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Wolfsburg
00:05 22.04.2021
Die Chronik des Vereins ist mit vielen historischen Fotos gespickt. Unter anderem ist die erste Fußballmannschaft des VfL Germania Ummern abgebildet und eine Frauen-Handballmannschaft aus der Nachkriegszeit. Fotos: VfL Germania Ummern

Das hätten sich die Jugendlichen Hermann Wegmeyer, Fritz Behrens, Albert Laue, Wilhelm Krössmann, Hans Westphal und sechs weitere junge Leute am 1. November 1921 vermutlich nicht träumen lassen, was heute, hundert Jahre später, aus ihrer Initiative erwachsen ist. Mussten sie bei der Gründung des Vereins noch den Gegenwind der „Dorfstraßenbeherrscher”, wie es in dem handschriftlich verfassten Gründungsnachweis heißt, fürchten, ist der VfL Germania Ummern heute aus dem Dorfleben nicht mehr wegzudenken. „Wenn man hier aufgewachsen ist, gehört es dazu, dass man Mitglied in den örtlichen Vereinen ist”, erklärt der erste Vereinsvorsitzende Ralph Müller. Das gilt natürlich auch für den Sportverein. Der zweite Vorsitzende Jörg Laue, Nachkomme des Gründungsmitglieds Albert Laue, erzählt, dass es in Ummern keine Seltenheit ist, dass die Mitgliedschaft im Verein sozusagen von einer Generation zur nächsten weitervererbt wird. „Wenn die Eltern im Verein sind, dann sind es die Söhne und Töchter oft auch.”

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Auf diese Weise ist der VfL Germania fest in der Dorfgemeinschaft verankert. „Wir Vereine unterstützen uns gegenseitig, beispielsweise bei Veranstaltungen, wo wir uns mit Fritteusen, Ständen oder anderem aushelfen. Das DRK darf unsere Halle selbstverständlich nutzen und auch der Kindergarten, damit die Kleinen herumtoben können. Außerdem stellen wir Übungsleiter für das Mutter-Kind-Turnen. Dafür erheben wir nur einen sehr geringen Beitrag, um den Versicherungsschutz abzudecken”, zählt Ralph Müller auf.

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AKTIONEN ZUM JUBILÄUM

Für einen Verein, der im Familienleben so vieler Dorfbewohner eine wichtige Rolle spielt, gehört es sich, dass der 100. Geburtstag gebührend gefeiert wird. Das fällt in Corona-Zeiten nicht leicht. Doch der Vereinsvorstand ist fest entschlossen, jede sich bietende Gelegenheit zu nutzen. „Sobald sich abzeichnet, dass uns die Pandemie etwas Freiraum lässt, werden wir Aktionen rund um das Jubiläum starten. Darauf bereiten wir uns heute schon vor. Es wird für alle Gruppen etwas dabei sein: für Familien, für Junge und Alte, Sponsoren und Unterstützer, aktive und passive Mitglieder.” Spätestens zum Volkswandertag im September oder Oktober sollte es so weit sein, kündigt Ralph Müller an. Und noch etwas anderes wird es auf jeden Fall geben: eine Chronik des Vereins. An ihr wird bereits seit Mai letzten Jahres gearbeitet. „Die möchten wir allen unseren Mitgliedern, die uns trotz Corona treu geblieben sind, als kleines Dankeschön zukommen lassen”, verspricht der Vereinsvorstand.

DAMALS UND HEUTE

In den hundert Jahren seit seiner Gründung hat sich im Vfl Germania Ummern viel getan. Nicht nur das Vereinsheim und die Sportanlagen wurden nach und nach ausgebaut. Auch die Anzahl der Mitglieder hat sich beträchtlich erhöht, Tendenz steigend. Ein wichtiger Grund dafür ist, dass der Verein mit der Zeit geht und bei Bedarf neue Angebote entwickelt. So ist beispielsweise Gymnastik bei vielen älteren Vereinsmitgliedern heutzutage sehr beliebt.

Doch darauf wollen sich Ralph Müller und Jörg Laue nicht ausruhen. „Wir haben das Glück, dass wir eine ganze Reihe von Urgesteinen haben, die sich ein Leben ohne den Verein kaum vorstellen können. Wo immer Hilfe gebraucht wird, unterstützen sie und helfen aus. Natürlich engagieren sich auch Jüngere, aber es wird weniger.” Die Ursachen sind, wie auch in vielen anderen Gemeinden, vielfältig: Durch Zuzug und Wegzug lockert sich der Zusammenhalt, Kinder sind länger in der Schule und setzen sich danach lieber an die Playstation, als draußen zu spielen oder auf dem Fußballplatz zu bolzen. Darüber hinaus beklagt Ralph Müller: „Einige Entscheidungen der Politik sind für kleine Vereine nicht zwingend förderlich gewesen. Mit dem ständigen Zuwachs an Bürokratie wird unsere Handlungsfreiheit eingeschränkt. Dabei machen wir das alles ehrenamtlich neben unserer Arbeit. Auch wir haben Familien!”


„Wenn man hier aufgewachsen ist, gehört es dazu, dass man Mitglied in den örtlichen Vereinen ist.”


Gerade weil die Zeiten für Vereine nicht leichter werden, wissen Ralph Müller und Jörg Laue, was sie an ihren Mitstreitern haben. „Viele Menschen arbeiten im Hintergrund daran, den Verein am Laufen zu halten. Wir danken allen, die sich engagieren, auch wenn wir nicht jeden Einzelnen herausstellen können. Den meisten wäre das auch gar nicht recht. Festzuhalten bleibt aber: Die Gesamtheit der Mitglieder funktioniert im Zusammenspiel prima. Das wissen wir zu schätzen. Auch die Gemeinde ist ein wichtiger Partner, der unsere Arbeit würdigt und unterstützt.”
  

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