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Home Sonderthemen Neues aus Wolfsburg und Umgebung Erfolge geben Kraft für neue Aufgaben
05:16 13.04.2018
Geballte Frauenpower im Feier-Modus: Am Internationalen Frauentag genießen Astrid Wonde, Gayle Tufts und Anja Meier die Früchte ihres Engagements (v. l.).

Sie meinten es nicht böse, die älteren Herren Kommunalpolitiker, als Ende der neunziger Jahre nach und nach „sogenannte Frauenbeauftragte“ vom Gesetzgeber in die Verwaltungen gepflanzt wurden. „Birkenstock und lila Pumphosen zeigen uns jetzt, wo’s langgeht“, unkten die Honoratioren. Was Astrid Wonde mitbrachte, als sie 1999 die frisch geschaffene ehrenamtliche Stelle in der Samtgemeinde Boldecker Land besetzte, waren nicht Schlabberlook und Geschlechterkampf, sondern Kompetenz, Wissen und Erfahrung. Die diplomierte Sozialarbeiterin und staatlich anerkannte Erzieherin mit therapeutischer Zusatzausbildung war – und ist bis heute – hauptberuflich beschäftigt beim Ambulanten Justizsozialdienst Niedersachsen, leistet also Sozialarbeit in den Bereichen Bewährungshilfe, Führungsaufsicht und Gerichtshilfe und ist Teil der Niedersächsischen Justiz. Sie hat Schicksale gesehen und will Frauen helfen, wo Frauen Hilfe brauchen.

Gleichstellungsstatt Frauenbeauftragte

Wer sich tagtäglich und über viele Jahre sehr verantwortungsbewusst mit dem Schicksal von Straftätern und Opfern befasst, kennt keinen Nine-to-Five-Job. Dennoch hat sich Astrid Wonde entschieden, ehrenamtlich und zusätzlich zu ihrem Beruf als Frauenbeauftragte Hilfesuchenden in regelmäßigen Sprechstunden zur Verfügung zu stehen. „Die Frauen, die zu mir kamen, wollten in der Hauptsache über Themen wie Trennung und Scheidung und Missbrauch und Gewalt in der Familie sprechen. Aber auch plötzliche Armut von Alleinerziehenden nahm einen immer größer werdenden Raum ein“, erinnert sich Astrid Wonde. Um helfen zu können, schuf sie sich im Laufe der Jahre ein immer größer werdendes Netzwerk aus Ämtern, Organisationen und Verbänden, denn oft ließ sich die Not nicht allein mit finanziellen Mittel lindern, sondern es bedurfte auch psychologischer oder juristischer Unterstützung, nicht selten sogar des Schutzes vor körperlicher Gewalt. All das waren wichtige Funktionen der Frauenbeauftragten in den Kommunen, doch die eigentlichen politischen Ziele gingen weit darüber hinaus.


„Die schönen Dinge im Leben sind es dann, die mir zeigen, wofür ich das alles tue.“


Das Gleichstellungsgesetz in Deutschland zielte auch auf die Erhöhung der Frauenanteile in Führungspositionen und Gremien ab, erst recht auf die Gleichstellung am Arbeitsplatz. Die Novelle des Gesetzes und die Kompetenzerweiterung von Gleichstellungsbeauftragten sollte nicht zuletzt bewirken, diese Kluft zwischen Anspruch und Wirklichkeit zu verringern. „Ich werde also auch hinzugezogen, darauf zu achten, dass die Unterrepräsentanz von Frauen bei der Besetzung von Ausbildungsplätzen, bei Einstellung, Beförderung, Höhergruppierung und Übertragung höherwertiger Tätigkeiten abgebaut wird“, erklärt Astrid Wonde ihre Aufgaben. Sie ist also auch Ansprechpartnerin für alle Frauen und Männer, die bei der Samtgemeinde beschäftigt sind.

Kein Kampf der Geschlechter

Astrid Wonde hat stets ein offenes Ohr bei ihrer ehrenamtlichen Arbeit als Gleichstellungsbeauftragte der Samtgemeinde.
Astrid Wonde hat stets ein offenes Ohr bei ihrer ehrenamtlichen Arbeit als Gleichstellungsbeauftragte der Samtgemeinde.

Bald zwanzig Jahre sind nach Aufnahme ihrer ehrenamtlichen Arbeit im Weyhäuser Rathaus vergangen, und die Honoratioren von damals konnten beruhigt feststellen: Die lila Revolution blieb im Boldecker Land aus. Personalgespräche bei Besetzungsfragen verliefen konfliktfrei und einvernehmlich, und hin und wieder leuchten sogar höchst erfreuliche Signale: „Es ist uns gelungen, in einer Ortsfeuerwehr der Samtgemeinde eine stellvertretende Ortsbrandmeisterin – zurzeit kommissarisch – einzusetzen, für eine Kindertagesstätte konnten wir einen weiteren Erzieher gewinnen. In beiden Fällen also ein Einbruch in die Domäne des jeweils anderen Geschlechts“, freut sich Astrid Wonde.

Aber nicht nur dafür erhält sie Unterstützung vom Samtgemeinderat. Das politische Gremium stockte sogar die Betriebsausgaben im Haushalt 2018 auf. So stand mehr Geld zur Verfügung für die Organisation des Internationalen Frauentages 2018. „Männer wie Frauen wissen inzwischen: Der 8. März ist kein Kampftag, sondern ein Anlass für Frauen, sich für ihr Engagement auch mal zu belohnen und fröhlich zu sein“, erklärt Astrid Wonde. Das ist den Veranstalterinnen am diesjährigen 8. März mit Bravour gelungen. Zum Höhepunkt des Tages, an dem Samtgemeindebürgermeisterin Anja Meier auch an das Ereignis „100 Jahre Wahlrecht für Frauen“ erinnerte, luden sie die scharfzüngige deutsch-amerikanische Entertainerin Gayle Tufts und 200 Frauen aus dem Boldecker Land in den Heide Krug in Barwedel ein. „Veranstaltungen wie diese sind wichtig, denn sie geben Kraft. Und die brauche ich sowohl beruflich als Bewährungshelferin als auch ehrenamtlich als Gleichstellungsbeauftragte. Denn ich gelange immer wieder an menschliche Abgründe unserer Gesellschaft. Die schönen Dinge im Leben sind es dann, die mir zeigen, wofür ich das alles tue“, ist sich Astrid Wonde sicher. (jv)


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