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Home Sonderthemen Gesundheit/Pflege Weltweiter Tag der Mundgesundheit am 20. März: Kauen statt bürsten?
12:26 13.03.2020
Foto: Kzenon – Fotolia.com / Informationsstelle für Kariesprophylaxe“
Axa Regionalvertretung Barysch & Barysch OHG
Zahnärzte am Nordkopf

Gesunde Zähne leisten einen wichtigen Beitrag zum Wohlbefinden. Rund um die Zahnpflege halten sich jedoch manche Mythen so hartnäckig wie die bakterielle Plaque an den Zähnen. Den Tag der Mundgesundheit am 20. März nimmt die Informationsstelle für Kariesprophylaxe (IfK) gemeinsam mit ihrem Sprecher Professor Stefan Zimmer zum Anlass, einige Mythen genauer unter die Lupe zu nehmen. So sind Patienten für den nächsten Zahnarztbesuch bestens gewappnet.

1. Mythos: Jeder sollte zwei Minuten lang Zähne putzen!

„Diese pauschale Empfehlung ist nicht haltbar, denn die individuelle Situation im Mund ist bei jedem anders“, erklärt Professor Zimmer, der einen Lehrstuhl für Zahnerhaltung und Präventive Zahnmedizin an der Universität Witten/Herdecke innehat. Es kann sein, dass manche Menschen nur zwei Minuten für das Zähneputzen benötigen. Andere können hingegen fünf Minuten brauchen. Wichtig ist, dass die bakterielle Plaque entfernt wird – nicht nur an der Innen- und Außenseite sowie auf den Kauflächen. „Bei der Zahnpflege werden oft die Zahnzwischenräume vergessen. Hier können sich Speisereste anlagern und Approximalkaries begünstigen, also Karies an den Berührungsflächen beieinanderstehender Zähne“, so Professor Zimmer. Dem kann man aber mit Zahnseide und Zahnzwischenraumbürstchen, sogenannten Interdentalbürsten, entgegenwirken.

Zahnarztpraxis 32-Zähne im Glück GmbH

2. Mythos: Die Art der Zahnbürste ist nicht für den Putzerfolg entscheidend!

Egal ob ein planes Borstenfeld oder eine Bürste mit Extra-Borsten – die Zähne werden sauber, denken viele Menschen. Doch weit gefehlt. „Studien zeigen uns, dass Bürstenkopfe mit wechselweise angeordneten kürzeren und längeren oder angewinkelten Borsten besser in Zahnzwischenräume und an den Zahnfleischrand gelangen. Gerade diese Stellen sind für Karies und Zahnfleischentzündungen oder sogar eine Parodontitis besonders gefährdet“, erklärt Professor Zimmer. Auch wenn eine elektrische oder eine Handzahnbürste viele technische Extras aufweist, putzt sie noch lange nicht von alleine. Sie bietet aber bestmögliche Unterstützung.

3. Mythos: Kaugummis ersetzen die Zahnbürste!

„Nach dem Essen einen Kaugummi“, empfiehlt die Werbung und suggeriert damit, dass das Zähneputzen erspart bleibt. Doch Professor Zimmer warnt vor diesem Mythos: „Das Kauen eines zuckerfreien Kaugummis regt den Speichelfluss an und neutralisiert damit Säuren im Mundraum, die für Karies verantwortlich sind. Aber Kaugummis entfernen kaum Plaque, in denen sich unter anderem die kariesverursachenden Bakterien tummeln.“ Deshalb kann der zuckerfreie Kaugummi die Zahnbürste nicht ersetzen. Wenn jedoch das Zähneputzen gerade nicht möglich ist, zum Beispiel nach Zwischenmahlzeiten, kann zuckerfreier Kaugummi, wenn er regelmäßig verwendet wird, einen sinnvollen Beitrag zur Zahngesundheit leisten“, argumentiert der Experte.

4. Mythos: Kinder sollen früh selbst ihre Zähne putzen!

Die ersten Milchzähne werden von den Eltern geputzt. Im Alter von drei bis sieben Jahren sollten Kinder spielerisch an die Zahnpflege herangeführt werden. Das ist wichtig, um die Akzeptanz langfristig zu steigern. Als einfach zu lernende Zahnputzmethode eignet sich für Kinder besonders die KAI-Methode. „Die Eltern sollten das Zähneputzen bis zu einem Alter von etwa acht Jahren überwachen und gegebenenfalls nachputzen“, rät Professor Zimmer. Erst wenn Kinder die Schreibschrift flüssig beherrschen, sind sie motorisch fähig, Zahnputzbewegungen genau auszuführen.

5. Mythos: Karies ist ansteckend!

Richtig ist, dass ein Mensch keimfrei zur Welt kommt und dass auch die Mundhöhle erst danach von Bakterien besiedelt wird. Einer dieser Keime ist Streptokokkus mutans, der nachweislich Karies verursachen kann und als Kariesleitkeim angesehen wird. Deshalb sind manche Zahnmediziner der Meinung, man müsse die Besiedelung mit Streptokokkus mutans vermeiden und könne so Karies verhindern. Teil dieser Strategie ist, dass man seine Kinder nicht küssen und ihren Löffel sowie den herunter gefallenen Schnuller nicht ablecken soll, um so die Keimübertragung zu verhindern. Diese Strategie greift aber zu kurz, denn in der Mundhöhle leben bis zu 1000 verschiedene Bakterienarten, deren Bedeutung wir größtenteils nicht kennen, von denen die meisten aber sicher nützlich für uns sind. Sie gehören nämlich zur normalen Mundflora und haben sich dort im Laufe einer langen Evolution etabliert. Die Empfehlungen, die Karies als Infektionskrankheit betrachten, greifen in die Etablierung dieser normalen Mundflora ein, ohne die Konsequenzen abschätzen zu können. Denn es wird ja damit nicht nur die Etablierung der „bösen“ Keime, sondern auch aller anderen beeinflusst. Im Übrigen ist Streptokokkus mutans keineswegs der einzige Keim, der Karies verursachen kann, und er erfüllt auch nicht die Bedingungen des Koch‘schen Postulats, die für die Definition einer Infektionskrankheit erforderlich sind. Mutans-Streptokokken haben keine hohe Pathogenität und ihre Anwesenheit ist mit Gesundheit und Kariesfreiheit sehr gut vereinbar. Das Problem ist die Ernährung. Durch zuckerreiche Ernährung schaffen wir ideale Bedingungen für Bakterien, die Karies verursachen können. Dadurch nimmt ihr Anteil an der Mundflora enorm zu und erst dadurch entsteht das Problem. Karies ist also eine ernährungsbedingte Zivilisationskrankheit und keine Infektionskrankheit.

6. Mythos: Fluoride sind für Erwachsene nicht wichtig!

Konsequente Zahnhygiene und eine achtsame Ernährung reichen nicht, um Karies zu verhindern. „Wichtig ist auch, dass ausreichend Fluoride zugeführt werden, da diese eine anerkannt hohe Kariesschutzwirkung haben, indem sie den Zahnschmelz für Karies unempfindlicher machen. Dies gilt nicht nur für Kinder mit Milchzähnen, wie häufig vermutet wird“, erklärt Professor Zimmer. Fluoridhaltige Zahnpflegemittel (Zahnpasten, Spüllösungen, Gelees) erreichen auch an bleibenden Zähnen eine lokale Schutzwirkung. Zusätzlich fördert die Verwendung von fluoridiertem Speisesalz eine gesunde Zahnentwicklung und eine geringere Kariesanfälligkeit. Von besonderer Bedeutung ist die lokale Wirkung von Fluorid als Prophylaxemaßnahme. Der Zahnschmelz wird damit vor einer Demineralisation geschützt – also vor dem Abbau von Mineralien aus dem Zahnschmelz durch verschiedene Säuren. Außerdem fördert Fluorid den Wiedereinbau von Mineralien in den Zahnschmelz. Fluorid wirkt somit nicht nur als Schutzschild, sondern auch als Reparaturfaktor bei beginnenden Kariesschäden.2. Mythos: Die Art der Zahnbürste ist nicht für den Putzerfolg entscheidend!

Egal ob ein planes Borstenfeld oder eine Bürste mit Extra-Borsten – die Zähne werden sauber, denken viele Menschen. Doch weit gefehlt. „Studien zeigen uns, dass Bürstenkopfe mit wechselweise angeordneten kürzeren und längeren oder angewinkelten Borsten besser in Zahnzwischenräume und an den Zahnfleischrand gelangen. Gerade diese Stellen sind für Karies und Zahnfleischentzündungen oder sogar eine Parodontitis besonders gefährdet“, erklärt Professor Zimmer. Auch wenn eine elektrische oder eine Handzahnbürste viele technische Extras aufweist, putzt sie noch lange nicht von alleine. Sie bietet aber bestmögliche Unterstützung.


Jeder kennt die unschönen und hartnäckigen Ablagerungen an den Zähnen, die sich nicht so einfach entfernen lassen: Zahnstein. Zunächst ein natürliches Phänomen, das sich bei mangelnder Mundhygiene aber zu einem echten Problem entwickelt. Um Erkrankungen am Zahnhalteapparat zu vermeiden, gilt es Zahnstein rechtzeitig zu entfernen.

Zahlreiche Bakterien tummeln sich in der Mundhöhle. Um sich zu vermehren, nutzen sie Zucker aus Essensresten und besiedeln vornehmlich schwer zugängliche Stellen. Zum Schutz bilden die Mikroorganismen eine feste Struktur, die sogenannte Plaque. Verbleibt dieser raue Belag länger auf den Zähnen, lagern sich Mineralien aus dem Speichel darauf ab und verhärten mit der Zeit. Infolgedessen bildet sich Zahnstein.

Grundsätzlich gilt er nicht als gefährlich. Allerdings schafft die raue Oberfläche ideale Bedingungen für weiteres Bakterienwachstum und begünstigen Zahnfleischentzündungen, die eine Entstehung von Parodontitis fördern. Auch Implantatträger bleiben nicht verschont, denn Zahnstein am Zahnersatz verursacht nicht selten eine Entzündung des Implantatbetts. „Die Behandlung gilt es, unbedingt einem Facharzt zu überlassen. Mithilfe von speziellen Instrumenten trägt der Arzt oder ein zahnmedizinischer Fachangestellter die entstandenen Verkalkungen ab“, erläutert Dr. Dr. Manfred Nilius, M. Sc., Facharzt für Mund-, Kiefer- und Plastische Gesichtschirurgie. Gesetzliche Krankenkassen übernehmen einmal im Jahr die anstehenden Kosten für eine professionelle Zahnsteinentfernung.

Generell aber gilt: Gute Mundhygiene inklusive professioneller Zahnreinigung wirkt dem Entstehen neuer Ablagerungen effektiv entgegen.
        

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