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Home Sonderthemen Aus der Geschäftswelt Wohlstand und Sicherheit ermöglichen
13:45 01.10.2018
Im einvernehmlichen Handeln liegt die große Stärke der Genossenschaftsidee.
Bruno Nebelung GmbH
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Mehr als 8000 Genossenschaften und genossenschaftliche Unternehmen gibt es in Deutschland. Gemeinsam bilden sie das Rückgrat der mittelständischen Wirtschaft. Weltweit schaffen sie mehr als 100 Millionen Arbeitsplätze und ermöglichen Menschen Wohlstand und Sicherheit.

Genossenschaften wirtschaften nachhaltig und verantwortungsbewusst, sie fördern ihre Mitglieder und sind fest in der Region verankert. Ob Kreditgenossenschaften, ländliche oder gewerbliche Genossenschaften: Hinter jeder einzelnen verbergen sich Gründer, Mitglieder und eine starke Idee. Die Ziele laut der Westerwälder Erklärung von 2017 im Überblick:

I. Die Soziale Marktwirtschaft erhalten

Das übersteigerte Streben nach Rendite hat allzu oft den einzelnen Menschen aus dem Blick verloren. Dem System des Shareholder Value stellen Genossenschaften das Modell des Member Value gegenüber. In Genossenschaften werden Gewinne nicht an anonyme Investoren ausgeschüttet, sondern im Sinne der Mitglieder in das wirtschaftliche Fundament der Genossenschaft investiert.

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II. Die mittelständische Wirtschaft stärken

Mittelständische Unternehmen sind das Rückgrat der Wirtschaft und Gesellschaft. Ihre Position soll im globalen Wettbewerb gestärkt werden. Genossenschaften unterstützen ihre Partner darin, die Herausforderungen in ihren jeweiligen Märkten zu bewältigen.

III. Den mündigen Verbraucher fördern

Verbraucher sind zunehmend kritisch und selbstbewusst. Gerade dem Bild des mündigen Bürgers entspricht die Genossenschaftsidee. Partnerschaft und das Ziel einer fairen langfristigen Verbindung stehen im Vordergrund.

IV. Eine intakte Daseins vorsorge erhalten

Mit Genossenschaften können soziale Infrastrukturen wie Wohnungen, Seniorenheime oder Kindertagesstätten betrieben werden. Menschen sollen ohne Zukunftsängste leben – egal ob in einer Metropole oder auf dem Land.

V. Die demokratische Kultur beleben

In Genossenschaften können Menschen die Lösung lokaler Probleme in die eigene Hand nehmen. Sie sollen demokratische Meinungsbildung vor Ort erfahren und durch Selbsthilfe, Selbstverantwortung und Selbstverwaltung neue Chancen der Partizipation nutzen können.

VI. Eigenverantwortliche Bürger ausbilden

Jungen Menschen soll der Wert der Eigenverantwortung nähergebracht werden. In Schüler-Genossenschaften können Jugendliche lernen, ihr Schul-Leben mitzugestalten und anhand eigener Ideen und Vorstellungen zu verbessern.

VII. Die Not der Ärmsten bekämpfen

Das Prinzip von „Hilfe zur Selbsthilfe“ hat in Deutschland Menschen den Weg aus bitterster Armut eröffnet. Heute soll damit auch die Not in Entwicklungsländern bekämpft werden. Schon gegenwärtig versorgen sich viele Menschen in diesen Entwicklungsländern dank der Arbeit in Genossenschaften weitgehend selbst.


Friedrich Wilhelm Raiffeisen hat die Genossenschaftsbewegung geprägt. Foto: Raiffeisenverband
Friedrich Wilhelm Raiffeisen hat die Genossenschaftsbewegung geprägt. Foto: Raiffeisenverband

Der Begriff Raiffeisen ist den meisten Menschen bekannt. Aber oftmals wissen sie nicht, dass dieser von einem Mann herrührt, dessen Name aus der Sozialgeschichte nicht wegzudenken ist: Friedrich Wilhelm Raiffeisen, einer der einflussreichsten Gründerväter der genossenschaftlichen Bewegung in Deutschland. Sein Geburtstag jährt sich zum 200. Mal.

In der Mitte des 19. Jahrhunderts entwarf Raiffeisen aus einer Notsituation heraus das Konzept eines genossenschaftlichen Vereins, so die Deutsche Friedrich-Wilhelm-Raiffeisen- Gesellschaft. Dieser sollte die Chancen der hungernden Bauern in seiner Gemeinde auf ein würdiges Leben verbessern. In der Folge entwickelte der Reformer seine Idee weiter und wurde so zu einem der Väter des Genossenschaftswesens in Deutschland und weltweit. Sein berühmtestes Zitat lautet: „Was einer allein nicht schafft, das schaffen viele.“

Friedrich Wilhelm Raiffeisen wurde am 30. März 1818 in Hamm an der Sieg im heutigen Rheinland-Pfalz geboren. Die tief religiöse Mutter und sein Patenonkel, der Pfarrer Seippel, prägten seine Erziehung. Die soziale Situation der Familie verhinderte eine höhere Schulbildung des begabten Raiffeisen, sein Patenonkel förderte ihn aber weit über das normale Schulwissen der Zeit hinaus.

Nach kurzer Tätigkeit in der preußischen Verwaltung im Oberpräsidium Koblenz wurde er in die Kreisverwaltung Mayen in der Eifel versetzt. Seine Vorgesetzten erkannten seine Begabung und schickten ihn bereits 1845 als Bürgermeister nach Weyerbusch im Westerwald. Der junge Bürgermeister wurde schon kurz nach seinem Amtsantritt vor große Herausforderungen gestellt: Das Schulgebäude war in einem desolaten Zustand und eine Hungersnot drohte auch in seiner Gemeinde. Viele Bauern waren verarmt und konnten sich nicht mehr das Mehl leisten. Raiffeisen traf eine mutige Entscheidung und gab von der Regierung zur Verfügung gestelltes Getreide gegen Schuldscheine an die Bauern aus, obwohl er dadurch sein Amt riskierte.

Raiffeisen gründete den sogenannten „Brodverein“ und überzeugte wohlhabende Bürger, diesem finanzielle Mittel zur Verfügung zu stellen. Damit konnte der Bürgermeister zunächst das Korn bezahlen. Mehr noch: Er kaufte für das Geld Kartoffeln und Saatgut und baute ein Backhaus, in dem günstig Brot gebacken werden konnte. Seine Strategie zahlte sich aus. Als im nächsten Jahr die Ernte wieder besser war, konnten die Bauern ihre Schulden bezahlen.

1848 wurde Raiffeisen auf eigenen Wunsch ins benachbarte Flammersfeld versetzt. Dort setzte er sich intensiv mit den Geldverleihern, die Wucherzinsen verlangten, auseinander. Um ihnen das Handwerk zu legen, gründete er den „Hülfsverein für die unbemittelten Landwirthe“. Es gelang ihm, 60 Familien dafür zu gewinnen, in diesen Hülfsverein einzuzahlen, um den vom Wucher und Hunger bedrohten Familien zu helfen. Anfangs waren nur die Geldgeber Mitglied im Hülfsverein – nicht die Mittelempfänger. Erst im Darlehnskassen-Verein von Anhausen und Heddesdorf mussten die Kreditnehmer Mitglied des Vereins werden – ein wichtiger Entwicklungsschritt: Die Grundlagen für die Raiffeisenschen Genossenschaften waren damit endgültig gelegt.

Raiffeisens Schaffen fand bereits zu seinen Lebzeiten große Beachtung und Anerkennung. So verlieh ihm Kaiser Wilhelm 1884 den Roten Adlerorden. 1888 wurde für ihn die Ehrendoktorwürde von der philosophischen Fakultät der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn beantragt. Doch er verstarb, bevor die Beschlussfassung stattgefunden hatte, an den Spätfolgen einer Lungenentzündung.

Gemeinsam zu mehr Wohlstand für alle: Die UNESCO hat das gewürdigt.
Gemeinsam zu mehr Wohlstand für alle: Die UNESCO hat das gewürdigt.

Die „Raiffeisenfamilie“ feiert in diesem Jahr den 200. Geburtstag des großen Genossenschaftsgründers und Sozialreformers Friedrich Wilhelm Raiffeisen. Seine Idee bewegt weiterhin Menschen und Märkte.

Die Genossenschaftsidee wurde 2016 von der UNESCO in die Repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit aufgenommen. Mehr als 22 Millionen Menschen in Deutschland sind Mitglied einer Genossenschaft und immer mehr Menschen entdecken diese Form des gemeinschaftlichen Wirtschaftens – ob auf der Suche nach fairen Finanzprodukten, nachhaltiger Landwirtschaft, unabhängiger Energieversorgung oder bezahlbarem Wohnraum: Hier zählt das Wohl aller, nicht der Profit weniger.

2018 heißt es deshalb unter der Schirmherrschaft von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier: „Mensch Raiffeisen. Starke Idee!“ Mehr erfahren Interessierte unter www.raiffeisen2018.de.

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