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Wolfsburg
15:33 15.09.2021
Foto: privat

Peter Matzat malt großformatige Acrylbilder. Sein wichtigstes Arbeitsgerät kauft er aber nicht im Künstlerbedarfshandel, sondern im nächsten Baumarkt: Der Gifhorner malt mit Farbrollen. Ganz normale Rollen, mit der Fenster, Türen oder Wände gestrichen werden.

Zu der ungewöhnlichen Maltechnik ist Matzat durch Zufall gekommen. Schon seit Mitte der 1980er-Jahre malte er in Öl und Aquarell, wechselte 1990 dann zur Acrylmalerei. Er arbeitete gerade an einem seiner großen Acrylbilder, als ihm ein breiter Pinsel fehlte, um den Hintergrund gleichmäßig zu gestalten. Also griff Matzat zur Malerrolle. „Eigentlich wollte ich damit eine Tür streichen“, erzählt er. „Ich entdeckte sofort, dass ich mit der Rolle super Übergänge hinbekam, und mir gefiel auch der Farbauftrag sofort.“

„Ich brauche den Gegenstand.“

Es folgte eine lange Phase des Ausprobierens. Matzat malt gegenständlich. Bei abstrakteren Themen lande er irgendwann in der Sackgasse, sagt er. Aber gegenständliche Motive brauchen Konturen, eine eindeutige Form. Freihändig mit der Rolle zu malen, wie es der Künstler zunächst versuchte, ließ ihn schnell an eine Grenze stoßen. „Feine Details gehen nicht“, sagt Matzat. Für klare Übergänge zwischen den Bildbereichen klebt er die Flächen inzwischen feinsäuberlich ab – eine ungeliebte Arbeit, aber nötig, wie er zugibt.

Der Gifhorner experimentierte mit unterschiedlicher Druckstärke, um deckende oder lasierende Flächen zu erschaffen. „Die Rolle muss locker in der Hand liegen, und es darf weder zu viel noch zu wenig Farbe drauf sein“, erklärt der Künstler. Für bestimmte Texturen, etwa an Baumstämmen oder im Laubwerk, nutzt er Rollen mit verschiedenen Bezügen und Oberflächen.

Filzstift übernimmt Vorreiterrolle

Bevor Matzat mit einem seiner Rollenbilder beginnt, fertigt er mit ähnlicher Akribie kleine Filzstiftskizzen in seinen Skizzenbüchern an. Auf diese Weise testet er Farbwirkungen und Kompositionen aus. Auch Aquarellskizzen setzt er in der Vorplanung ein. Danach überträgt er seine Vorzeichnung mit Bleistift auf Leinwand und klebt die Flächen sorgfältig ab, bevor die erste Farbrolle zum Einsatz kommt.

Reizvolle Motive für die Rolle

Komplexe Motive vereinfacht Matzat. Nicht alle Details muss er in seinen Bildern auch zeigen. Auch wenn er zwischenzeitlich mal gedacht hat, die Rollenmalerei sei ausgereizt, fand er immer wieder neue Motive und Ansätze, die ihn reizten. Neben den Frauenköpfen und Landschaftsdarstellungen haben es ihm vor allem Leuchttürme angetan. Sei es die „Dicke Berta“ von Cuxhaven oder der Leuchtturm auf Hiddensee: Erkennbar, wenn auch leicht vereinfacht, zieren sie farbenfroh viele seiner Werke. Die klaren Farbfelder, die in der Rollenmalerei ohnehin schon dominieren, nimmt Matzat in aktuelleren Werken noch weiter auseinander, ordnet sie neu an und verfremdet seine Motive auf diese Weise stärker. Es entstehen andere Betonungen und Hervorhebungen.

Arbeiten werden grafischer

Trotz der Tendenz, die Farbflächen stärker aufzubrechen und neu zu ordnen, ist seine Handschrift immer klar erkennbar. „Der Wiedererkennungswert ist mir wichtig, danach habe ich lange gesucht“, sagt Matzat dazu. Interesse weckte Matzat mit seinem ungewöhnlichen Stil auch bei der ROM-Art Galerie aus Braunschweig, durch die er seit 1997 vertreten wird. Eine ganze Reihe von Ausstellungen und Beteiligungen in der weiteren Region organsierte die Galerie schon für den Künstler.

Während der Pandemie wurde es auch für Matzat ruhiger. Ende 2019 fand seine letzte Ausstellung statt, eine für 2020 geplante wurde verschoben. Umso schöner war es für den Künstler, dass er Anfang dieses Jahres wieder zwei großformatige Leuchtturm-Bilder als Auftragsarbeiten ausführen durfte. „Eine schöne Bestätigung“, sagt Matzat. (MZ)

Das Portfolio von Peter Matzat ist unter www.rollenmalerei-matzat.de zu sehen.

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