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Home Sonderthemen Sport/Vereinsleben Sendungsbewusstsein
06:50 17.01.2019

Dass sich die Stimme auch schon mal überschlägt, ist einkalkuliert. Und die VfL-Heimspiele am Anfang der Saison waren ja auch wie gemacht dafür, im Radio übertragen zu werden. Später Sieg gegen Schalke, spätes Unentschieden gegen Hertha.Dass sich die Stimme auch schon mal überschlägt, ist einkalkuliert. Und die VfL-Heimspiele am Anfang der Saison waren ja auch wie gemacht dafür, im Radio übertragen zu werden. Später Sieg gegen Schalke, spätes Unentschieden gegen Hertha.


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Da darf man ruhig ein „Ist das geil!“ ins Mikro brüllen, aber natürlich nur, wenn man parteiisch ist. Wölferadio Arena live ist parteiisch – Fans des VfL Wolfsburg übertragen Spiele des VfL Wolfsburg. Wobei die Fans in diesem Fall auch Profis sind. Denn hinter Wölferadio Arena live stecken Fernseh-Redakteure und Medien- Macher.


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Lars M. Vollmering, unter dem Pseudonym Lenny Nero längst als VfL-Blogger und als einer der Macher hinter dem Fan-Film „20“ bekannt, betreibt den wöchentlichen Podcast „Wölfe Radio“ seit drei Jahren. Als zusammen mit dem VfL die Idee entstand, auch aus dem Stadion live zu berichten, waren Mitstreiter schnell gefunden: André Voigt und Malte Truxius. „Uns verbindet“, so Vollmering, „dass wir aus Wolfsburg kommen, irgendwie alle in Köln gelandet waren und im weitesten Sinne fürs Fernsehen gearbeitet haben“. Vollmering selbst war Redakteur bei RTL, Voigt (der für den VfL Basketball spielte) ist als Basketball-Experte bei Live-Übertragungen im Einsatz, Truxius hat unter anderem für die ARD-Sportschau gearbeitet. Mit Jan Schildwächter stieß dann auch noch ein Social-Media-Experte dazu, das Team für das Klubradio des VfL Wolfsburg stand.

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In der Rückrunde der vergangenen Saison ging es los, beim Heimspiel gegen Schalke wurde erstmals die Kiste mit Headsets, Mischpult, Computer und Kabel auf die Pressetribüne der VW-Arena geschleppt, die nicht-neutralen Töne aus dem Stadion feierten auf der VfL-Homepage und via VfLApp Premiere. „Wir wollten“, so Vollmering, „etwas machen, was es noch nicht gab.“ Dass das Premieren-Spiel mit 0:1 verloren ging, tat dem Sendungsbewusstsein der Macher keinen Abbruch. Allerdings: Als Fan Niederlagen zu kommentieren, ist nicht so leicht. Vollmering: „Da rede ich dann manchmal anders als ich sollte, und in der vergangenen Saison war das leider häufiger mal der Fall...“

Emotional zu bleiben und dem Hörer trotzdem mit klaren Worten die richtigen Bilder im Kopf zu erzeugen – das ist die Herausforderung für die Arena-Live-Stimmen, die in wechselnder Besetzung immer zu zweit auf Sendung gehen. Vollmering: „Den eigenen Verein zu kommentieren, ist ein bisschen so, als würdest du als Herz-Chirurg deine eigene Mutter operieren. Dass es dir nahe geht, musst du auch ausblenden können, sonst kannst du den Job nicht machen.“ Und: „Du bist permament in der Live-Situation, redest 90 Minuten Freestyle, auch daran muss man sich erst einmal gewöhnen. Wenn viel passiert, wenn Tore fallen, dann ist das nicht so schwer, weil du viel schildern kannst. Problematisch ist es einerseits, wenn wenig passiert und du trotzdem was erzählen musst – oder wenn es wie etwa gegen Hoffenheim wirklich schnell hin und her geht und du ganz schön in Wallung kommst.“


„Wichtig ist - ist es gut gemacht? Und ist es gut für den Verein?“


Bei den Relegationsspielen im vergangenen Jahr erreichte das Klubradio bis zu 2500 Hörer und Hörerinnen. „Das ist eine gute Zahl für so ein Nischenprodukt“, findet Vollmering. Wichtiger aber: „Wir haben ein gutes Feedback von den Fans und wir schaffen es dabei, auch unserem eigenen Qualitätsanspruch gerecht zu werden. Wenn man so etwas macht, darf man nicht nur auf die Zahl seiner Hörer gucken, sondern muss sich überlegen: Ist es gut gemacht? Und ist es gut für den Verein?“ Als jemand den Jungs via Facebook schrieb, „es war, als wäre ich dabei gewesen“, war das für Vollmering „das schönste Kompliment“.

Die Klubradio-Stimmen von Wölferadio Arena Live: André Voigt, Lars M., „Lenny Nero“ Vollmering und Malte Truxius (v.l.)
Die Klubradio-Stimmen von Wölferadio Arena Live: André Voigt, Lars M., „Lenny Nero“ Vollmering und Malte Truxius (v.l.)

In der abgelaufenen Hinrunde waren die Fans am Mikro auch erstmals auswärts dabei, berichteten aus Hannover und aus Düsseldorf. Die Zahl der Hörer und Hörerinnen war größer als bei den Heimspielen. „Was ja irgendwie logisch ist“, findet Vollmering, „wir machen das ja für Fans, und die sind bei Heimspielen im Stadion dabei, so soll das ja auch sein.“ Auswärtsübertragungen haben darum den größeren Reiz und sollen in der Rückrunde ausgebaut werden. Liveberichte von den Heimspielen gibt es natürlich trotzdem noch – für Fans, die verhindert sind, die weiter weg wohnen oder ausnahmsweise einfach mal keine Zeit fürs Stadion haben. „Und wir haben festgestellt, dass wir mittlerweile auch ein paar treue Stammhörer im Ausland haben. Man kann nicht überall auf der Welt die Bundesliga live sehen, da sind wir für VfL-Fans von China bis Chattanooga bestimmt eine gute Alternative.“

Klar ist aber auch: Wenn es sportlich gut läuft, macht das Kommentieren doppelt Spaß. Und dass es sportlich gut weitergeht, dessen ist sich Vollmering eigentlich sicher: „Es gibt in dieser Liga quasi keine Mannschaft mehr, von der man sagen kann, sie würde den VfL klar schlagen. Und eigentlich muss die Mannschaft nur an die Hinrunde anknüpfen. Man hat doch gesehen, dass mit Einsatz und Kampf auch das Spielglück zurückkommt. Dann holst du auch wie gegen Schalke oder Hertha mit späten Toren Punkte – und dann weißt du da oben: Das sind genau die Dinger, für die du den Job da machst.“ apa

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