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Home Sonderthemen Sonstiges Musik: Ein Leben mit Grossfamilie und nach Takt und Noten
20:19 17.07.2017

Eigentlich wollte er mal Landschaftsarchitekt werden, Parks und Gärten gestalten, im Einklang mit der Natur leben und arbeiten. Dafür erlernte er sogar unmittelbar nach seinem Abitur am Ratsgymnasium bei Baltin-Stauden Ehmen den Beruf des Gärtners. Seine Gitarre und die Musik sollten Hobby bleiben. Doch dann kam alles ganz anders. Seit 2005 ist Andreas Meyer, Jahrgang 1963, verheiratet, Vater von sechs Kindern, Leiter der Musikschule der Stadt Wolfsburg. Mit 2500 Schülerinnen und Schülern sowie 58 Lehrkräften in drei Zweigstellen gehört die Einrichtung, die in diesem Jahr ihr 50-jähriges Jubiläum feiert, mittlerweile zu den größten Musikschulen Norddeutschlands. Und Andreas Meyer, in dem noch immer das Herz eines Gärtners schlägt, vergleicht „seine“ Musikschule nur zu gern mit „einem Biotop, das mitunter im Verborgenen blüht, wächst, gedeiht, aber auch reiche Früchte trägt und in Form von Ensembles, Bands, Chören, Solisten und Orchestern immer mehr für Aufsehen sorgt und tolle, zukunftsträchtige musikalische Ableger hervorbringt.“ Er selbst ist einer davon und führt heute ein buntes Leben mit Großfamilie und nach Takt und Noten.


„Gitarre liegt mir.“


Nach den ersten Flötentönen hat Andreas Meyer 1976 mit 13 Jahren angefangen, Gitarre zu lernen – natürlich an der Musikschule der Stadt Wolfsburg, wo sonst?! Er erzählt: „Ich merkte schnell: Gitarre liegt mir. Stundenlang konnte ich Akkorde spielen, singen und dabei die Welt vergessen. Doch Annelie Pawel, meine Gitarrenlehrerin, wollte mehr erreichen. Bei ihr lernte ich das klassische Gitarrenspiel von der Pike auf. Sie legte Wert auf gute Handhaltung, saubere Töne, hat mich aber auch improvisieren lassen und mein Potenzial erkannt.“ So marschierte Andreas Meyer bald schon bis zu viermal wöchentlich in die Musikschule – zum Gitarren-Spielkreis, zur Folk-Gruppe, zum Theorie- oder zum Einzelunterricht. „Und dann gab es auch noch eine Combo, unsere sogenannte ‚Müllband’, in der wir um die Wette jazzten“, schmunzelt er.


Es war nur eine Frage der Zeit, bis ihn Ensembleleiter Günter Pawel auch noch für den E-Bass im Blasorchester anheuerte, der damit sein zweites Instrument wurde. Und dann bekam Andreas Meyer von seinem Onkel sogar einen alten Kontrabass geschenkt – perfekt! „Als Duo – meine Schwester mit der Flöte und ich mit Gitarre – haben wir auf vielen Familienfeiern die Gäste begeistert. Doch um die Musik zum Beruf zu machen, fand ich mich lange nicht gut genug. Erst ein Arbeitsunfall am Ende meiner Lehrzeit ließ mich umdenken. Beide Füße gebrochen, saß ich für zwei Monate im Rollstuhl. Diese Zeit nutzte ich intensiv, mich doch noch für das Aufnahmeverfahren an der Musikhochschule vorzubereiten. Ich bestand die Prüfung und studierte von 1985 bis 1989 an der Staatlichen Musikschule für Musik in Freiburg. Thema meiner abschließenden Diplomarbeit war kein Geringerer als Astor Piazzolla und der Argentinische Tango!“

Vom Gärtner zum Musikschulleiter


In ruhigen Stunden greift Andreas Meyer gern zu einem guten Buch.
In ruhigen Stunden greift Andreas Meyer gern zu einem guten Buch.

Nach dem Studium zog es Andreas Meyer zurück nach Norddeutschland. Von 1990 bis 1993 arbeitete er als Musikpädagoge am Landeszentrum für Blinde in Neustadt und an zwei Wochentagen an der Musikschule Wolfsburg. „Dafür hatte Günter Pawel wiederum gesorgt … Und als 1993 ein Nachfolger für die Leitung der Musikschule Fallersleben gesucht wurde, die 2002 als Zweigstelle in die Musikschule Wolfsburg integriert wurde, hatte ich allen Grund zur Freude, dass die Wahl auf mich gefallen war“, erklärt Meyer. Drei Jahre später durfte er schließlich nach Verabschiedung von Jochen Beck die Gesamtleitung der Musikschule übernehmen. Mit Ehefrau Frauke, die als Förderschullehrerin arbeitet, und den Kindern bewohnt Andreas Meyer den großen, hinteren Teil seines Elternhauses, den er zu einem gemütlichen und modernen Heim ausgebaut hat. Drei Generationen unter einem Dach – Meyer liebt diese Verbundenheit, das Miteinander, den besonderen Zusammenhalt. In der Familie genauso wie in der Musikschule Wolfsburg, in der die jüngsten Schülerinnen und Schüler gerade mal zwei Jahre alt sind und die ältesten 85 Lenze zählen!

Andreas Meyer mit Sohn Milan (links) und in der Formation Tremozioni.
Andreas Meyer mit Sohn Milan (links) und in der Formation Tremozioni.

Das Wichtigste: Musik macht Spaß! Andreas Meyer erzählt: „Meine Kinder haben alle ein Instrument gespielt. Benedikt (23), der Älteste, Klavier. Marike (20) Geige, Jonathan (18) Gitarre, Elian (16) Schlagzeug, und Arjan (14) fängt mit Gitarre an. Doch irgendwann entwickelten sie eigene Interessen. Anders bei Milan (11), unserem Jüngsten. Er spielt Blockflöte und nimmt nun an der Musikschule auch begeistert Klavierunterricht. Ich glaube, er ist ein kleines Naturtalent und kann beim Spielen glatt die Zeit vergessen. Genau wie ich früher. Das Schönste: Wir spielen oft zusammen – mit Klavier und Kontrabass.“

Im Duo Emotion auf der Bühne


Und weil Musik überhaupt zusammen mit anderen noch viel mehr Spaß macht als allein im stillen Kämmerlein, lässt es sich der Musikschulleiter auch nicht nehmen, neben seinem Job zum Beispiel mit seinem Kollegen und Stellvertreter Matthias Klingebiel – „ein toller Lehrer für Oboe und ein ebenso guter Gitarrist, Bassist und Arrangeur“ – als Duo Emotion zu verschiedensten Anlässen in der Stadt und Region auf der Bühne zu stehen. Ob Neuland-Jubiläum, Gottesdienst in der Diakonie oder Jahresempfang der Dehoga – mit einem breit aufgestellten Repertoire von Klassik, bearbeiteten Filmmusiken und eigenen Stücken ist das Duo Emotion in jedem Falle ein Garant für musikalische Unterhaltung vom Feinsten. Oder zu dritt mit italienischer Musik und Sänger Claudio Calandra als Tremozioni.

Internationales JugendOrchesterCamp



Gern entwickeln die beiden führenden Köpfe der Musikschule der Stadt Wolfsburg zusammen mit dem Lehrerteam und dem Förderverein auch immer wieder Projekte, mit denen sich die Musikschule der Stadt Wolfsburg eindrucksvoll präsentieren kann. Andreas Meyer verrät: „Digitalisierung ist für uns bereits ein großes und spannendes Thema und wird gewiss auch die Musikschule verändern. Doch jetzt bereiten wir erst einmal anlässlich des 50-jährigen Bestehens der Musikschule ein Internationales JugendOrchesterCamp vor, an dem sich circa 50 junge Musikerinnen und Musiker vom 30. Juli bis zum 6. August aus unseren Partnerstädten Toyohashi, Togliatti, Bielsko-Biała, Pesaro-Urbino und Marignane und natürlich die etwa 30 Mitglieder unseres Musikschulorchesters beteiligen.“

Ein Leben ohne Musik – für Andreas Meyer nicht denkbar!
Ein Leben ohne Musik – für Andreas Meyer nicht denkbar!

Durchgeführt wird das besondere Jubiläumsprojekt zusammen mit dem Referat Internationale Beziehungen/Repräsentation der Stadt, unterstützt natürlich vom Musikschul-Förderverein, aber auch von ortsansässigen Stiftungen und Vereinen. Höhepunkt soll ein exzellentes Abschlusskonzert am Abend des 4. August im Theater der Stadt Wolfsburg unter Leitung von Hans Ulrich Kolf sein. „Unser Orchesterdirigent, zugleich auch Leiter des Philharmonic Volkswagen Orchestra, wird also mit den insgesamt 80 Nachwuchsmusikerinnen und -musikern ein eineinhalbstündiges Programm mit anspruchsvollen Arrangements international bekannter Filmmusiken erarbeiten und zur Aufführung bringen“, so Meyer, der sich schon heute auf das Highlight freut.

Kein Highlight, aber dennoch immer Grund zur Freude sind für den Vollblutmusiker Andreas Meyer indessen auch jene Stunden, in denen er sich mal ganz und gar zurückziehen kann: zum Beispiel mit einem guten Buch wie „Der Mann ohne Eigenschaften“ von Robert Musil oder beim Restaurieren schöner alter Möbelstücke in seiner Werkstatt, gleich am Haus. Mit Hobel- und Schleifmaschine beweist er nämlich mindestens ein ebenso goldenes Händchen wie an der Gitarre oder am Kontrabass.   (bc)

„Familienoberhaupt“ Andreas Meyer: Musiker, Vater, Kumpel und Handwerker.
„Familienoberhaupt“ Andreas Meyer: Musiker, Vater, Kumpel und Handwerker.

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