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Home Sonderthemen Gesundheit/Pflege Weg vom Kalorienzählen
14:33 15.03.2018
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Welche Trends zeichnen sich im Fitnessbereich ab?

Das Training wird immer intensiver. Der Trend geht von lang und langsam hin zu kurz und heftig, zum sogenannten hochintensiven Intervalltraining (HIIT). Typisch ist das Zirkeltraining in kleinen Gruppen ab fünf Leuten, das vielfach auch draußen stattfindet. Das ist toll für Leute, die den ganzen Tag im Büro sitzen: Sie kommen an die frische Luft, können vielleicht im Park unter Bäumen trainieren und erzielen einen positiven Effekt für ihr Immunsystem. Im Dunkeln wird es für den Trainer allerdings schwierig, die Bewegungen der Teilnehmer zu sehen und sie zu korrigieren. Und auch für die Trainierenden selbst sind komplexe Übungen mit eingeschränkter visueller Orientierung schwieriger umzusetzen.

Wie funktioniert hochintensives Intervalltraining?

Die Teilnehmer führen eine Übung wie beispielsweise gesprungene Kniebeugen zwischen 40 und 60 Sekunden aus, anschließend machen sie zehn bis 30 Sekunden Pause. Die Übungen sind anstrengend, die möchte man auch keine Sekunde länger machen, als über die vorgegebene Zeit.

Was ist der Vorteil dieses intensiven Trainings?

Es ist effizienter. Die Leute haben schneller Erfolge, zum Beispiel beim Muskelaufbau und beim Kalorienverbrauch. Wenn jemand locker um die Alster joggt, braucht er deutlich mehr Zeit und hat trotzdem nicht diesen Effekt. In der Regel ist beim hochintensiven Intervalltraining der Kraftreiz auf die Muskulatur höher, außerdem werden Explosivität, Koordination und Ausdauer trainiert.


"Auch übergewichtige und ältere Menschen können Intervalltraining machen."

Georg Kramer, Fitnesscoach


Ist hochintensives Intervalltraining auch für Einsteiger geeignet?

Man kann die Belastung für so einen Zirkel sehr unterschiedlich wählen. Je nach Fitnesszustand der Teilnehmer kann ich die Übungen variieren: Kniebeugen werden – zum Beispiel für Ältere – leichter, wenn diese sich bei der Ausführung festhalten können, und sie werden – für gut Trainierte – schwerer, wenn diese mit Zusatzlast arbeiten oder in die Streckung zurückspringen. Der Widerstand ist variabel, deshalb ist diese Trainingsform alterslos. In der Praxis läuft es oft anders: Der Trend geht Richtung höher, schneller, weiter. Dabei geht es immer um die Performance, um die Last, die man bewegt. Hinterher muss man mindestens aus dem Trainingsraum kriechen. Dabei sollte der erste Schritt immer sein, dass die Leute sich gut bewegen, und erst im zweiten Schritt sollte es um den Output gehen. Doch das tritt bei dieser Hau-drauf- Mentalität in den Hintergrund. Auch übergewichtige und ältere Menschen können Intervalltraining machen, es muss aber entsprechend angepasst werden.


Zur Person

Der Hamburger Sportwissenschaftler Georg Kramer arbeitet seit mehr als 15 Jahren als Personal Trainer.

www.trainingsdeck.de

Welche Fitnessübung ist am besten?

Diese Frage wird mir relativ häufig gestellt, aber es gibt keine generell beste Übung. Das ist immer abhängig von der jeweiligen Konstitution. Zu welcher Leistung ist jemand überhaupt in der Lage? Was ist sein Ziel? Wenn jemand beim Bankdrücken viel Gewicht schaffen will, ist es nicht das tollste Training, wenn er um die Alster rennt. Für einen, der Marathon laufen will, ist es dagegen genau das Richtige. Und man muss Freude dabei haben: Wenn jemand mehrmals die Woche ein Training macht, das er hasst, dann ist er voll mit Stresshormonen. Der Klassiker bei den Empfehlungen ist der Burpee (Liegestütz und Hochspringen im Wechsel; Anm. d. Red.). Ja, ich kann die Leute mit Burpees voll zerstören, ja, ich kann mit Burpees effizient viele Kalorien verbrennen, aber es kann beim Burpee sehr schnell auch viel schiefgehen, denn die wenigsten sind fit genug dafür. Normal sind dabei ein krummer Rücken, fehlende Körperspannung und eine schlechte Landung.

Und wenn jemand abnehmen möchte?

Ich versuche herauskriegen, was hinter diesem Wunsch steckt. Wenn jemand sagt, er will abnehmen und seinen Bauch loswerden, dann frage ich, warum. Viele sagen dann, sie sind unzufrieden mit sich. Wenn jemand ohnehin schon frustriert ist und Stress hat, muss ich nicht durch das Training noch mehr Stress draufpacken. Wenn jemand abends Frustpizza oder -schokolade isst, dann ist es egal, was wir im Training gemacht haben und ob wir 100 Kalorien mehr oder weniger verbrannt haben. Wenn jemand 20 Kilo Übergewicht hat, kommt das ja nicht dadurch, dass er sich zu wenig bewegt hat, sondern er hat in aller Regel zu viel gesessen. Da kann ich davon ausgehen, dass seine Bewegungsmuster auch nicht gut sind. Bevor ich da draufhaue, möchte ich erst mal sicherstellen, dass die Bewegungen funktionieren. Die Leute sollten mehr auf ihr Bauchgefühl hören und sich selbst überlegen, was ihnen guttut und was nicht. Sätze vom Trainer wie „No pain, no gain“ sind Blödsinn. Das Training kann anstrengend sein, aber es soll nicht permanent wehtun. Ziel sollte nicht sein, in kürzester Zeit Gewicht zu verlieren und Muskeln aufzubauen, sondern sich dafür die nötige Zeit zu nehmen, um frei von Beschwerden und Verletzungen zu bleiben.

Was macht gutes Training aus?

Ein gutes Training soll den Körper ganzheitlich trainieren, die Leistungsfähigkeit verbessern und Energie verbrennen. Dafür ist ein intensives Intervalltraining mit permanent wechselnden Positionen und einer großen Übungsauswahl ideal. Dabei werden nicht nur Kraft und Ausdauer trainiert, sondern auch Beweglichkeit, Koordination, Schnelligkeit und Agilität. Das kann auf verschiedenen Ebenen stattfinden – für graue Panther genauso wie für eine Gruppe mit 25-Jährigen.

Warum ist es wichtig, ganzheitlich zu trainieren?

Lange Distanzen gehen, sprinten, springen, werfen, tragen, hangeln, uns hochziehen, schwere Lasten heben – dazu ist unser Körper eigentlich in der Lage. In unserem bewegungsarmen Alltag gehen diese Fähigkeiten jedoch verloren. Sie zu erhalten ist wichtig, um gesund zu bleiben. Ich hatte mal einen Kunden, der hat erzählt, dass ihm mein Training wahrscheinlich einen mehrwöchigen Krankenhausaufenthalt erspart hat. Er ist eine große Treppe im Halbdunkeln hinuntergerannt, in der einen Hand hatte er einen Mantel, in der anderen eine Tasche. Er ist ins Straucheln geraten. Früher wäre er dabei gestürzt, da war er sich sicher. Durch das Training war er in der Lage, sich in der Bewegung wieder zu stabilisieren. Es muss nicht so extrem sein, manchmal ist es auch nur das Kind, das aus vollem Lauf auf einen zuspringt, oder der Umzug, für den man schwere Kisten in den vierten Stock tragen muss.

Was machen Ihre Kunden zu viel, was zu wenig?

Sie sitzen alle zu viel und bewegen sich zu wenig. Man kann das viele Sitzen nicht mit zwei- oder dreimal Training pro Woche ausgleichen, sondern sollte jeden Tag mehr gehen. Interview: Monika Herbst


SPRECHSTUNDE - DR. HERMANN JOSEF KAHL

Respekt für besorgte Eltern

Wenn Kinder krank werden, befinden sich Eltern oft in einer sehr belastenden Situation. Die elterliche Sorgearbeit beginnt und mündet nicht selten in Stress. Ein krankes Kind fordert die gesamte Logistik eines gut funktionierenden elterlichen Fürsorgeverhaltens und als Unterstützung die Experten, die Kinder- und Jugendärzte.

Kranke Kinder müssen umsorgt werden. Wer eine bestehende Krankheit bei einem Kind „wegzunormalisieren“ versucht, liegt nahe dem Bereich einer Vernachlässigung! Kranke Kinder gehören weder in die Kita noch in die Schule. Vielmehr brauchen sie eine ruhige Umgebung. Eltern wiederum fühlen sich extrem belastet. Sie benötigen ermutigende Signale, die beruhigen und ihr Verantwortungsbewusstsein stärken. Besorgte Mütter und Väter als hysterische Helikoptereltern zu bezeichnen ist provokativ und führt auch dazu, die Vernachlässigung der Kinder zu steigern. Eltern, die sich um die Gesundheit ihrer Kinder kümmern, verdienen Respekt.

Dr. Hermann Josef Kahl ist Kinder- und Jugendarzt in Düsseldorf sowie Sprecher des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte.


SO WIRKT DAS

Torasemid

Torasemid dient dazu, das Herz zu entlasten, die Nierengefäße zu erweitern und den Blutdruck zu senken. Es zählt zu den wichtigsten Arzneistoffen gegen Wasseransammlungen (Ödeme) im Körpergewebe, die durch Herzschwäche hervorgerufen wurden. Der Wirkstoff blockiert in der Niere ein Eiweiß, das für die Wiederaufnahme von Wasser, Kalium, Natrium und Chlorid aus dem Harn sorgt.

Platz zehn der Rangliste der 2016 am häufigsten ärztlich verordneten Wirkstoffe nach dem AOK-Arzneiverordnungsreport 2017.


GROSSMUTTER WEISS RAT

Apfelessig ist vielfältig einsetzbar

Er steigert die Darmleistung, wirkt antibakteriell und entzündungshemmend: Apfelessig. Aus drei in Stücke geschnittenen Äpfeln lässt er sich leicht selbst herstellen. Die Apfelspalten werden in eine Schale mit 600 Milliliter Wasser gelegt. Abgedeckt mit einem Tuch, zieht die Flüssigkeit für zwei Wochen an einem warmen, trockenen und dunklen Ort. Gefiltert und abgefüllt, ist der Apfelessig vielseitig verwendbar. iff

Aus dem Buch „Zwiebelwickel, Essigsocken & Co.“ von Karin Berndl und Nici Hofer, Eden Books, 112 Seiten, 14,95 Euro.


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