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Wolfsburg
07:18 26.05.2021
Christa Bausch zeigt kunstvoll handgefertigte und fair gehandelte Taschen, die echte Unikate und trotzdem nicht teuer sind. Fotos: Gesa Walkhoff

Die Idee, ein Geschäft zu eröffnen, in dem es nur fair gehandelte Waren aus aller Welt zu kaufen gibt, war für Gifhorn schon ein wenig spektakulär. Noch bemerkenswerter war es, dass dieser Laden nur von ehrenamtlich tätigen Menschen aufgebaut wurde und immer noch betrieben wird.

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Fast schon ein kleines Wunder ist es, dass keiner der 25 ehrenamtlichen Mitarbeiter Erfahrungen aus dem Einzelhandel mitbringt und das Projekt trotzdem funktioniert. Wie ist das möglich?

Aller Anfang ist schwer

Geschäftsführerin Christa Bausch erinnert sich an die schwierige Anfangszeit. „Wir wollten ein schönes Geschäft eröffnen und haben lange nach passenden Räumlichkeiten gesucht. Dieser Laden stand leer. Er wurde damals noch als Weihnachtspostamt und Treffpunkt genutzt, wo Weihnachtspakete für Flüchtlingskinder abgegeben und abgeholt wurden. Damals suchte die Flüchtlingshilfe genau wie wir nach einer Bleibe, um ein Café einzurichten. Wir beschlossen, uns zusammenzutun und die Miete zu teilen. Das erschien uns finanziell machbar.“

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Dennoch hatte Christa Bausch Bedenken, ob das Konzept funktionieren würde. Deshalb waren sie und ihre Mitstreiter vorsichtig und schafften sich zunächst nur eine möglichst günstige Ladeneinrichtung an. Auch sonst handelten sie risikobewusst. „Schon der erste Wareneinkauf war eine spannende Angelegenheit, denn wir hatten ja keinerlei Erfahrungen“, erzählt Christa Bausch.

Christa Bausch zeigt kunstvoll handgefertigte und fair gehandelte Taschen, die echte Unikate und trotzdem nicht teuer sind. Fotos: Gesa Walkhoff
Christa Bausch zeigt kunstvoll handgefertigte und fair gehandelte Taschen, die echte Unikate und trotzdem nicht teuer sind. Fotos: Gesa Walkhoff

Prompt mussten die frischgebackenen Ladenbesitzer feststellen, dass sie zwar gefühlt eine „Unmenge“ an Produkten eingekauft hatten, die Regale dennoch halb leer waren. Eine weitere Herausforderung kam mit dem ersten Weihnachtsgeschäft auf sie zu. „Andere Ladenbesitzer warnten uns, aber wir hätten uns das nicht vorstellen können. Die Kunden haben uns überrannt! Wir hatten bei Weitem nicht genügend Ware“, erinnert sich Christa Bausch. Doch die Ehrenamtlichen ließen sich nicht entmutigen. Stück für Stück entwickelten sie ihr Geschäft weiter, auch mit Unterstützung des Weltladen-Dachverbandes. Der half ihnen dabei, den Laden professionell zu führen. „Unsere Umsätze nehmen ständig zu. Wir haben eine jährliche Steigerung von 10 bis 20 Prozent“, kann Christa Bausch heute bilanzieren. Als hilfreich erweist sich dabei die Kombination von Laden und Café, die ursprünglich nur eine Notlösung war. „So ist immer Betrieb im Geschäft, jedenfalls außerhalb von Corona“, berichtet Christa Bausch.

Keramik im Weltladen: Fair gehandelt und ein echter Hingucker!
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Fair Einkaufen macht Spass

Obwohl für Christa Bausch und ihre 24 Mitstreiter fairer Handel längst Tagesgeschäft ist, engagiert sie sich im Steuerkreis „Fairtrade-Town Gifhorn“. Sie hat jede Menge Ideen, was aus diesem Projekt Positives für den globalen Süden, aber auch für Gifhorn selbst entstehen könnte. „Ich fände es charmant, wenn die Aktion noch mehr alternative Projekte nach Gifhorn bringen würde. Warum richten wir nicht ein Kaufhaus ein mit regionalen Produkten, die hier produziert und fair bezahlt werden? Außerdem sollte es normal werden, in der Gastronomie fairen Kaffee zu bekommen. Das wäre auch preislich machbar. Was fair geht, sollte fair sein!“, findet Christa Bausch. Darüber hinaus würde sie sich freuen, wenn so etwas wie ein Weltladen selbstverständlich wäre und die Leute nicht mehr fragen müssten: Weltladen – was ist das? „In Süddeutschland gibt es viel mehr Weltläden“, verrät sie.

Das Entscheidende aber sei, dass sich die Menschen hier mit dem Prinzip des fairen Handels auseinandersetzten. „Wir können viel darüber erzählen, wie fairer Handel funktioniert. Doch unser Angebot an Bildungsveranstaltungen und auch unsere Bildungsmaterialien für Schulen sind in Gifhorn noch nicht so angekommen. Auch darum ist der Austausch im Steuerkreis Fairtrade-Town wichtig!“

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