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Home Sonderthemen Neues aus Gifhorn und Umgebung Thielen-Hof im Langenklint: Ein Reitstall zu Corona-Zeiten
00:05 26.08.2020

Corona ist zwar vornehmlich ein menschliches Problem, das nur selten Tiere befällt. Pferde schon gar nicht. Dennoch sind auch sie von der Pandemie mittelbar betroffen, zum Beispiel im Reitstall. „Während des Lockdowns waren alle Sportanlagen geschlossen. Glücklicherweise wurden bei Pferden Ausnahmen gemacht, weil es Lebewesen sind, die versorgt werden müssen“, berichtet Claudia Thiele vom Thielen-Hof im Langenklint. Sie durfte den Reitstall in dieser Zeit öffnen, allerdings unter strengen Auflagen. „Normalerweise können die Leute bei uns kommen und gehen, wie sie wollen“, erzählt sie. Das war während des Lockdowns jedoch unmöglich. „Es durften sich immer nur zwei Personen in der Stallgasse au alten, um ihre Pferde zu putzen und zu satteln, damit der Abstand eingehalten wurde. Deshalb haben wir einen Stundenplan eingerichtet, wo sich jeweils zwei Reiter zur vollen Stunde eintragen konnten. Jeder hatte dann eine und eine Dreiviertelstunde lang Zeit für sein Pferd.“ Reitunterricht gab es in dieser Zeit nicht – nur die Pferdebesitzer selbst durften zum Thielen-Hof kommen und ihre Tiere versorgen.

Claudia Thiele ist froh, dass alles gut geklappt hat und sämtliche Reiter mitgezogen haben. Der befürchtete Kampf um die Nachmittags- und Abendtermine blieb aus. „Das hatte wohl auch damit zu tun, dass viele im Homeoffice waren“, vermutet sie. Für die Planung der Anwesenheitszeiten waren ihr die sozialen Medien eine große Hilfe. „Mit dem Stundenplan als Statusbild bei Whatsapp wusste jeder Bescheid, wann freie Zeiten sind und konnte sich anmelden.“

Die Fohlen kommen gerne kuscheln bei Claudia Thiele.
Die Fohlen kommen gerne kuscheln bei Claudia Thiele.

Heute kann die Reitstallbesitzerin entspannt auf den Lockdown zurückblicken. Mittlerweile dürfen die Menschen wieder kommen, wann sie wollen, müssen sich jedoch in eine Anwesenheitsliste ein- und austragen sowie natürlich die Abstands- und Hygieneregeln einhalten. Sie selbst hat zu keiner Zeit befürchtet, dass Corona ihren Betrieb nachhaltig lahmlegt. Dafür ist sie besonders der Deutschen Reiterlichen Vereinigung dankbar. „Die haben super darüber informiert, was geht und was nicht“, sagt sie anerkennend.

Ein bisschen Bullerbüim Langenklint

Claudia Thiele führt den landwirtschaftlichen Nebenerwerbsbetrieb zusammen mit ihrem Mann Heiko. Da er einen anderen Beruf in Vollzeit ausübt, erledigt sie die anfallenden Arbeiten unter der Woche alleine. Der Betrieb umfasst 27 Einzelboxen, die zum Großteil an Pferdebesitzer mit Vollpension für die Tiere vermietet sind. Darüber hinaus halten Thieles ungefähr 20 Jungpferde in Offenstallhaltung. Die frühere Bankkauffrau liebt ihre Arbeit, auch wenn immer viel zu tun ist und die Überwindung, sich bei Eiseskälte, Wind und Wetter hinauszuwagen, manchmal groß ist. Doch die Ruhe, der Frieden, das Zusammenleben mit Pferden, Katzen und einem verspielten Hund möchte sie nicht missen. „Ich möchte nichts anderes machen“, sagt sie und strahlt über das ganze Gesicht.

Sie hat die Pferdewirtschaft mit auf den Hof gebracht, den ihre Schwiegereltern Anfang der 1970er-Jahre gründeten. Früher wurden dort Milchkühe gehalten. Als die passionierte Reiterin, die Claudia Thiele seit Kindes beinen ist, im Jahr 2000 auf den Hof einzog, war ihr Mann noch überhaupt nicht von Rössern zu überzeugen. „Er wollte niemals Pferde auf dem Hof haben“, erzählt sie. Doch als sie schwanger war und immer mit dem Pferd durch ganz Müden laufen musste, um es auf die Weide zu bringen, bot er ihr an, es in den Langenklint zu holen. Doch „ein Pferd allein ist blöd“ – da waren sie sich einig. Eine Freundin erklärte sich sofort bereit, ihr Tier ebenfalls bei Thieles unterzustellen, und so waren im Handumdrehen die ersten vier Boxen vermietet. Immer mehr Reiter erkundigten sich nach einem Platz fürs Pferd und der Reitstall wuchs. Noch immer mangelt es nicht an Nachfrage.

Dass der Thielen-Hof so beliebt ist, hat sicher auch mit Claudia Thieles Philosophie zu tun, den Tieren artgerechte Lebensbedingungen zu verschaffen. Bei ihr darf ein Pferd ein Pferd sein, mit viel Auslauf und viel Freiheit. Eben ein bisschen Bullerbü – auch für die Pferde!

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