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Home Sonderthemen Sonstiges Mit Sicherheit durchs Leben
09:19 16.11.2018
RND-ILLUSTRATION: PATAN

Von Stefan Winter

Er steht meist in der hintersten Ecke – dort, wo man ihn nicht allzu oft sieht: der Aktenordner mit den Versicherungen. Über die Jahre schwillt er an, weil alles abgeheftet wird, was so mit der Post kommt. Gelesen wird es seltener, aber nicht weggeworfen – sicher ist sicher. Inzwischen versprechen Apps für das Smartphone Ordnung im Dschungel, aber am Ende sind sie auch nur digitale Aktenordner.

Und die mühsame Entscheidung nehmen sie uns nicht ab: Wann im Leben braucht man welche Versicherung? Gibt es plötzlich Lücken, weil sich das Leben geändert hat? Oder hat sich die eine oder andere inzwischen erledigt? Die Kaskoversicherung vielleicht, weil das Auto alt geworden ist? Knapp 2400 Euro gibt der Bundesbürger jährlich im Schnitt für Versicherungen aus. Der Posten in der Haushaltsrechnung ist also ein wenig Aufmerksamkeit wert. Experten empfehlen, wenigstens alle drei Jahre einen prüfenden Blick in den ungeliebten Ordner zu werfen – und die Versicherungen dem Bedarf des jeweiligen Lebensabschnitts anzupassen.

- Kinder: Das Kind ist kaum auf der Welt, da kommen oft schon die ersten Versicherungsangebote für den Nachwuchs ins Haus. Den besorgten Eltern bleibt nichts anderes übrig als eine sorgfältige Prüfung, denn manches ist völlig überflüssig, aber eben nicht alles. Skeptisch darf man bei Versicherungen sein, die eigentlich Sparpläne sind – Ausbildungs- oder Lebensversicherung etwa. Sie sichern kein Risiko ab, sondern sollen ein Geldpolster für später aufschichten. Doch das geht mit reinen Geldanlageprodukten wie Fondssparplänen flexibler und meist auch rentabler. Pflicht ist dagegen die Krankenversicherung. In der gesetzlichen Krankenversicherung laufen die Kinder beitragsfrei über die Eltern mit, bei der privaten kosten sie extra. Empfehlenswert sind Haftpflicht- und Unfallversicherung, wobei der Knirps auch in eine vorhandene Police aufgenommen werden kann. Das geschieht aber nicht automatisch. Daneben gibt es auch spezielle Unfall- und Krankenzusatzversicherungen für Kinder. 


88 Millionen Verträge für Lebensversicherungen gibt es nach Zählung des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) derzeit in Deutschland.


- Ausbildung: Nach der Schule sind ein paar Policen zu prüfen. Ist der Nachwuchs weiterhin in der Haftpflichtversicherung der Eltern geschützt? Wird wirklich noch jede einst für das Kind abgeschlossene Police gebraucht? Muss man irgendwo den Schutzumfang erweitern? Mit Ausbildungsbeginn müssen sich junge Leute selbst krankenversichern und die Bescheinigung bei der Hochschule oder dem Arbeitgeber vorlegen. Jetzt ist es auch Zeit für eine Berufsoder Erwerbsunfähigkeitsversicherung. Der gesetzliche Schutz vor diesem Risiko ist mager, und je früher sie abgeschlossen wird, desto billiger ist es. Die Unfallversicherung ist dann vielleicht nicht mehr nötig. Wer zu Hause auszieht, kann über eine eigene Hausratversicherung nachdenken – zum Beispiel auch für das Fahrrad oder das Reisegepäck.

Und der Dreh- und Angelpunkt des jugendlichen Lebens, das Smartphone? Beim Kauf wird die entsprechende Versicherung gleich mitempfohlen, aber die Stiftung Warentest hat in den Angeboten eine Menge Schwachstellen gefunden. So sei der Schutz bei den billigen Tarifen lückenhaft, umfangreichere Policen können jedoch schnell einige Hundert Euro kosten. Eins ist allen gemein: Ersetzt wird nur der Zeitwert, und der schmilzt bei Handys schnell. Die Idee, das gute Stück nach zwei Jahren mal eben zum „Versicherungsfall“ zu machen, ist also schon deshalb schlecht. „Eine Police ist nicht nötig“, lautet das Fazit der Warentester.

- Familie: Kommen Kinder, sind im Leben und in der Versicherung schon viele Weichen gestellt. Der Nachwuchs ist aber ein guter Anlass, die eigene Absicherung noch einmal unter die Lupe zu nehmen. Denn grundsätzlich gilt: Die beste Versicherung für die Kinder sind abgesicherte Eltern. „Unverzichtbar sind für Eltern die Privathaftpflichtversicherung, eine Berufsunfähigkeits- sowie eine Risikolebensversicherung“, sagt Bianca Boss vom Bund der Versicherten.

Die Risikolebensversicherung ist relativ günstig, weil sie nur im Todesfall zahlt. Dagegen verbindet die kapitalbildende Lebensversicherung diesen Schutz mit dem Sparen für das Alter. Die klassischen Tarife mit Garantiezins spielen im Neugeschäft praktisch keine Rolle mehr. Das Kundengeld musste dort extrem vorsichtig angelegt werden und bringt beim seit Jahren herrschenden Nullzins praktisch keine Rendite. In neuen Tarifen gibt es eine Garantie für die eingezahlten Beiträge, aber nicht für ihre Verzinsung. Hier können die Versicherer das Geld mit etwas mehr Risiko und entsprechend größeren Chancen anlegen. Aber Wunder vollbringen auch sie nicht, Gebühren und Provisionen können den Ertrag empfindlich mindern. Eine reine Risikolebensversicherung und, getrennt davon, eine eigene Geldanlage können die günstigere Lösung sein.

Es ist auch der Lebensabschnitt, in dem man über die bis dahin ignorierte Krankenzusatzversicherung nachdenkt. Sie ist stark von individuellen Vorstellungen und Möglichkeiten abhängig, grundsätzlich gilt: Mit dem Alter steigt das Gesundheitsrisiko und damit auch der Preis. Für Reisende in jedem Fall sinnvoll ist eine Auslandsreisekrankenversicherung.


"Unverzichtbar sind für Eltern die Privathaftpflichtversicherung, eine Berufsunfähigkeits- sowie eine Risikolebensversicherung."

Bianca Boss, Bund der Versicherten


- Trennung: Ja, auch jetzt hat man, wie eigentlich immer, anderes im Kopf als den Versicherungsordner. Trotzdem muss man sich über ihn wohl genauso streiten wie über den Rest des Hausstands. Besondere Aufmerksamkeit brauchen dann Kapitallebensversicherungen. Wird eine Ehe ohne Gütertrennung oder Ehevertrag geschieden, fallen sie unter den Zugewinnausgleich und können Unterhaltsansprüche beeinflussen. Gewinne, die ein Partner durch die Kapitalanlage erzielt, stehen auch dem anderen zu. Oft wird man auch den Begünstigten einer Police ändern wollen – was nicht immer möglich ist. Es gibt auch Verträge mit unwiderruflicher Begünstigung.

Die vorzeitige Kündigung einer Lebensversicherung ist in den seltensten Fällen sinnvoll – unabhängig vom Anlass. Denn alte Verträge bieten oft ordentliche Renditen, während die Rückkaufswerte niedrig sind. Eine Alternative kann der Verkauf der Lebensversicherung sein, aber Verbraucherschützer warnen: Die Anbieter solcher Geschäfte haben sehr unterschiedliche Konditionen, und nicht alle sind seriös.

- Ruhestand: Der Versicherungsordner ist prall gefüllt mit Policen, Leistungs- und Beitragsanpassungen – und sicher wird nicht mehr alles gebraucht. Die in den Verträgen mitbedachten Kinder versorgen sich selbst, die Berufsunfähigkeitsversicherung läuft ohnehin aus, vielleicht muss nicht mehr ganz so viel Hausrat versichert werden. Kurz vor Ende des Arbeitslebens kann eine Einmalzahlung in die Rentenversicherung – aus Erspartem oder einer Abfindung – die Versorgung verbessern.

In dieser Phase denken Menschen oft auch über Sterbegeldversicherungen nach. Es ist der eigentlich löbliche Impuls, den Hinterbliebenen später einige Tausend Euro Bestattungskosten zu ersparen. Doch sie wären oft besser bedient, wenn die Beiträge einfach als Geldanlage angespart und ihnen vererbt würden. Vor allem Menschen, die beim Abschluss einer Sterbegeldversicherung älter als 65 Jahre sind, zahlten in der Regel sogar drauf, hat die Stiftung Warentest ermittelt. Verwaltungskosten und der Aufwand für den Risikoschutz machen die Versicherung zu einer schlechten Geldanlage. Dafür ist allerdings das Geld garantiert da, wenn der Fall der Fälle eintritt.

Ein Drittel der Sturmschäden betrifft Autos. Foto: dpa
Ein Drittel der Sturmschäden betrifft Autos. Foto: dpa

Die gemäßigten Breiten sind nicht so harmlos, wie der Begriff klingt. Im vergangenen Jahr haben Naturgewalten in Deutschland Versicherungsschäden von 2,9 Milliarden Euro verursacht. Damit war 2017 sogar ein vergleichsweise günstiges Jahr. Der Durchschnitt seit 2000 liegt bei 3,5 Milliarden Euro, wie der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) in Berlin errechnet hat.

Sturm und Hagel verursachten rund 90 Prozent der Schäden. Für die restlichen 300 Millionen Euro seien Starkregen und Hochwasser verantwortlich gewesen. Ein Drittel der Schäden entstand an Kraftfahrzeugen.

Immobilienbesitzer haben in der Regel eine Wohngebäudeversicherung. So sind nach GDV-Angaben 93 Prozent der Hausbesitzer gegen Sturm- und Hagelschäden versichert, die entweder der Gebäudeoder der Hausratversicherung zuzuordnen sind.

Für Elementarschäden wie Überschwemmung oder Schneedruck ist meist eine eigene Versicherung nötig. Diese Elementarschadenversicherung ist umso teurer, je höher die Risiken in der jeweiligen Region eingeschätzt werden.

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