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Home Sonderthemen Sport/Vereinsleben Wieder da!
12:40 18.09.2019
Abpfiff in Madrid: Cristiano Ronaldo hat den VfL Wolfsburg im April 2016 mit drei Toren aus der Champions League befördert. DPA
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Von Andreas Pahlmann 

WOLFSBURG. Als er beim Schlusspfiff auf dem Rasen des Estadio Santiago Bernabeu zusammensackt, ist keine Freude in seinem Gesicht zu sehen, sondern nur ganz viel Erleichterung. Cristiano Ronaldo hat an diesem Abend des 12. April 2016 so ziemlich alles zeigen müssen, was ihn ausmacht, um den VfL Wolfsburg aus dem internationalen Wettbewerb zu schubsen. Eine Hereingabe von Daniel Carvajal hat er aus fünf Metern über die Linie gedrückt, eine Ecke von Toni Kroos eingeköpft und schließlich einen Freistoß aus 23 Metern durch die Mauer unten rechts ins Eck gezirkelt. Drei Tore des größten Fußballers seiner Zeit sind nötig, damit Real Madrid nach der 0:2-Niederlage in Wolfsburg zwei Wochen zuvor doch noch in das Halbfinale der Champions League einziehen kann.

Für den VfL endet mit dieser Niederlage eine Ära, auch wenn das damals noch nicht ganz klar ist. Das Zeitalter der Träume, der Ambitionen auf eine Königsklassen-Dauerkarte und der großen Super-Transfers sind vorbei, Trainer Dieter Hecking und Manager Klaus Allofs werden am Ende des Jahres nicht mehr im Amt sein.

Komplettpaket der Fußball-Emotionen

Europa – das ist für den VfL seit diesem Abend in Madrid die Erinnerung an große Spiele, an einen auch im internationalen Maßstab erfolgreichen Fußball. An Siege, die dann aber doch nur die Fallhöhe vergrößerten, ehe 2017 und 2018 die Bruchlandung folgte und der Totalschaden in Relegationsduellen mit Eintracht Braunschweig und Holstein Kiel noch gerade so vermieden werden konnte. Pokalsieger, Vizemeister, Fast-Real-Bezwinger, Fast-Absteiger: das Wolfsburger Komplettpaket der Fußball-Emotionen.


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Jetzt, im September 2019, ist der VfL wieder da. Es ist nicht die Champions League, sondern nur die kleine, als zunehmend weniger hübsch angesehene, Schwester. Doch dass auch die Europa League das bieten kann, was man gemeinhin „großen Fußball“ nennt, weiß man in Wolfsburg: Atletico Madrid und AC Mailand (als der Wettbewerb noch UEFA-Cup hieß), FC Fulham und Sporting Lissabon, Inter Mailand und SSC Neapel – die Sammlung der getauschten Wimpel kann sich sehen lassen.
  

Großer Sieg in der Europa League: Der VfL (l. Daniel Caligiuri) warf Inter Mailand (r. Freddy Guarin ) raus. DPA
Großer Sieg in der Europa League: Der VfL (l. Daniel Caligiuri) warf Inter Mailand (r. Freddy Guarin ) raus. DPA

Und oft genug halfen die internationalen Auftritte dabei, eine national überraschend erfolgreiche VfL-Mannschaft zu formen. Dass Wolfsburgs Team 2008 ohne Niederlage die europäische Gruppenphase überstand, war ein wichtiger Baustein auf dem Weg zu diesem unfassbaren Selbstvertrauen, dass die Spieler von Trainer Felix Magath ein paar Monate später zur Meisterschaft trieb. Und Vizemeisterschaft und Pokalsieg 2015 wären kaum möglich gewesen ohne die breite Brust nach Triumphen gegen Sporting und Inter in der Europa League.


1255 Tage nach dem 0:3 in Madrid darf der VfL Wolfsburg wieder international Fußball spielen.


Die anschließende Champions-League-Saison zeigte dann aber die Kehrseite. Ein für internationale Aufgaben zusammengestellter Kader bekam den Spagat zwischen Liga-Alltag und europäischem Fußball nicht hin, Julian Draxler, André Schürrle und Co. sahen sich mehr und mehr dem Vorwurf ausgesetzt, nur glänzen zu können (und zu wollen), wenn die Scheinwerfer der Aufmerksamkeit die ganz große Bühne erleuchteten. Der größte Wolfsburger Erfolg auf internationaler Ebene, der Einzug ins Viertelfinale der Champions League, legte damit auch schon die Saat für die Diskussion, die dem VfL nachhaltig schadete – und in der es immer mehr darum ging, dass VfL-Spieler gar nicht so richtig gern in Wolfsburg leben und kicken. Draxlers Ich-willweg-Interview knapp vier Monate nach dem Spiel bei Real wirkte da wie ein Brandbeschleuniger.

Es ist ein Erfolg und keine bloße Pflichterfüllung

Es dauerte zwei Jahre und kostete viele unnütze Transfermillionen, bis der VfL sich aus dieser Klemme befreit hatte. Unter Manager Jörg Schmadtke und Sportdirektor Marcel Schäfer wird mehr denn je Wert darauf gelegt, dass sich die Mannschaft des VfL und die Menschen der Stadt miteinander identifizieren können. Der Einzug in die Europa League, gesichert im vergangenen Mai durch ein furioses 8:1 gegen den FC Augsburg, zeigt, dass sportlicher Erfolg auch möglich ist, wenn man keine 30 oder mehr Millionen für neue Spieler ausgibt.

Und so darf der VfL 1255 Tage nach dem 0:3 in Madrid wieder international Fußball spielen. Dass FC Olexandrija, AS Saint-Etienne und KAA Gent keine klangvollen Namen haben und dass die Volkswagen-Arena womöglich alles andere als voll werden wird, mag in der kurzfristigen Betrachtung immer mal wieder eine Rolle spielen, wirklich wichtig ist es nicht. Wichtiger ist, dass die Teilnahme am europäischen Geschäft in Wolfsburg als Erfolg gewertet wird und nicht als bloße Pflichterfüllung – egal, ob Cristiano Ronaldo gegen den VfL sein Bestes geben muss oder der Tabellendritte der ukrainischen Premjer Liga.
  

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