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Home Sonderthemen Neues aus Wolfsburg und Umgebung Fleisiges Bienchen
15:21 12.09.2019
Fotos: Nicola Passchinski (3), Privat (1)

Hunderte winzige kleine, pelzige Körper, die aufgebracht hin und her schwirren. Inmitten des Schwarms steht eine Gestalt im weißen Ouverall und mit ellenbogenlangen Handschuhen, die mit ruhigen Bewegungen nach dem Herzstück ihres Bienenstocks greift: dem Rahmen mit Honigwaben. „Ganz schön schwer“, freut sich Michaela Esch. Die Bienen haben die Wabe bereits zu einem Drittel gefüllt ...
          

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Michaela Esch ist Imkerin aus Leidenschaft. Ein Bienenschwarm, den eine Nachbarin im Garten entdeckte, rief die 52-Jährige vor sechs Jahren auf den Plan. „Da mein Vater seit 30 Jahren Hobby-Imker ist, rief ich ihn an und bat ihn, den Schwarm abzuholen.“ Wegen der dortigen Faulbrut-Seuche lehnte der allerdings ab. Auf Anraten ihres Vaters brachte Michaela Esch den Schwarm erst einmal in ihren Garten. Jeden Tag ging die Bokensdorferin nun zu ihrem Volk und beobachtete mit wachsendem Interesse das emsige Leben der Honigbienen. Irgendwann war sie so fasziniert, dass sie beschloss, in die Fußstapfen ihres Vaters zu treten.
      

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Bei ihm ging sie in die „Lehre“, besuchte diverse Grundkurse Imkerei, einen Honiglehrgang und erweiterte ihr Wissen stetig durch Fachliteratur. Jüngst absolvierte sie im Bieneninstitut Celle den Lehrgang „Bienenkrankheiten“. Zwecks Erfahrungsaustausch schloss sie sich zudem dem Imkerverein Meinersen an.
           

KEIN JOB FÜR „NEBENBEI“

Mittlerweile nennt Michaela Esch 20 Bienenvölker ihr Eigen, die sie an unterschiedlichen Standorten – unter anderem auf dem naturnah angelegten Golfplatz in Bokensdorf – hält. Ein Job, den man nicht nebenbei macht. Denn Imkern ist eine zeitaufwendige Tätigkeit, vor allem im Frühjahr und Sommer. „Alle sieben Tage schaue ich jede einzelne Wabe nach Weichselzellen durch, gucke, ob die Bienen eine oder mehrere Königszellen gebaut haben. Diese entnehme ich dann, um den Schwarmbetrieb zu unterdrücken.“

Die entnommenen Weichselzellen setzt sie in eine Ablegekaserne mit ausreichend Bienen sowie Futter und zwei leeren Waben, um ein neues Volk zu ziehen. „Die Aktivität der Bienen ist nämlich abhänging von der Witterung und Umgebungstemperatur.“ Und davon ist letztlich auch der Ertrag abhängig. Im vergangenen Jahr erntete die Bokensdorferin rund 500 Kilogramm Honig.


„ALLE SIEBEN TAGE SCHAUE ICH MIR JEDE EINZELNE WABE IN ALLEN BIENENVÖLKERN AN. DIE AKTIVITÄT DER BIENEN IST NÄMLICH ABHÄNGING VON DER WITTERUNG UND UMGEBUNGSTEMPERATUR.“

MICHAELA ESCH


Generell ist die Arbeit an dem Bienenjahr ausgerichtet und ein ständiger Kreislauf. Michaela Esch verbringt viel Zeit draußen in der Natur. Denn zwischen Bienen und Imker besteht eine Beziehung auf Gegenseitigkeit:

Der Imker erntet im Sommer den von den Bienen hergestellten Honig und weitere Produkte, dafür bringt er die Bienen durch Zufütterung, Pflege und entsprechend bereitgestellte Behausungen (Beuten) gut und sicher durch den Winter.
           

Ein Volk von Honigbienen umfasst zur Hochsaison im Frühsommer bis zu 50.000 „Bürger“ in einem Bienenstock. „Die Bienenkönigin und ihre Arbeiterinnen haben ein ausgeklügeltes Sozialsystem“, erläutert Michaela Esch. Alle Mitglieder des Staates, Königin, Arbeiterinnen und Drohnen, verfolgen das gleiche Ziel: das Überleben des Volkes und seiner Nachkommen zu sichern. Damit sie dieses Ziel erreichen, gibt es unter den Honigbienen eine klare Rollenverteilung: Die Königin steuert neben dem Ablegen der Eier durch Pheromone das Geschehen im Staat: Der Stoff unterstützt das Lernverhalten der Arbeiterinnen, hält diese – auch während des Schwärmens – zusammen, unterdrückt die Entwicklung von Eierstöcken beziehungsweise die Aufzucht neuer Königinnen und lockt die Drohnen während der Paarungszeit an.


„JEDER EINZELNE KANN ZUR NAHRUNG FÜR BIENEN BEITRAGEN, INDEM ER IM GARTEN ODER AUF DEM BALKON BIENENFREUNDLICHE BLUMEN UND STRÄUCHER PFLANZT, INSEKTENHOTELS AUFSTELLT UND AUCH IM SOMMER VÖGEL FÜTTERT.“

MICHAELA ESCH


EIN TEELÖFFEL HONIG IST DAS LEBENSWERK EINER ARBEITERBIENE

Die Arbeiterinnen bilden den größten Teil der Bienen in einem Stock. Ohne sie könnten weder die Königin noch Drohne existieren. Nach 21 Tagen schlüpft die fertige Arbeiterin samt Giftstachel mit kleinsten Widerhaken zur Verteidigung aus der Wachszelle und kann nun ihrem Namen sprichwörtlich gerecht werden: arbeiten bis zum Umfallen! In den sechs Wochen ihres Sommerlebens übernimmt sie beinahe alle wichtigen Aufgaben im Stock.
             

Foto: Nicola Passchinski
Foto: Nicola Passchinski

Rund ein Teelöffel Honig ist das Lebenswerk einer Arbeiterbiene. Dafür ist sie rund 3000 Kilometer von Blüte zu Blüte geflogen, hat den süßen Nektar aufgesogen und ihre klebrige Last heim in den Bienenstock getragen. Sind die Waben voll, holt Esch diese ein, schleudert sie aus und das klebrige Sekret in Gläser ab. Nach der Honigernte kümmert Esch sich natürlich auf darum, dass ihre Bienen selbst genügend Nahrung für den Erhalt ihres Volkes haben.

Wie viele andere Imker wünscht sich Esch, dass es gut wäre, wenn es mehr Blühstreifen gäbe, wo Bienen Nahrung finden können. „Jeder Einzelne kann dazu beitragen, indem er im Garten oder auf dem Balkon bienenfreundliche Blumen und Sträucher pflanzt, Insektenhotels aufstellt und auch im Sommer Vögel füttert“, so Esch. nip

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