er. In der Stadt und der Region sowieso, auf längeren Strecken sollten aber Pausen fürs Laden eingeplant werden. Die Pausen nutze er, um zu arbeiten, zu lesen – oder eben um ein Buch zu schreiben, erzählt er. Das Hauptmotto laute: Laden, wenn man kann, und nicht erst, wenn man muss.


Auch in seiner Freizeit ist das Elektroauto oft ein Thema. Vor einigen Jahren hat er gemeinsam mit einem Bekannten einen Stammtisch gegründet, für alle, die elektrisch unterwegs sind oder sich für E-Autos interessieren. Und Guss reist gerne mit seinem Elektromobil durch Europa, war unter anderem in Schweden, Polen und in Österreich unterwegs. Wenn er seine Heimatstadt Wien ansteuert, muss er auf der kürzesten Route und je nach Jahreszeit zwei- bis dreimal tanken. Das Laden dauert circa 90 Minuten. „Mit der aktuellen Generation, die eine Reichweite von 390 Kilometern hat und mit Gleichstrom betankt werden kann, ginge es natürlich deutlich schneller“, sagt er. Der aktuelle Rhythmus – drei Stunden fahren und anderthalb Stunden Pause – komme ihm aber sehr zupass. „Es dauert länger, aber man hat weniger Stress und kommt erholt an.“ Gleichwohl sei ihm klar, dass nicht jeder die Zeit habe. „Es ist halt nicht für jeden etwas, aber es wäre ja schon vieles besser, wenn 50 oder 60 Prozent der Leute elektrisch fahren würden.“ (aho)

Alles zum Buch und weitere Publikationen von Martin Guss: https://martinguss.de.

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