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Home Sonderthemen Gesundheit/Pflege Zeigt her eure Zähne!
11:59 09.03.2018
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Von Angela Stoll    

Die richtige Pflege für ein gesundes Gebiss – reicht es, die Zähne mit der Zahnbürste zu putzen? Und falls ja, wie oft? Zweimal pro Tag oder doch besser, wie einst empfohlen, nach jeder Mahlzeit? Experten beantworten Fragen rund um das Thema Zahngesundheit:

Wie oft sollte man Zähne putzen?

Früher galt die Devise: Nach jeder Mahlzeit Zähne putzen! Davon sind Zahnärzte inzwischen abgerückt. „Bakterielle Beläge brauchen Zeit, um ihre krank machende Wirkung zu entfalten“, sagt Prof. Dr. Dietmar Oesterreich, Vizepräsident der Bundeszahnärztekammer. Allgemein gilt heute: Zweimal täglich gründlich putzen reicht, auch bei Kindern. Vor allem abends sollte man es aber mit der Mundhygiene genau nehmen, da der Körper in der Nacht weniger Speichel produziert und die Zähne dadurch besonders angreifbar sind.


Grundsätzlich kann jedes Füllungsmaterial allergische Reaktionen auslösen.

Prof. Dr. Dietmar Oesterreich, Vizepräsident der Bundeszahnärztekammer


Beugen Zahnseide und Zahnzwischenraumbürsten Karies vor?

Ja, davon gehen Experten aus. „Mit der normalen Bürste erreicht man nur etwa 70 Prozent der Zahnoberfläche“, sagt Oesterreich. Um die anderen Bereiche von schädlichem Belag zu befreien, braucht es Spezialwerkzeug. Dennoch haben Zahnseide und Zahnzwischenraumbürsten in Studien zur Wirksamkeit nicht gut abgeschnitten. Möglicherweise liegt das daran, dass sie oft falsch verwendet werden. So erklärt Prof. Dr. Stefan Zimmer, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Präventive Zahnmedizin: „Zahnseide richtig zu handhaben ist recht kompliziert. Das überfordert viele Leute.“ Manche Patienten verletzen sich sogar am Zahnfleisch. „Wird Zahnseide professionell angewandt, hat sie sich als effektiv erwiesen.“ Auch mit Interdentalbürsten (Zahnzwischenraumbürsten) tun sich viele schwer. „Gerade ältere Patienten mit eingeschränkter Feinmotorik erwischen die Zwischenräume manchmal nicht“, berichtet Zimmer. Außerdem sind die Bürsten nur dann wirksam, wenn sie die richtige Größe haben. Entscheidend ist daher eine gute Beratung beim Zahnarzt. Welches Produkt am besten zum Patienten passt, ist nämlich unterschiedlich. Außerdem sollte man sich die Anwendung zeigen lassen – wenn nötig, auch mehrmals.

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Reinigen elektrische Zahnbürsten besser?

„Elektrische Zahnbürsten sind effektiver als Handzahnbürsten, wenn die Putzzeit gleich ist“, sagt Zimmer. Auch eine Übersichtsarbeit der Cochrane Collaboration bescheinigt den elektrischen eine leichte Überlegenheit gegenüber herkömmlichen Bürsten: Zahnbelag wird dadurch gründlicher entfernt. Am besten sind die Vorteile für „rotierend-oszillierende“ Bürsten belegt, bei denen sich ein kleiner Kopf erst in die eine, dann in die andere Richtung dreht. „Hier ist aber die Putztechnik wichtig“, sagt Zimmer. „Es gibt immer wieder Anwender, die damit hin- und herschrubben.“ Die Bürste muss man jedoch von Zahn zu Zahn und immer am Zahnfleischrand entlangführen. Für Menschen mit eingeschränkter Feinmotorik, etwa Senioren und Kinder, sind Schallzahnbürsten besser geeignet. Sie haben einen länglichen Kopf und reinigen zwei bis drei Zähne auf einmal, indem die Borsten rasch hin- und herschwingen. Das ist schneller, geht aber mitunter auf Kosten der Gründlichkeit. Wer mit einer Handzahnbürste gut zurechtkommt, braucht nicht zu wechseln. Damit kann man das gleiche Ergebnis erzielen wie mit einer elektrischen Bürste.

Was die Zahnpasta nicht schafft, kann ein Bleaching beim Zahnarzt wettmachen.FOTO: DPA
Was die Zahnpasta nicht schafft, kann ein Bleaching beim Zahnarzt wettmachen.FOTO: DPA

Kann Amalgam Migräne auslösen?

Eher nicht. Amalgam enthält zwar giftiges Quecksilber. Daher wird seit vielen Jahren diskutiert, ob Amalgamfüllungen gesundheitsschädlich sind. Angeblich spielt der Stoff bei zahlreichen Krankheiten eine Rolle – von Alzheimer über Bluthochdruck bis hin zu Krebs. Wissenschaftlich belegt ist das laut Bundeszahnärztekammer nicht. Unbestritten bleibt, dass manche Patienten allergisch auf den Stoff reagieren. „Grundsätzlich kann aber jedes Füllungsmaterial allergische Reaktionen auslösen“, erklärt Oesterreich. Sogar Gold ist – wegen zusätzlicher Stoffe in der Legierung – nicht immer unproblematisch. Wer im Mund Schmerzen, Rötungen oder Schwellungen nach Einsatz einer neuen Füllung bemerkt, sollte daher zum Zahnarzt gehen. Möglicherweise liegt eine Allergie vor. „So etwas ist aber selten“, betont Oesterreich.

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Wie viel Bleaching ist vertretbar?

Das ist unklar. Zunächst: Wer seine Zähne bleichen will, sollte zum Zahnarztcheck. Bei Karies oder Zahnfleischentzündungen kann Bleichmittel Schmerzen auslösen und das Gebiss schädigen. Außerdem ist eine Beratung wichtig: „Man sollte erst mal eine professionelle Zahnreinigung vornehmen. Dadurch werden oft schon viele Verfärbungen beseitigt“, sagt Oesterreich. Will der Patient mehr, schadet ein fachkundig durchgeführtes Bleaching in der Regel nicht. Allerdings sollte man den Zähnen danach eine Pause gönnen, damit der Zahnschmelz nicht angegriffen wird. „Klar ist, dass man nicht mehrmals im Jahr bleachen sollte.“ Und was bringt Weißmacher-Zahncreme? Damit kann man allenfalls oberflächliche Verfärbungen entfernen. Außerdem sollte man sie besser nicht regelmäßig verwenden: Pasten mit hohem Putzkörperanteil können die Zahnoberfläche verletzen – ähnlich wie Schmirgelpapier.

Zwischenräume: Wohin die Zahnbürste nicht kommt, da kann Zahnseide oder Reinigungsband helfen. FOTO: FOTOLIA
Zwischenräume: Wohin die Zahnbürste nicht kommt, da kann Zahnseide oder Reinigungsband helfen. FOTO: FOTOLIA

Wie wirken sich Zahnbeschwerden auf den Körper aus?

Vielfältig. Man geht davon aus, dass Parodontitis das Risiko für Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Frühgeburten und Gelenkerkrankungen erhöht. „Wissenschaftlich am besten belegt ist der Zusammenhang bei Diabetes“, sagt Zimmer. So verstärken sich Parodontitis und Diabetes, zudem spielt die Entzündung offenbar als Auslöser der Zuckerkrankheit eine Rolle. Aber auch eine chronische Karies kann schwere Folgen haben. Oesterreich: „Wenn die Bakterien in die Blutbahn gelangen, droht im Extremfall eine lebensgefährliche Blutvergiftung.“ Abgesehen davon belasten die Giftstoffe, die Bakterien bei einer chronischen Karies absondern, den Körper. Das kann zu diffusen Beschwerden führen. „Gesunde Zähne sind elementar für einen gesunden Körper“, so Oesterreich.

Keine Kassenleistung: Was zur Zahnreinigung beim Zahnarzt gehört

Zu einer guten professionellen Zahnreinigung gehören auch Pflegetipps für den Patienten. Darauf weist die Zeitschrift „Finanztest“ (Ausgabe 3/2018) hin. Patienten müssen die Reinigung beim Zahnarzt selbst bezahlen, denn sie gilt bei den Krankenkassen nicht als medizinisch notwendige Leistung. Im Schnitt liegen die Kosten zwischen 80 und 120 Euro, in besonders aufwendigen Ausnahmefällen aber auch mal höher. Einige Krankenkassen gewähren den Testern zufolge aber Zuschüsse – meist zwischen 35 und 60 Euro pro Jahr. Von den 74 getesteten Krankenkassen hat mehr als die Hälfte (42) die Zahnreinigung bezuschusst – sprich, der Versicherte hat die Rechnung bei der Kasse eingereicht und einen Teil der Kosten erstattet bekommen. Mitunter war allerdings die Teilnahme an einem Bonusprogramm der Krankenkasse Voraussetzung für die Kostenerstattung.

Die Zahnreinigung sollte von geschultem Praxispersonal durchgeführt werden. Die Reinigung beginnt mit einer Bestandsaufnahme: Wie sehen die Zähne aus, wo sitzen Beläge? Beläge werden mit Handinstrumenten oder Ultraschallgeräten, dann mit Bürsten oder einem Pulver-Wasser-Strahl entfernt. Die Zahnzwischenräume reinigt die Fachkraft mit Zahnseide, Interdentalbürstchen oder Spezialstreifen. Schließlich folgt das Polieren der Zahnoberflächen. Zum Schluss wird noch ein schützender Lack aufgetragen.

Zahnmedizinisches Kompetenzzentrum Reiche & Partner

SPRECHSTUNDE - DR. JOHANNES BRUNS

Vorsorge wird unterschätzt

Hautkrebs- oder Mammografie-Screening – Kritiker bemängeln, dass die Datenlage für die gesetzlich geregelten Krebsfrüherkennungsmaßnahmen in Deutschland schwach sei; Befürworter halten dagegen, man müsse trotzdem den Wunsch der Bevölkerung nach Früherkennung respektieren.

Warum dieser Zwist? Die überwiegende Mehrheit der Screeningteilnehmer ist nicht von Krebs betroffen. Nur tatsächlich Erkrankte profitieren von der Früherkennung, und auch nur dann, wenn die Betroffenen durch eine frühe Tumortherapie weniger beeinträchtigt werden als durch die Therapie bei einem spät erkannten Tumor. Bis auf Weiteres sollten sich Versicherte gut über Nutzen und Risiken der bestehenden Früherkennungsangebote bei ihren Kassen informieren. Nicht minder wichtig: Ein positiver Befund sollte qualitätsgesichert, nach den Empfehlungen der medizinischen Leitlinien abgeklärt werden, zum Beispiel an einem von der Deutschen Krebsgesellschaft zertifizierten Zentrum (www.oncomap.de).

Dr. Johannes Bruns ist Generalsekretär der Deutschen Krebsgesellschaft.

www.oncomap.de


SO WIRKT DAS

Ramipril

Bei körperlicher Belastung bildet der Körper das Hormon Angiotensin II, das die Blutgefäße verengt und den Blutdruck erhöht. Zudem regt es die Produktion des blutdrucksteigernden Hormons Aldosteron an. Der Wirkstoff Ramipril senkt den Blutdruck. Sinkt der Blutdruck, wird das Herz entlastet.

Platz fünf der Rangliste der 2016 am häufigsten verordneten Wirkstoffe nach dem Arzneiverordnungsreport 2017 des Wissenschaftlichen Instituts der AOK auf Grundlage der Krankenversicherung.


GROSSMUTTER WEISS RAT

Senfpackerl gegen Schmerzen

Die ätherischen Öle von Senfkörnern wirken desinfizierend und krampflösend; sie helfen bei Kopfschmerzen, Rheumatismus und Entzündungen. Zwei Esslöffel Senfkörner mit einem Esslöffel warmem Wasser im Mörser zu einem Brei verarbeiten. Die Paste wird auf Tuch aufgetragen und auf die betroffene Stelle gelegt. Senf reizt die Schleimhäute und sollte nicht ins Auge gelangen. iff

Das Rezept stammt aus dem Buch „Zwiebelwickel, Essigsocken & Co.: Traditionelle Heilmittel neu entdeckt“ von Karin Berndl und Nici Hofer, Eden Books, 14,95 Euro.

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