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Home Sonderthemen Feste/Veranstaltungen Nicht immer eine Traumschiff-Romantik
09:40 04.01.2019
Egal, an welchem Fleck der Erde – bei Hapag-Lloyd bleibt die Crew nicht ohne Baum. Fotos: © Nordmann Info Zentrum

Ist es eine selbstverständliche Besonderheit oder eine besondere Selbstverständlichkeit – der Aufwand, den deutsche Reedereien alljährlich auf Weihnachten zu für ihre Schiffsbesatzungen treiben? Die Seeleute sollen auf ihren Schiffen angemessen Weihnachten feiern können. Und dazu gehören natürlich auch Weihnachtsbäume. Bei der Hapag-Lloyd AG beispielsweise ist es seit ihrer Gründung Mitte des 19. Jahrhunderts guter Brauch, dass sämtliche Schiffe der großen Handelsflotte zu Weihnachten mit Christbäumen ausgestattet werden.


Die logistische Leistung, die dafür notwendig ist, scheint beträchtlich. Die Schiffe der Reederei sind auf allen Weltmeeren unterwegs und legen unter Umständen Monate lang nicht in einem deutschen oder nordeuropäischen Hafen an. Deshalb beginnt die Aktion Weihnachtsbaum jeweils schon im frühen Herbst. Jedes Schiff, das ab Oktober zum letzten Mal vor Weihnachten beispielsweise im Hamburger Hafen festmacht, bekommt seine Weihnachtsbäume an Bord. Dabei gibt es nicht einen pro Schiff, sondern für jede Messe (das sind die Speise- und Aufenthaltsräume für die Besatzungen) an Bord einen. Und damit diese Bäume auch bis Weihnachten durchhalten, werden sie quasi als Topfpflanzen angeliefert, mit Erd- und Wurzelballen. Schließlich soll er auch grün bleiben – der Christbaum.

Der Weihnachtsbaum an Bord hat eine lange Tradition.
Der Weihnachtsbaum an Bord hat eine lange Tradition.

Stets zur richtigen Zeit

Nun ist das aber nur ein Teil der eigentlichen logistischen Leistung, die die Reederei alljährlich für Weihnachten vollbringt. Wie viel Weihnachtsbäume müssen zu welchem Zeitpunkt in welchem Hafen zur Verfügung stehen? Unter der Flagge von Hapag-Lloyd fahren nämlich auch Schiffe, die nie – oder fast nie – europäische Häfen anlaufen. Das sind die Containerfrachter, die im Trans-Pacific-Dienst fahren. Diese Schiffe werden nicht einfach ausgelassen oder gar vergessen – keineswegs. Damit auch sie ihren Weihnachtsbaum an Bord bekommen, werden sie ihnen per Transfer von anderen Schiffen der Reederei, die beispielsweise aus Hamburg kommen und im Pazifik ihren Weg kreuzen, mitgebracht. Das ist der schwierigste Teil der Weihnachtsbaum-Logistik. Welches Hapag- Lloyd-Schiff trifft wann und wo auf einen Reederei-Kollegen des Trans-Pacific-Dienstes?

Schmuck nach Geschmack

Doch trotz des enormen logistischen Aufwands klappt die Belieferung mit Weihnachtsbäumen bei manchen Frachtern einfach nicht. Sie treffen im vorweihnachtlichen Quartal keinen Kollegen aus der Heimat, der ihnen das traditionelle Weihnachtsgrün mitbringen könnte. Trotzdem müssen die Besatzungen dieser Schiffe nicht auf ihren Weihnachtsbaum verzichten. Ihre Kapitäne sind von der Reederei angewiesen, an der amerikanischen oder kanadischen Westküste Bäume für ihre Schiffe zu kaufen. Schmücken dürfen die Mannschaften ihre Bäume dann allerdings selbst, sogar nach eigenem Gusto. Auch das Festtagsmenü wird an Bord in Absprache zwischen Kombüse und Besatzung festgelegt. Das war durchaus nicht immer so: in früheren Zeiten war das Weihnachtsmenü zentral für alle Schiffe von der Reederei vorgeschrieben. Zumindest diese Mühe sparen sie sich heute allerdings. (Nordmann Info Zentrum)

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