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Home Sonderthemen Neues aus Gifhorn und Umgebung Was machen Frauen bei der Feuerwehr? Alles!
00:00 19.10.2018
Musik verbindet: Der Frauenanteil bei der Truppe des Feuerwehrzuges ist schon seit Jahren beachtlich.

Eine schreckliche Vorstellung, die Notrufnummer 112 wählen zu müssen, wenn das Schicksal mit einem Unfall oder einem Feuer zugeschlagen hat. Und doch sind am Ende alle dankbar, dass Rettungskräfte in Minutenschnelle an Ort und Stelle waren und womöglich viel Schlimmeres verhindert haben. Die Menschen in ihrer wuchtigen Schutzkleidung werden, wenn sie ihren Dienst getan und oft ihr eigenes Leben riskiert haben, von den Opfern kaum wahrgenommen. Erst recht nicht die Tatsache, dass beim Einsatz nicht nur knallharte Kerls zugepackt haben, sondern im Schnitt jeder Zehnte von ihnen eine Feuerwehrfrau ist – Tendenz steigend. 

Vor allem in der Samtgemeinde Meinersen. „Während der Frauenanteil in der Freiwilligen Feuerwehr in Deutschland rund 8,5 Prozent beträgt, liegt er bei uns bei 15,1 Prozent“, betont Samtgemeindebrandmeister Sven Mayer nicht ohne Stolz. Noch viel besser sehe die Bilanz bei der Kinder- und Jugendabteilung aus. „59 Prozent unseres Nachwuchses sind männlich, also immerhin 41 Prozent weiblich“, freut sich der Chef der Wehren.

Feuerwehr-Gen in der DNA ist hilfreich

Kein Unterschied am Einsatzort: Frauen und Männer müssen alles können, und die Frauen haben’s drauf. Wer wo eingeteilt wird, entscheidet dann der Einsatzleiter spontan. © FFW SG Meinersen (1), kzenon/123RF (2)
Kein Unterschied am Einsatzort: Frauen und Männer müssen alles können, und die Frauen haben’s drauf. Wer wo eingeteilt wird, entscheidet dann der Einsatzleiter spontan. © FFW SG Meinersen (1), kzenon/123RF (2)

So selbstverständlich wie heute, wo sich Kinder schon im Grundschulalter bei den ehrenamtlichen Feuerwehrleuten in den Gemeinden engagieren können, war es für die jetzt aktiven Frauen früher nicht – es sei denn, sie trugen schon das entsprechende Rettungs-Gen in sich. Etwa so wie Nina Lorfing aus Hillerse. „Durch meinen Vater, den Opa, einen Onkel und eine Tante kannte ich die Feuerwehr schon von Kindesbeinen an. Mit 14 Jahren marschierte ich als Klarinettistin im Musikzug mit, absolvierte meine Grundausbildung bei der Feuerwehr und wurde Gruppenführerin einer Truppe aus 16 Frauen. Das prägt mein Leben bis heute“, erklärt die VW-Kundenbetreuerin. Inzwischen ist sie Führerin des Musikzugs Hillerse und Schriftführerin des Samtgemeindekommandos und widmet ihre Freizeit statt des Übungs- und Einsatzdienstes vielen organisatorischen Aufgaben im Ortskommando, die auch erledigt werden müssen. Diese Frauenpower beunruhige inzwischen schon die männlichen Kameraden, die witzeln, einen Männerbeauftragten zu wollen.

Den Feuerwehr-Kick bekam auch Birgit Ludolf schon mit 13 Jahren von ihrem Vater in Meinersen. Sie war es schließlich, die von einer Gruppe von 30 Mädels übrig blieb, um dann mit 18 Jahren ihre Truppmannausbildung, Grundlage für den aktiven Feuerwehrdienst, zu absolvieren. Seitdem ist sie Mitglied der Einsatzabteilung und mittlerweile verheiratet mit dem Ortsbrandmeister der Freiwilligen Feuerwehr Meinersen. Als Jugendliche zog es Nancita, auch durch den Vater inspiriert, zur Feuerwehr – allerdings in ihrem Geburtsland Peru, wo weibliche Feuerwehrleute auch Mitte der neunziger Jahre noch nicht an der Tagesordnung waren. Ihr Lebensweg führte sie dann aber vor 20 Jahren nach Leiferde, wo sie hauptberuflich heute in einer Zahnarztpraxis arbeitet. „Meinem Mann erzählte ich, dass ich schon als Kind zu Feuerwehr wollte, und er sagte einfach nur: ‚Mach es, mach mit bei unserer Feuerwehr!‘ Vor einem Jahr fragte ich dann beim Tag der offenen Tür der Feuerwehr einfach mal nach, ob ich mitmachen könne. Die haben sich riesig gefreut. Anfang 2018 absolvierte ich meine Ausbildung, seitdem bin ich als aktive Feuerwehrfrau neben Beruf und Familie dabei“, sagt Nancita Wemmel, als wäre es das Selbstverständlichste auf der Welt.

Taffe Frauen mit Organisationstalent

Mit Leib und Seele bei der Freiwilligen Feuerwehr der Samtgemeinde Meinersen: Nancy Wemmel, Birgit Ludolf, Nina Lorfi ng und Samtgemeindebrandmeister Sven J. Mayer. © Photowerk (2)
Mit Leib und Seele bei der Freiwilligen Feuerwehr der Samtgemeinde Meinersen: Nancy Wemmel, Birgit Ludolf, Nina Lorfi ng und Samtgemeindebrandmeister Sven J. Mayer. © Photowerk (2)

Und das wird es mehr und mehr, obwohl Frauen wissen, dass ihre Mitgliedschaft in der Freiwilligen Feuerwehr mehr bedeutet als das Entspannen nach Feierabend im Golf- oder Tennisclub. Die Trainingseinheiten finden für alle Aktiven in der Freiwilligen Feuerwehr regelmäßig wöchentlich statt. Und die bedeuten nicht Klönschnack beim Bierchen, sondern auch mal Übung bei Sommerhitze in voller Montur. Hinzu kommen natürlich die unvorhergesehenen Einsätze rund um die Uhr. „Fahren sie mal das Pflegebett mit ihrem Schwiegervater beim Einsatz vor das Gerätehaus, weil sich ja schließlich jemand um ihn kümmern muss, während sie andere Leute retten wollen“, bringt es eine Feuerwehrfrau in einem Forschungsbericht auf den Punkt. Da muss in Sekundenschnelle Privatleben organisiert werden, um ausrücken zu können.

Aber viele fragen sich: Wie soll das gehen – berufstätige Ehefrau und Mutter mit Pflegefall in der Familie ehrenamtlich bei der Freiwilligen Feuerwehr? „Wenn nachts um vier Uhr die Sirene ertönt, sitzen Männer nach spätestens fünf Minuten in voller Montur im Einsatzfahrzeug. Frauen auch, aber die haben zwischendurch geklärt, wie die Kinder zur Schule und die Mutter zum Arzt kommen und wer die Handwerker ins Haus lässt“, stellt Sven Mayer aus jahrelanger Praxis anerkennend fest. Und in der Verbandszeitschrift der Deutschen Feuerwehren heißt es: „Irgendwie haben unsere Frauen einen weiteren und sorgsameren Blick rundherum, um zu erfassen, was zu tun ist.“

Sich mit Frauen zu unterhalten, die die Ausgehuniform der Freiwilligen Feuerwehr tragen, ist eigentlich völlig normal. Sie berichten von ihren Jobs, dem Familienleben und den Hobbys nebenbei. Noch immer schwer vorstellbar, dass es auch diese Frauen und nicht nur Muskelmänner sind, die möglicherweise Stunden später in ihrem wuchtigen Einsatzdress an Bord der roten Flotte aus der Gemeindewache unterwegs sind, um Leben zu retten. Studie um Studie versucht herauszufinden, wie vor allem für Frauen die Vereinbarkeit von Familie, Beruf und Freiwilliger Feuerwehr verbessert werden könnte. Ein Besuch der Ortsfeuerwehren in Meinersen wäre hilfreich, denn die zeigen sehr erfolgreich, wie es geht. (jv)


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