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Home Sonderthemen Gesundheit/Pflege Trend im Bio-Handel: Kundenwünsche werden immer spezieller
09:05 14.03.2018
Immer mehr Produktvielfalt: Anja Schubert von „Mutter Grün“ und Jörg Zender von der „Brotinsel“ berichten, dass Bio-Kunden anspruchsvoller bei der Nahrungswahl werden. FOTOS: BORIS BASCHIN/BRITTA SCHULZE
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Von Frederike Müller     

WOLFSBURG. Leinsamen, Karottensamen oder dürfen es Basilikumsamen sein? Bio-Kunden werden immer anspruchsvoller, der Bio-Markt „Mutter Grün“ in Fallersleben hat sein Angebot in den vergangenen Jahren auf 8500 verschiedene Produkte erhöht – auch Fleisch ist wieder gefragt.


Früher waren es Ökos und Lehrer, die Bio kauften. Aber inzwischen ist Bio keine Nische mehr.

Jörg Zender, Brotinse


„Noch vor einem Jahr waren die Leute froh, eine Sorte glutenfreie Nudeln zu haben – jetzt gibt es die in allen Formen und Größen“, berichtet Anja Schubert von „Mutter Grün“. 20 Jahre Berufserfahrung im Naturkostbereich haben ihr gezeigt: Die Auswahl an Lebensmitteln fächert sich auf. „Ein stabiler Anteil der Bevölkerung setzt sich zwar gar nicht mit gesunder Ernährung auseinander“, so Schubert, „aber der Teil, der sich damit beschäftigt, tut es immer extremer – das geht dann schon in die medizinische Tiefe.“ Ob Muskelaufbau, ein Marathon oder mehr Kondition beim Fahrradfahren – jeder Kunde stelle sich seine Ernährung ganz speziell zusammen.

Befeuert werde der Trend von Apothekenzeitschriften, Fernsehsendungen und dem Internet. Das beobachtet auch Jörg Zender, der auf dem Wolfsburger Wochenmarkt bei der „Brotinsel“ Bio-Gebäck verkauft. „Früher waren es Ökos und die Lehrerschaft, die Bio kauften“, sagt Zender. „Aber inzwischen ist Bio keine Nische mehr.“ Essen nun alle gesünder? Nicht unbedingt, denn „bio“ bedeute nicht automatisch „gesund“, denn: „Wie soll eine Bio-Tomate aus Holland, die auf Hydrokultur gewachsen ist, besser sein als eine, die richtige Erde gesehen hat?“

Ähnlich verhält es sich auch mit einer anderen Ernährungs-Mode: „Wir haben gerade einen Fleisch-Trend par excellence“, beobachtet Anja Schubert. Als „gesund“ könne man aber auch Bio-Fleisch nicht bezeichnen: „Fleisch ist für den Stoffwechsel fremdes Eiweiß – das ist immer problematisch.


Wiedersehen mit Pilgerfreunden: Ein Abend bei Spaghetti, Wein und Gesprächen übers Wandern auf dem Jakobsweg

Reisebericht vom Jakobsweg, Teil 9: Michaela und Kristin wundern sich über Winter-Wetter in Spanien und erfahren viel über andere Pilger

Warten in der Sonne: Von Arcade aus fuhren Michaela und Kristin mit dem Zug weiter. PRIVAT
Warten in der Sonne: Von Arcade aus fuhren Michaela und Kristin mit dem Zug weiter. PRIVAT

Von Michaela Gebauer

Von Redondela ging es für Kristin und mich dann weiter nach Pontevedra. Und ganz ehrlich: Eigentlich hatten wir an diesem Tag (wie wahrscheinlich an allen anderen Tagen auch) keine Ahnung, wo wir eigentlich landen würden. Inzwischen hatten wir uns schon zu routinierten Pilgern gemausert. Jeden Vormittag rollten wir unsere Schlafsäcke zusammen, packten unsere mit Handwaschpaste gewaschenen Klamotten zurück in den Rucksack, verabschiedeten uns von allen Leuten und tigerten los.

Für alle, die sich fragen, ob es bislang schwer war, den Jakobsweg zu gehen: Nein, überhaupt nicht! Wir mussten jeden Tag lediglich den gelben Pfeilen folgen, bis wir nicht mehr konnten. Zwischendurch haben wir lediglich Google-Maps auf unseren Smartphones aufgerufen, um uns zum nächsten Bahnhof navigieren zu können. Kristin und ich hatten nämlich noch immer starke Fußschmerzen. Allerdings hatten wir uns aber nach elf Tagen an die Probleme gewöhnt und konnten wieder mehr oder weniger 15 Kilometer am Stück wandern.


Der Jakobsweg – Ziel vieler Pilger, die kleine Abenteuer und Spiritualität suchen. Unsere Mitarbeiterin Michaela Gebauer (25) und Kristin Willecke (22) erkundeten den Camino Português auf ihre ganz eigene Weise. Während der Gesundheitswochen berichtet Michaela über Blasen an den Füßen, kuriose Begegnungen und das erhebende Gefühl von Freiheit.


Unsere erste Zwischenstation nach Redondela war also Arcade. Dort gönnten wir uns – wie soll es auch anders sein – wieder eine Pizza. In dem Restaurant gab es einen kleinen Fernsehbildschirm, auf dem das Schnee-Chaos in Madrid gezeigt wurde. Zahlreiche Lastwagen standen quer auf den Straßen und kamen nicht weiter. Offenbar kannten die Spanier so ein kaltes Winter-Wetter nicht. Das erklärte zumindest, warum es in kaum einer Unterkunft vernünftige Heizungen gab. Hätten Kristin und ich das eher gewusst, wären wir wahrscheinlich nicht mit zwei Yoga-Hosen und engen Lauf-Shirts den Jakobsweg gegangen... Aber gut, aus Fehlern lernt man.

In Arcade entschieden wir uns dann, mit dem Zug weiterzufahren. Es war inzwischen sehr kalt geworden. Am Bahnhof angekommen, legten wir uns deshalb auf das einzige sonnige Plätzchen, das wir finden konnten: Es war der Boden, direkt neben den Gleisen. Wir waren von der Wanderung noch so geschafft, dass wir die Augen schlossen und kurz dösten. Als wir später wieder die Augen öffneten, waren wir auf einmal umringt von Spaniern, die auch auf den Zug warteten.

Am Ziel angekommen, trafen wir dann erneut all unsere Freunde aus den vergangenen Herbergen wieder. Dieses Mal setzten wir uns aber alle zusammen in den Aufenthaltsraum und teilten uns anderthalb Flaschen Wein. Die andere Hälfte brauchten unsere Freunde, um Spaghetti Bolognese zu kochen.

Kurioserweise waren während des Jakobsweges die Gespräche völlig anders, als wir sie aus unserem normalen Umfeld in Deutschland kennen. Es ging diesmal nicht um den Namen, das Alter und den Beruf, sondern um viel intimere Themen, wie zum Beispiel Probleme und Ängste. Der Italiener war zum Beispiel eigentlich ein Pizza-Bäcker, der keine Lust mehr hatte, weiterhin in seinem „langweiligen“ Dorf zu leben. Der Koreaner hingegen brauchte eine Pause von seinem harten Informatik-Studium in Korea und die Frau aus Gran Canaria hatte ihren Job als Krankenschwester verloren und nutzte die freie Zeit, um einen klaren Kopf zu bekommen. Kristin und ich hatten aber nicht wirklich viel zu erzählen. Wir waren schließlich nur Studenten, die vorlesungsfreie Zeit hatten.

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