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Home Sonderthemen Neues aus Wolfsburg und Umgebung Sturmfrei im Steinbruch
07:17 30.06.2020
© Andrea Hoferichter

Hinter dem Krankenhaus führt ein Kiesweg durch wildes Grün in den Steinbruch, in dem das Tiergehege Wolfsburg seit Jahrzehnten zu Hause ist: ein kleines Paradies mit bunten Ziervögeln, Pfau, Gänsen und Kaninchen. Das Wetter ist trübe und doch ist Leben auf dem Gelände, das unter Naturschutz steht: Zwei Familien, zwei Teenie-Mädchen und eine Frau schlendern zwischen Bänken und Tierhäusern entlang.

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Die Corona-Krise hat der Verein, der das Tiergehege ehrenamtlich betreibt, gut überstanden. Das berichtet die Vorsitzende Marianne Blisse, die in Jeans und fliederfarbenem Oberteil auf einer Holzbank, natürlich im Corona-Abstand, ein Interview gibt. „Wir waren wirklich begeistert, wie sehr die Wolfsburger ganz offensichtlich hinter uns stehen“, sagt sie. Infolge eines Zeitungsartikels seien viele Spenden eingegangen, zwei Mädchen hätten vor dem Gelände Muffins verkauft, die Firma Rosenthal und die Handballer des VfB Fallerleben hätten jeweils größere Beiträge beigesteuert. So sei die Krise gut zu stemmen gewesen.

Das war wichtig, denn in den Wochen, in denen das Tiergehege coronabedingt schließen mussten, blieben Spenden aus, die Besucher sonst vor Ort leisten können. „Die Einnahmen zur gut besuchten Osterzeit sind uns sozusagen flöten gegangen“, so Blisse. Und auch wenn die Vereinsmitglieder hier ehrenamtlich Volieren zimmern und reparieren, sie artgerecht mit Ästen, Bäumen und Sand bestücken und wucherndes Unkraut um die Gebäude herum bekämpfen, müssen die Tiere doch fressen und ab und zu zum Tierarzt. Und das kostet Geld.

Auch die Tiere haben die Wochen ohne Publikum gut verkraftet. „Sie haben die Zeit sogar genossen“, berichtet die Vereinsvorsitzende. Noch nie vorher habe sie so viele Eichhörnchen auf dem Gelände gesehen. Auch Krähen und Rotkehlchen hätten das Tiergehege belebt, seien zwischen ihnen umherspaziert, sehr zutraulich. Als das Tiergehege wieder öffnete, mussten sich vor allem die Gänse erst einmal wieder an Besucher gewöhnen. „Am ersten Tag sind sie regelrecht fauchend auf die Besucher zugelaufen, um sie zu vertreiben. Das war wirklich irre“, sagt die Vereinsvorsitzende. Mittlerweile sei das aber kein Problem mehr.


„Ich war von Anfang an dabei. Das Tiergehege ist quasi mein Baby. Und da gebe ich nicht so schnell auf.“


Clevere Krähen

Die meisten Tiere sind hinter Gittern zu beobachten. Auf Infotafeln ist Wissenswertes zu lesen: zum Beispiel, dass der Pfau in Indien besonders beliebt ist, auch weil er sich über gefährliche Kobras hermacht. Manche Tiere laufen aber frei herum. Neben Gänsen und Enten oft auch Hühner. „Denen können die Besucher richtig nahekommen“, erzählt Blisse. Allerdings sei zurzeit ein Fuchs unterwegs. Die letzten drei von ihm bisher verschonten Tiere müssten noch hinter Gittern ausharren, bis der Außenzaun entsprechend sicher ist. Auch Krähen suchen mitunter Kontakt, wenngleich vor allem zum Proviant der Besucher. „Mir hat eine Krähe mal ein Brötchen mit Bratwurst aus der Hand geklaut“, erzählt Blisse lachend. Auch einen Fahrradanhänger mit Keksen und Schokoriegel hätten die Vögel schon geplündert.

© Andrea Hoferichter
© Andrea Hoferichter

Das Tiergehege hat eine lange Tradition in Wolfsburg. Es besteht seit 1958. Immer wieder drohte die Schließung wegen mangelnder Einnahmen, und immer wieder konnten Wolfsburger eben das verhindern. Als der Erhalt 2003 wieder einmal auf der Kippe stand und deshalb eine Bürgerversammlung einberufen wurde, war Marianne Blisse gleich dabei. Ein Jahr später gründete sie mit ihren Mitstreitern den Verein, der sich seither um alles kümmert. Die Stadt Wolfsburg stellt das Gelände zur Verfügung und gewährt einen jährlichen Zuschuss, von dem der Verein zwei Tierpfleger in Teilzeit finanziert. Alles andere wird aus Spenden und Mitgliedsbeiträgen bezahlt.

Nachwuchs gesucht


Blisse und ihre Mitstreiter im Vorstand mögen die Arbeit hier. „Uns macht das immer noch viel Spaß“, sagt sie. Gleichwohl seien sie nicht mehr die Jüngsten. Und obwohl unter den rund 150 Vereinsmitgliedern auch Jüngere sind, mag bisher keiner einen verantwortlichen Posten übernehmen. Das bereitet der Vorsitzenden schon ein bisschen Sorge. Aber sie gibt sich kämpferisch. Schließlich ist sie schon als Kind häufig hier gewesen, später beruflich mit Kindergartengruppen und auch schon als Patientin im benachbarten Krankenhaus. „Ich war von Anfang an dabei. Das Tiergehege ist quasi mein Baby. Und da gebe ich nicht so schnell auf“, sagt sie. (aho)

Infos zu Öffnungszeiten und mehr findet man im Internet: http://tiergehege-wolfsburg.de.
      

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