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Home Sonderthemen Feste/Veranstaltungen So wertvoll wie Gold – die Gewürze
09:43 04.01.2019
Exotische Gewürze sorgen nicht nur in der Weihnachtszeit für den guten Geschmack bei Speisen und Gebäck.                Fotos: © Alicja Neumiler/123RF, © Jochen Schönfeld/Fotolia

Alle Gewürze, die wir grade besonders in der Weihnachtszeit benötigen, kaufen wir ganz einfach im Supermarkt. Für uns ist das selbstverständlich. Doch das war einmal ganz anders. Schon in der Jungsteinzeit vor einigen Tausend Jahren nutzten Menschen Pflanzenteile zum Würzen. Auch die Ägypter und alten Römer liebten es, ihre Speisen kräftig zu würzen. Gewürze waren Nahrungsmittel und Arznei. In einer Art allererstem Kochbuch des Römers Apicius liest man von Gerichten mit Pfeffer, Safran, Nelken, Zimt, Sesam, Koriander, Ingwer und Anis.


Lange gab es nur Kräuter aus dem eigenen Garten

Im Römischen Reich wurden die Gewürze in großen Mengen in Indien gekauft und importiert. Da die Römer große Teile der damals bekannten Welt besetzt hatten, lernten auch die Menschen in den Provinzen etwas über Gewürze aus fernen Ländern. Mit dem Untergang des Römischen Reiches ging auch das Wissen um die Gewürze verloren. Bei uns in Nord- und Mitteleuropa gab es lange Zeit nur Kräuter aus dem Garten als Würzmittel, manchmal auch Salz. Aber das war auch nicht immer verfügbar und manchmal teuer. Ab dem 11. Jahrhundert wurde der Geschmack exotischer Gewürze an den Höfen des Adels modern. So nahm der Welthandel mit den aromatischen Kostbarkeiten seinen Lauf.

Sternanis sorgt in sowohl in Getränken als auch in Gebäck für die besondere Note.
Sternanis sorgt in sowohl in Getränken als auch in Gebäck für die besondere Note.

Im Mittelalter gelangten bisher unbekannte Gewürze nach Europa. Das geschah anfangs noch über die Gewürzstraße. Eine heftig umkämpfte Handelsstraße, die über 2000 Jahre hinweg den Fernen Osten mit der westlichen Welt verband. Kein Wunder, dass man nach neuen Wegen suchte, um, an die begehrten Waren heranzukommen. So war Christoph Kolumbus auf der Suche nach einem Seeweg nach Indien zu den Gewürzen, als er 1492 durch Zufall einen unbekannten Kontinent entdeckte. Kolumbus wusste nicht, dass es sich nicht um Indien handelte und man den Erdteil später Amerika nennen würde. Er brachte unbekannte Pflanzen mit nach Europa, zum Beispiel: Vanille, Paprika und Chili. Diese Würzmittel kannten selbst die alten Römer noch nicht.


Viele Städte wurden mit dem Gewürzhandel reich

Weil die Gewürze so kostbar waren, wurden Städte wie Venedig durch den Handel sehr reich. Portugiesen, Spanier, Holländer und Engländer wollten etwas abhaben vom großen Gewinn. Und so machten sich alle auf den Weg in den Fernen Osten. Viele Kriege wurden geführt, Menschen mussten sterben oder wurden versklavt. Pfeffer, Nelken, Zimt und Muskat waren so wertvoll wie Gold. So nannte man die Reichen oft scherzhaft: Pfeffersäcke. Bei denen, die es sich leisten konnten, galt als besonderes Zeichen des Reichtums, wenn man das Essen völlig überwürzte. Wertvoll waren die Würzmittel, weil sie nur an bestimmten, weit entfernten Orten auf der Welt wuchsen. Von dort mussten sie viele Monate lang transportiert werden. Vasco da Gama, ein Edelmann aus Portugal, schaffte es erstmals 1498, um Afrika herum nach Indien zu segeln. Von dort aus konnte man zu den Molukken weiterreisen, den Gewürzinseln, die wir heute als Indonesien kennen. Nur dort wuchsen die heiß begehrten Muskatnüsse. Vollbeladen mit Gewürzen kam da Gama zurück und wurde begeistert empfangen.

Die Auswahl an unterschiedlichen Gewürzen, mit denen sich Speisen aller Art verfeinern lass en, ist nahezu grenzenlos. Fotos: © Jirkaejc/123RF, © Eran Menashri/Freeimages.com, © Alicja Neumiler/123RF
Die Auswahl an unterschiedlichen Gewürzen, mit denen sich Speisen aller Art verfeinern lass en, ist nahezu grenzenlos. Fotos: © Jirkaejc/123RF, © Eran Menashri/Freeimages.com, © Alicja Neumiler/123RF
Zimt zählte in den früheren Zeiten zu den Gewürzen, die so wertvoll waren wie Gold.
Zimt zählte in den früheren Zeiten zu den Gewürzen, die so wertvoll waren wie Gold.

Heute baut man in vielen Gegenden der Welt Gewürze an. Es gibt also kein alleiniges Vorrecht einzelner Völker mehr über den Gewürzhandel. „Geh dahin, wo der Pfeffer wächst“, sagt man zwar zu unliebsamen Zeitgenossen, jedoch sollte man sich doch lieber vertragen. Nicht nur zur Weihnachtszeit! (Silvia Friedrich)

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