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Home Sonderthemen Neues aus Wolfsburg und Umgebung Wo der Familienbetrieb noch eine Bedeutung hat
11:33 14.09.2018
Foto: istockphoto.com/ Hyrma
Detlef Kuhn
M+H Schultz GmbH
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Sie gab dem Hof und dem nahe gelegenen Hotel den Namen und war sogar noch bis in die Achtzigerjahre des vorigen Jahrhunderts zum Schroten von Getreide in Betrieb: die 1740 gebaute Windmühle am östlichen Ortsrand von Weyhausen. Seit 1903 ist sie im Besitz der Familie Volk, und Hubert Volk sen. hatte auf heimischem Boden sogar noch das Müllerhandwerk gelernt. Doch spätestens nach einem Blitzschlag im Jahre 1952, der die Flügel völlig zerstörte, warf die Mühle nur noch Einkünfte für einen Nebenerwerb ab. Hubert Volk jun. war es, der den Betrieb 1990 von seinem Vater übernahm, um wieder hauptberuflich Landwirtschaft zu betreiben. Er baute den Kartoffel- und Gemüseanbau immer weiter aus und begann mit der Direktvermarktung auf Wochenmärkten in Wolfsburg und Fallersleben.


„Auch viele andere Leute haben einen anstrengenden Job und tanken Kraft zum Beispiel durch ein Hobby. Wir brauchen das nicht, denn unser Beruf ist unser Hobby.“


Dort lernte er auch seine spätere Ehefrau Katrin kennen. Sie sitzt nun frühmorgens am Schreibtisch im Büro und erledigt die Verwaltungsarbeit des Betriebes, bevor sie sich um den Hofladen kümmert, dessen Pforten um 9 Uhr öffnen. Während die Mama die Buchhaltung macht, können sich die Söhne Alexander und Felix noch mal im Bett umdrehen, bevor auch sie aufstehen und zur Schule müssen.

So oft es geht ein Team: Hubert Volk Junior und Senior. Foto: Photowerk
So oft es geht ein Team: Hubert Volk Junior und Senior. Foto: Photowerk
Früh übt sich: Wo sie können, packen die Söhne Alexander und Felix Volk mit an. Foto: Photowerk
Früh übt sich: Wo sie können, packen die Söhne Alexander und Felix Volk mit an. Foto: Photowerk

DIE KÜCHE ALS LEBENSMITTELPUNKT

Doch auch wenn die Familie vormittags in alle Himmelsrichtungen verstreut ist, sehen sich doch zumindest einige um Punkt 12 Uhr wieder. Denn komme, was wolle, Katrin Volk lässt es sich nicht nehmen, jeden Tag für die Familie und einige Mitarbeiter zu kochen. Dann wird die Küche im Wohnhaus zum Lebensmittelpunkt. Dafür legt selbstverständlich auch Hubert Volk sen., der mit seinen 82 Jahren wo es geht rüstig mit anpackt, seine Arbeit nieder. „Das Wort ‚Familienbetrieb‘ trifft bei uns nicht nur zu, weil hier drei Generationen leben und arbeiten, sondern weil auch unsere Mitarbeiter quasi zur Familie gehören, so wie es in landwirtschaftlichen Betrieben früher überall üblich war. In dieser wunderbar vertrauten Atmosphäre fühlen sich alle wohl“, schwärmt Katrin Volk. Und wie es früher weit verbreitet war, wird ein Teil der Produkte wie Marmeladen, Kartoffelsalate und Liköre noch in einer separaten Küche im Keller zubereitet. Künftig sollen all diese Arbeiten wegen der großen Nach- frage an den Hofladen auf der anderen Straßenseite gekoppelt werden. Dort entsteht zurzeit ein weiterer Anbau, unter anderem für eine noch größere Küche – das Geschäft floriert.


„Ohne unsere Mitarbeiter würde das alles so nicht funktionieren. Sie sind ein Teil unseres Erfolgs.“


WACHSTUM MIT BEDACHT

Die Eltern leidenschaftliche Workaholics mit unkonventionellen Arbeitszeiten – der ideale Nährboden für Burnout und Familienkrise? „Im Gegenteil, genau so, wie wir unsere Arbeitszeiten nach den anstehenden Arbeiten klar strukturieren, schaffen wir Zeitfenster für die Freizeit mit der Familie. Ob wochentags für Hilfe bei den Hausaufgaben der Jungs, Unternehmungen an unseren freien Sonntagen oder Urlaub am Meer, diese Zeit nehmen wir uns und da rauf können sich alle verlassen“, versichert Hubert Volk jun. Kaum zu glauben, wenn man bedenkt, dass der Mühlenhof seit Jahren stetig wächst. Und für die Bewirtschaftung der 66 Hektar Land, der Gewächshäuser, das Wochenmarkt-Geschäft und den Betrieb des Hofladens stehen der Familie Volk gerade mal vier Festangestellte und sechs Teilzeitkräfte zur Seite. „Ohne unsere Mitarbeiter würde das alles so nicht funktionieren. Sie sind ein Teil unseres Erfolgs. Hinzu kommt: Die Kunst besteht darin, nur kleine Schritte zu gehen. Erst seit wir wissen, dass immer mehr Kunden in unseren Laden nach Weyhausen kommen, bauen wir Stück um Stück aus, erweitern unsere Produktpalette zum Beispiel um originelle Präsentkörbe mit Spezialitäten und Dekoartikeln und richten eine kleine Klön ecke ein, wo es donnerstags frisch gebackenen Kuchen gibt. So können wir wachsen, ohne dass unsere Familie an Lebensqualität einbüßen muss“, verrät Katrin Volk.

LANDWIRTE AUS LEIDENSCHAFT

Mit feinen Sensoren wirtschaften und die Marktlage prüfen musste Hubert Volk jun. schon, als er 1991 entschied, den väterlichen Hof in vierter Generation fortzuführen. Allerdings nicht, wie der Vater, im Nebenerwerb, sondern als Fulltime-Landwirt. Ein mutiger Schritt, denn bereits in den 70er- und 80er-Jahren blieben Hunderttausende landwirtschaftliche Betriebe in Deutschland auf der Strecke. Doch Hubert Volk jun. und ein paar Jahre später seine Frau Katrin trotzten den Widrigkeiten des Marktes mit Qualitätsprodukten, solider Geschäftspolitik und – viel wichtiger noch – mit ihrer Berufsauffassung. „Auch viele andere Leute haben einen anstrengenden Job und tanken Kraft zum Beispiel durch ein Hobby. Wir brauchen das nicht, denn unser Beruf ist unser Hobby. Ob die Arbeit auf dem Feld, in der Küche oder der Umgang mit unseren Kunden und den Mitarbeitern, wir machen das alles mit Leidenschaft, und das hält uns fit“, versichert Hubert Volk jun. Und dennoch gibt es auch tagsüber Momente, wo sich das Ehepaar Volk eine kleine Auszeit gönnt. Dann kuscheln sich die beiden Ostsee-Fans in den Strandkorb mit Blick auf den kleinen Pool und träumen schon mal vom bevorstehen den Familienurlaub – diesmal sogar in der Toskana. (jv)

Immer mehr Produkte entstehen in der Wirtschaftsküche. Das Motto lautet: Vom Feld ins Glas. Dazu gehört eine bunte Vielfalt an Fruchtaufstrichen und Gelees, Chutneys, Likören – aus selbst entsafteten Holunderbeeren ist gerade wieder ein besonders leckeres Schlückchen entstanden. Bald wird wieder der Rot- und Grünkohl eingekocht, vorher gibt’s aber erst mal noch verschiedene Kürbisleckereien. Da auch die Herstellung von Kartoffelsalat, Nudel- und anderen Salaten sehr gut bei den Kunden ankommen, hat sich das Ehepaar Volk entschieden, eine modern eingerichtete Wirtschaftsküche direkt auf das Betriebsgelände neben dem Hofladen zu bauen. Geplant ist die Fertigstellung noch im Herbst 2018.

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